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Goethe-Universität Frankfurt „Weg von dem Druck auf die Kids, studieren zu müssen“

Die Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt, Birgitta Wolff, über Studienanfänger, Campus-Neubauten und Stiftungsprofessuren.

Birgitta Wolff ist Präsidentin der Goethe-Universität in Frankfurt. Foto: Christoph Boeckheler

Birgitta Wolff, Jahrgang 1965, ist seit Januar 2015 Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt. Die Wirtschaftswissenschaftlerin war zuvor unter anderem Professorin und Dekanin an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. 2010 wurde sie Kultusministerin in Sachsen-Anhalt, von 2011 bis 2013 Landesministerin für Wissenschaft und Wirtschaft. 

Frau Wolff, stellen Sie die hohen Studierendenzahlen vor Herausforderungen?
Seit Jahren erwarten wir, dass wir bei der studentischen Nachfrage ein Hochplateau erreichen. Aber die Einschreibungen steigen weiter, es werden nochmal ein paar Hundert mehr sein als im vergangenen Wintersemester – im Wintersemester nach aktuellem Stand 47 724 Studierende. Nicht alle bleiben jedoch im Verlauf der ersten drei Semester bei uns.

Haben Sie es auch mit jüngeren Studierenden als früher zu tun?
Ja, obwohl das bei uns kein Massenphänomen ist. Momentan reden wir von etwa 100 Studis, die unter 18 Jahre alt sind, und von denen erreichen bis Jahresende 70 die Volljährigkeit. Was uns mehr Sorgen macht ist, dass viele vom Habitus und der Bildung her jünger wirken als früher. Da fehlt nicht nur bei manchen ein Schuljahr, sondern auch der Zivil- oder Wehrdienst. Viele Kollegen sagen, dass es in den unteren Semestern ein gestiegenes Orientierungsbedürfnis gebe, weil Zeit für Bildung und Reife vor dem Einstieg ins Studium fehlen. Dass die Orientierungsphase im Studium nachgeholt wird, finde ich nicht per se schlimm. Wenn Studierende die Goethe-Uni in einer solchen Phase dann möglicherweise wieder verlassen, tauchen sie in der Statistik als Studienabbrecher auf, auch wenn sie nur den Studiengang oder die Universität gewechselt haben.

Wie reagieren Sie darauf?
Wir bieten hier am Campus für Studienzweifler eine Beratung gemeinsam mit der Handwerkskammer und der Industrie- und Handelskammer an. Da werden zum Beispiel auch Angebote für eine duale Ausbildung gemacht. Wir müssen wegkommen von dem Dauerdruck auf die Kids, unbedingt studieren zu müssen. Denn Lehre und Studium sind keine sich ausschließenden Bildungswege. Wichtig ist die Förderung lebenslangen Lernens. Wir werden zunehmend ältere Studierende haben, nicht nur Gasthörer im Seniorenstudium, sondern auch Erwerbstätige, die berufsbegleitende Abschlüsse bei uns machen.

Wie schaffen Sie es, mit immer mehr Studierenden den Betrieb gut am Laufen zu halten?
Wir haben neue Studiengänge und erhöhen die Zulassungszahlen bestehender Studiengänge. Mit einem Bund-Länder-Programm finanzieren wir seit Jahren den Start ins Studium. Das ist mit mehr als 60 Vollzeitstellen ein richtiges Powerprogramm, mit dem wir gezielt Studieneinsteiger unterstützen, vor allem durch mehr Tutorien und Betreuungsstellen. Sonst wäre die Zahl an Studienzweiflern noch höher. Wir finanzieren nach wie vor einen großen Teil der Lehrleistung aus für Forschung eingeworbenen Drittmitteln. Im Grunde ist das ein Unding, dass Lehrleistungen nicht über eine stabile Grundfinanzierung gedeckt sind.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Semesterstart

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