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Goethe-Universität Angst auf dem Campus

Nach sexuellen Übergriffen will die Polizei verunsicherte Studierende mit Informationsabenden beruhigen.

Goethe-Universität
Nach mehreren sexuellen Übergriffen will die Polizei nun Informationsabende veranstalten. Foto: Christoph Boeckheler

Nach den sexuellen Übergriffen in der Nähe der Goethe-Universität startet die Frankfurter Polizei nun eine ungewöhnliche Informationskampagne. So soll es in der kommenden Woche Dialogveranstaltungen für die Anwohner der Siolistraße geben. In der Straße nördlich des Uni-Campus, in der sich drei der vier sexuellen Übergriffe ereigneten, befinden sich unter anderem zwei Studentenwohnheime für insgesamt 500 Studierende. Deren Bewohner und weitere Anwohner der Straße sollen mit Flyern über die Abendveranstaltungen informiert werden. „Uns ist es bislang nicht gelungen, Informationsdefizite in der Bevölkerung zu beheben“, begründete eine Polizeisprecherin die ungewöhnliche Maßnahme.

Die Polizei und die Universität hatten im Laufe der Woche zahlreiche Anrufe, Mails und Briefe aus ganz Hessen erhalten, in denen vor allem besorgte Eltern der Studierenden Ängste und Unverständnis über das polizeiliche Vorgehen äußerten. Bei einer Veranstaltung der Evangelischen Studierendengemeinde am Montag in der Siolistraße sollen zudem zwei weitere Frauen berichtet haben, sie seien Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden. Weitere Anzeigen als die bislang vier liegen aber nicht vor. Die Polizei bittet daher mögliche weitere Opfer, sich zu melden, um weitere Ermittlungsansätze zu bekommen.

Mit den Informationsabenden, die mit der Goethe-Uni abgestimmt sind, will die Polizei auch dem latenten Vorwurf begegnen, sie handele zu täterorientiert. Gleichwohl wurde mittlerweile eine 18-köpfige Arbeitsgruppe gebildet, um die zwei Täter zu schnappen. Neben verdeckten Ermittlern im Bereich des Campus seien dabei auch „verdeckte Maßnahmen mit Technik“ im Einsatz, hieß es. Weitere Details dazu wurden nicht genannt. Eine höhere offene Präsenz rund um den Campus, wie von Eltern der Studierenden gefordert, will die Polizei nicht zeigen. „Das würde nur eine Verlagerung der Problematik bedeuten“, so die Polizeisprecherin.

Die Polizei fahndet nach zwei Tätern. Einer hat seit vergangenem Oktober drei Mal jeweils gegen Mitternacht im Bereich der Siolistraße junge Frauen attackiert. In zwei Fällen gelang den Frauen die Flucht, im dritten Fall kam es zu sexuellen Handlungen. Der Täter wird als 1,65 bis 1,80 Meter groß, 25 bis 35 Jahre alt, schlank, mit lockigen Haaren beschrieben und soll Deutsch mit starkem Akzent gesprochen haben.

Ende Januar ereignete sich dann ein weiterer Vorfall, diesmal direkt auf dem Uni-Campus. Der 23-jährigen Studentin gelang zwar die Flucht vor dem übergriffigen Täter, sie stürzte dabei aber und verletzte sich derart, dass sie stationär im Krankenhaus versorgt werden musste. Die Täterbeschreibung bei dem Vorfall auf dem Adorno-Platz passt allerdings nicht zu der in der Siolistraße. Es soll sich um einen etwa 40 bis 50 Jahre alten Mann, um die 1,80 Meter groß, gehandelt haben.

Nach dem bislang letzten bekannt gewordenen Vorfall ging die Universität in die Offensive und informierte in einem Rundschreiben per Mail alle knapp 60 000 Studierenden über die Vorfälle. In dem Schreiben mahnte die Uni-Leitung zur Vorsicht insbesondere in den Nachtstunden und wies auf ihren seit 2011 existierenden Begleitservice für Studentinnen und Mitarbeiterinnen auf dem Campus hin. Die bislang einmalige Maßnahme hat offenbar viel Verunsicherung bei Studierenden und deren Angehörigen verursacht. Die Polizei hingegen hatte die Übergriffe zunächst nicht vermeldet, um die Ermittlungen nicht zu gefährden und keine Panik zu schüren. Zumindest Ängste scheint es nun aber offenbar zu geben.

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