Lade Inhalte...

Goethe-Universität Eine bunte Hochschule mit sehr vielen Gesichtern

Die Frankfurter Goethe-Universität hat eine abwechslungsvolle Geschichte - und die Zukunft fest im Blick.

Campus Riedberg
Am Campus Riedberg lässt es sich gut studieren. Zum Beispiel hier im Otto-Stern-Zentrum. Foto: Michael Schick

Es hat an der Goethe-Universität vor einigen Monaten ein Kunstprojekt gegeben, die „Humans of Goethe“. Angelehnt an die „Humans of New York“ des Fotokünstlers Brandon Stanton, fotografierten Mitglieder der Hochschulgemeinden Studierende und Angestellte der Goethe-Universität, fragten sie nach ihren Werten, Zielen, Wünschen. Es entstand ein buntes Panoptikum an Gesichtern und Geschichten, die jede für sich eine ganz eigene Perspektive auf die Hochschule zeigten.

Es war vielleicht der einzig passende Versuch, Hessens größte Hochschule zu charakterisieren. Denn die Goethe-Universität Frankfurt hat weit mehr als ein Gesicht. Unter ihren vielen Dächern diskutieren Studierende der Politik- oder Sozialwissenschaft über Marx und prekäre Arbeitswelten, während unweit ein Heer von WiWis, Studierende der Wirtschaftswissenschaften, bei Ersti-Rallyes über den lichten Campus Westend wimmelt und später die Vorlesungen auch bankenfinanzierter Lehrstühle im House of Finance besucht. Da tüfteln fernab am Riedberg Nachwuchs-Physikerinnen und -Meterologen an einem Planetenentstehungs-Experiment, das sie auf die Weltraumstation ISS schicken, während Masterstudierende der Curatorial Studies eine Kunstausstellung in Form eines 60er-Jahre-Headshops in einer alten Apotheke kuratieren.

In ihrer 103-jährigen Geschichte hat die Goethe-Universität ihre vielfältigen Gesichter zudem häufig gewandelt. Das zeigt sich nicht nur äußerlich – der seit 2001 betriebene Umzug vom alten Campus Bockenheim ins Westend ist noch immer nicht ganz abgeschlossen. Längst aber prägen die großzügigen Grünflächen und die lichten Neubauten ringsum das massive IG-Farben-Gebäude im Westend, das einst auch als Hauptquartier der US-Streitkräfte diente, das Bild der Goethe-Universität stärker als die alten Bauten an der Bockenheimer Warte, die dem Kulturcampus weichen. Hinzu gekommen ist ein ganz neues Universitätsquartier am Riedberg, wo die naturwissen-schaftlichen Institute in nächster Nachbarschaft zu außeruniversitären Forschungsinstituten und den Neubauquartieren der familiengründenden Mittelschicht forschen können. Und auch am vierten Campus, dem Universitätsklinikum in Niederrad, wird seit Jahren erweitert, modernisiert, umgebaut.

Angefangen hatte einst alles mit rund 20 Millionen Goldmark. Oberbürgermeister Franz Adickes, Industrielle wie Wilhelm Merton und zahlreiche Frankfurter Bürgerinnen und Bürger, vor allem jüdischer Herkunft, setzten ihre Stimme und ihr Vermögen für die Gründung der Frankfurter Universität am 18. Oktober 1914 ein. Deutschlands erste Stiftungsuniversität begann mit fünf Fakultäten. Auch jenes einflussreiche Institut, aus dem die Kritische Theorie um Max Horkheimer und Theodor W. Adorno hervorging, wurde in den Zwanzigerjahren gestiftet: Der Kaufmann und Mäzen Hermann Weil gründete 1923 das Institut für Sozialforschung.

Zur komplexen Historie der seit 1932 unter dem Namen Johann Wolfgang von Goethes firmierenden Universität gehört aber auch, dass jene, deren Wirken weltweit als „Frankfurter Schule“ bekanntwerden sollte, 1933 von den Nationalsozialisten ins Exil vertrieben wurden. 100 jüdische Wissenschaftler verloren im Jahr von Hitlers Machtergreifung ihre Lehrbefugnis, ein Drittel der Professorenschaft musste gehen, jüdische Studierende wurden zwangsexmatrikuliert. Erst Anfang der 50er Jahre kehrte das Institut für Sozialforschung an die Goethe-Universität zurück, die mittlerweile zur staatlichen Hochschule geworden war.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Semesterstart

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum