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Hanau Gallus aus Hanau

Die Hanauerin Jana Gallus lehrt mit nur 29 Jahren als Assistenzprofessorin an der University of California, einer der renommiertesten Unis der Welt. Ihr Forschungsschwerpunkt sind Preisverleihungen und Auszeichnungen.

Jana Gallus arbeitet gern. Foto: Privat

Jana Gallus ist vor zwei Monaten 29 Jahre alt geworden – und hat damit das Durchschnittsalter ihrer Studenten an der University of California erreicht, die sie ab dem kommenden Monat unterrichten wird. Nur zehn Jahre nach ihrem Abitur an der Karl-Rehbein-Schule in Hanau wird Gallus Assistenzprofessorin (ähnlich einer Juniorprofessur) an einer der renommiertesten Unis der Welt. Wie hat sie das geschafft?

Einen Verweis gibt sie selbst, wenn sie sagt, dass sie von „Work-Life-Balance“ nicht viel halte. Der Begriff würde Arbeit negativ abstempeln, sagt sie im Interview mit der FR. Natürlich ist es keine Überraschung, dass ihr bisheriger Werdegang mit viel Arbeit verbunden war und dass sie sich vermutlich nicht jedes Wochenende in Studentenclubs die Birne zugedröhnt hat. Wäre auch schade gewesen um ihr ganz offensichtlich sehr leistungsfähiges Gehirn.

Abitur mit der Abschlussnote 1,0. Dann zwei Bachelor-Abschlüsse in drei Jahren in Kalifornien und an der Sciences Po in Paris, dann ein Doppeldiplom, ebenfalls an der Sciences Po und an der Universität St. Gallen in der Schweiz. Ihre dreijährige Promotion in Zürich schloss sie 2014 mit Summa cum laude ab. Forschungsschwerpunkt der Ökonomin: Preisverleihungen und Auszeichnungen.

Auszeichnung für Wiki-Autoren

Gallus selbst hat nicht wenige Auszeichnungen erhalten. Im August wird ihr die Academy of Management auf der weltweit größten Konferenz in der Management- und Organisationsforschung einen Preis für die beste wissenschaftliche Abhandlung verleihen. Ob sie stolz darauf ist? „Ich freue mich“, sagt sie, „das ist eine Anerkennung für meine Arbeit“.

Grundsätzlich seien Auszeichnungen keine schlechte Sache, sagt Gallus. Sie seien eine „Alternative zu monetären Anreizen“ und wirkten „stark motivierend“. Wenn Unternehmen Auszeichnungen an Mitarbeiter verliehen, würden Manager oft annehmen, es müsse noch „etwas Materielles“ dazu vergeben werden. Doch das sei oft nicht der Fall, betont Gallus. Wichtig sei die „öffentliche Anerkennung vor anderen“. Das Motivationspotenzial von Auszeichnungen hat Gallus mit einer Studie über das Online-Lexikon Wikipedia untersucht. Viele freiwillige Autoren, die im Netzwerk unter Pseudonym die Artikel verfassen, seien nach nur kurzer Zeit wieder inaktiv. Für Ökonomen sei es daher ohnehin ein „Wunder, dass es Wikipedia überhaupt gibt“. Gallus hat für die Autorengemeinschaft des Online-Lexikons ein Auszeichnungssystem eingeführt. Neue Autoren hätten für ihre ersten Beiträge eine symbolische Auszeichnung auf ihrer Profilseite verliehen bekommen. Der Effekt sei „erstaunlich“ gewesen, sagt sie. Die Rate der Neu-Autoren, die im Folgemonat aktiv blieben, habe sich um 20 Prozent erhöht.

Nicht überall funktioniert das so gut. Das Potenzial für sorgfältig vergebene Auszeichnungen sei aber noch nicht ausgeschöpft, betont die Wissenschaftlerin.

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