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Goethe-Universität Frankfurt Ein Wiki-Eintrag in 70 Sprachen

Mitarbeiter und Studierende machen dem Frankfurter Sprachwissenschaftler Jost Gippert eine besondere Geburtstagsüberraschung. Der 60-Jährige erhält einen Wikipedia-Artikel zu seiner Person, in 70 Sprachen übersetzt.

Jost Gippert (60) ist Professor für Vergleichende Sprachwissenschaft an der Frankfurter Goethe-Uni. Foto: Privat

Jost Gippert, Sprachwissenschaftler und Kaukasiologe an der Frankfurter Universität, feierte seinen 60. Geburtstag im März. Da hat er natürlich nicht mehr gedacht, dass da noch was kommen würde, schon gar nicht an einem Dienstagnachmittag, an dem sich Vertreter des georgischen Ministeriums bei ihm angekündigt hatten. Doch als Gippert vergangene Woche am Treffpunkt erschien, einem Sitzungsraum im Juridicum der Goethe-Universität, da war da keine georgische Delegation – dafür lächelten ihn seine Mitarbeiter, Studierende und Uni-Vertreter an. Ein Student spielte gleich ein Stück auf seinem Horn.

So hatte Gippert noch kurz Zeit, sich zu wundern, bevor die nächste Überraschung kam: das Geburtstagsgeschenk. Gippert bekam einen Wikipedia-Artikel zu seiner Person. Das Besondere: Er ist in 70 Sprachen übersetzt. Damit ist Gipperts Eintrag im Onlinelexikon in mehr Sprachen verfügbar als die Einträge von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), Bundestrainer Joachim Löw oder Philosoph Theodor W. Adorno.

Dänisch, Polnisch, Swahili, Esperanto, Baskisch, Plattdeutsch und Tamil sind dabei, auch Georgisch. In einigen Sprachen sei der Eintrag über Gippert länger als der von Barack Obama, in anderen sei es der erste Wikipedia-Eintrag überhaupt, berichteten Studierende, die am Geschenk mitgearbeitet haben. Insgesamt hätten etwa 90 Personen den deutschen Artikel übersetzt, rund drei Monate habe das gedauert. Die Idee zu dem sonderbaren Geschenk hatte Gipperts Doktorand Zakharia Pourtskhvanidze. Er berichtete, der Plan sei gewesen, den Eintrag Gipperts für jedes seiner bisherigen Lebensjahre ein Mal zu übersetzen. Es sind dann etwas mehr geworden. Die Resonanz sei groß gewesen, sagte Pourtskhvanidze. Sprachwissenschaftler auf der ganzen Welt hätten daran mitgearbeitet. Gippert zähle zu den weltweit besten in der empirischen Sprachwissenschaft, betonte er.

Wie aus dem Geschenk hervorgeht, hat Gippert mit 16 Jahren sein Abitur in Essen gemacht, mit 20 Jahren hatte er schon den Doktortitel. Seit 1994 lehrt er als Professor Vergleichende Sprachwissenschaft an der Goethe-Uni. Gippert selbst bestätigt, dass es wohl an die Hundert Sprachen seien, die er verstehen könne. Deswegen musste es etwas ironisch klingen, als er nach Übergabe des Geschenks bewegt feststellte, er sei „sprachlos“.

Offenbar automatisch hat Gippert nun bei Facebook eine Seite, die ihn dort als „Person des öffentlichen Lebens“ ausweist. Pourtskhvanidze sagt, erstellt sei sie wegen der zahlreichen Übersetzungen des Wikipedia-Eintrags. Niemand habe das autorisiert, eine Löschung sei beantragt. Im Übrigen schickte das georgische Ministerium statt der Vertreter georgischen Sekt.

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