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Kurzfilm als Abschlussarbeit Zwischen zwei Kulturen

In der Abschlussarbeit zweier Filmstudentinnen der Hochschule Darmstadt dreht sich vieles um Heimat und Herkunft.

11.10.2011 20:40
Moritz Zimmermann
Emma Spelman und Irem Kurt (rechts) sind stolz auf ihren Kurzfilm. Foto: Christoph Boeckheler

Die Türken nennen die Deutschen Kartoffeln. Nicht nur die Türken, aber wenn schon ein Klischee bedient wird, dann bitte richtig. Was ist aber nun, wenn die Iren viel mehr Kartoffeln essen als Deutsche und Türken zusammen? Das ist nicht die essenzielle Frage des Films „Where They Understand Me“, den Emma Spelman und Irem Kurt jetzt in den Frankfurter E-Kinos vor 180 Zuschauern präsentieren konnten. Es ist aber ein Beispiel, das bei dem Unterfangen, Fragen nach Herkunft und Heimat zu beantworten, von den jungen Regisseurinnen gestreift wird.

Überhaupt spielt die Kartoffel eine nicht ganz unwichtige Rolle bei dem Versuch, verschiedene Erinnerungen an eine Kindheit zwischen zwei Kulturen unter einen Hut zu bringen. Emma Spelman und Irem Kurt haben gerade ihren Bachelor an der Hochschule Darmstadt gemacht. Als Abschlussarbeit fungiert sozusagen der zwanzigminütige Kurzfilm. Kurt ist türkischer, Spelman irischer Abstammung. Doch der Film sei nicht ihre eigene Geschichte. „Es geht um Heimatlosigkeit, die Frage, wo ich dazugehöre“, sagt Kurt. Das hat zwar mit eigenen Kindheitserfahrungen zu tun, jedoch nicht in der vorgeführten Intensivität.

Im Film geht es schließlich um Liam, einen gerade nach Frankfurt gekommenen Iren, der IRA-Terrorist war und jetzt nicht mehr weiß, ob Irland noch seine Heimat sein kann. Und es geht um Asli, eine türkische Deutsche, die mit ihrer Herkunft bisher nicht viel anfangen kann, außer dass zu Hause diese Mischung aus Türkisch und Deutsch gesprochen wird wie so oft in zweisprachigen Haushalten in Frankfurt und Umgebung. Durch die Gespräche mit Liam und die Krankheit des türkischen Vaters entschließt sich Asli jedoch zur Reise nach Istanbul.

Aufnahmen aus Istanbul und Limerick

Der Kurzfilm vermittelt eine Vielzahl an Erinnerungen. Das Hin- und Hergerissensein zwischen Kulturen, die unterschiedlicher nicht sein können. Dabei beeindrucken vor allem die in Istanbul und Limerick gemachten Aufnahmen. Dass Berührungspunkte zwischen Iren und Türken existieren, die mit dem Gefühl von Heimatlosigkeit gar nichts zu tun haben, entdeckte Emma Spelman bei den Recherchen zum Film. So entstand die Szene, in der Liam von der irischen Kartoffelpest aus dem 19. Jahrhundert erzählt. Während dieser schwierigen Zeit soll es ausgerechnet ein türkischer Sultan gewesen sein, der ein Schiff voller Lebensmittel am englischen Handelsembargo vorbei nach Irland schleusen konnte.

Diese und andere Szenen entstanden nach zahlreichen Gesprächen und nach dem Sichten vieler Filme. Die Grundidee, den inneren Konflikt eines Menschen zu zeigen, der zwischen den Kulturen aufgewachsen ist, konnte so ausgestaltet werden.

Die beiden jungen Filmemacherinnen haben alles zusammen gemacht: das Drehbuch, die Regie, die Produktion. Christian Molz war der Kameramann und ist ebenfalls Absolvent des Studiengangs Digitale Medien mit Schwerpunkt Film an der Darmstädter Hochschule. Die Reisen in die fremden Städte haben sie sich erarbeitet. „Wir haben alles selbst finanziert“, sagt Spelman nicht ohne Stolz. Gut 5000 Euro brauchte das Team. Mit allerlei Jobs im Medienbereich konnten sie das Geld zusammentragen. Hinzu kamen Spenden von Freunden. „Einer hat sogar eigene Möbel verkauft.“

Spelman ist 26 Jahre alt und hofft mit dem Film in der Branche Fuß fassen zu können. Das will auch die 23-jährige Irem Kurt. Beide sind optimistisch, dass ihr Kurzfilm bald nochmals im Kino gezeigt werden kann.

Das nächste Projekt haben die beiden Jungregisseurinnen bereits im Kopf. Es soll auf jeden Fall wieder etwas Gemeinsames sein. „Wir wollen uns weiter mit Jobs über Wasser halten und den nächsten Film drehen“, ist Spelman entschlossen. Ihr Team harmoniere. Trotz ganz unterschiedlicher Interessen wisse die eine mittlerweile was die andere denke, sagt Irem. Eine gute Voraussetzung, findet sie.

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