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Goethe-Universität Ehre für einen Nazi

Auf einer Ehrentafel der Frankfurter Goethe-Universität ist ein glühender Anhänger Adolf Hitlers und des NS-Regimes verzeichnet. Ein Wissenschaftler fordert die Entfernung des Namens.

Westend
Das IG-Farben-Haus am Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt. Foto: peter-juelich.com

Die Erinnerung an ihre „Freunde und Förderer“ hochzuhalten, ist erklärtes Anliegen der Goethe-Universität. Im vierten Stock des Präsidiums auf dem Westend-Campus verzeichnet eine große Tafel in goldenen Buchstaben die Namen der Institutionen und Privatpersonen, welche die Hochschule seit ihrer Gründung 1914 unterstützt haben. „Die Johann Wolfgang Goethe Universität in Dankbarkeit ihren Stiftern und Mäzenen“, heißt es dort. 

Doch einer der aufgeführten Namen hat es in sich: Albrecht Schmidt, ehemaliges Vorstandsmitglied der IG Farben und glühender Anhänger Hitlers und des NS-Regimes, der bereits 1933 in die NSDAP und später in die SS eintrat. Dass dieser Mann dort aufgeführt wird, ist für Benjamin Ortmeyer, emeritierter Professor der Erziehungswissenschaften, schlicht „unerträglich“. 

In einem offenen Brief an die Universitätsleitung fordert Ortmeyer, Schmidts Namen schnellstmöglich von der Ehrentafel zu entfernen und spricht von einem „folgenschweren Fehler“. Die Fakten über Schmidt seien allgemein bekannt und ohne größeren Aufwand recherchierbar. „Den Bemühungen an der Goethe Universität zur Aufarbeitung der Geschichte der Universität in der NS-Zeit, die seit 2014 massiv angemahnt werden, steht dieser Name krass entgegen“, schreibt Ortmeyer.

Es ist nicht die einzige „Namenskontroverse“ an der Goethe-Universität. Auch die Benennung eines Gruppenraums am Campus Riedberg Ende 2016 nach dem Industriellen Adolf Messer, der wie Schmidt früh in die NSDAP eingetreten ist, wird von Professoren und dem Allgemeinen Studierendenausschuss heftig kritisiert.

Die Goethe-Universität verweist in einer Stellungnahme zu Ortmeyers Brief darauf, dass derzeit eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte der Goethe-Universität in der NS-Zeit stattfinde. In deren Rahmen sollten auch die Gedenktafeln auf dem Campus einer „historisch-kritischen Überprüfung“ unterzogen werden.

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