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Goethe-Uni Der jüngste Vizepräsident

Vergangene Woche ist der Biologie-Professor Enrico Schleiff (40) zum jüngsten Vizepräsidenten der Goethe-Uni gewählt worden. Im FR-Interview äußert er sich darüber, wie es dazu kommen konnte und was er im Präsidium vorhat.

28.02.2012 20:39
Erforscht an Tomaten unter anderem die Reaktion der Pflanzen auf Hitzestress: der neue Uni-Vize Enrico Schleiff. Foto: Michael Schick

Herr Schleiff, wie wird man eigentlich Vizepräsident?

Das ist kein Ziel, das man verfolgt. Vor einem Jahr hätte ich mir das nicht vorstellen können. Ich bin in bestimmten Gremien aktiv gewesen; ich habe versucht, mich in Wissenschaft und Lehre sowie in die Organisations- und Selbstverwaltungsstrukturen einzubringen. Durch diese Aktivitäten ist man auf mich aufmerksam geworden. Der Präsident hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könne, ein solches Amt zu bekleiden. Darüber musste ich intensiv nachdenken.

Ist Ihnen die Entscheidung leichtgefallen?

Ich gebe zu, dass es mir überhaupt nicht leichtgefallen ist, Ja zu sagen, weil man als junge Person eher der Lehre und Forschung zugeneigt ist. Als Vizepräsident ist die Zeit dafür drastisch reduziert. Meine Familie hat mich bestärkt, ich solle doch, wenn ich die Möglichkeit habe, die Universität ein Stück weit mitzugestalten, diese Verantwortung wahrnehmen.

Wie genau haben Sie sich bisher engagiert?

Ich war beteiligt an einem Konzept für eine Graduiertenschule im Rahmen des Exzellenzclusters Makromolekulare Komplexe. Es wurde leider nicht zur Förderung vorgeschlagen, aber wir haben sehr gute Ideen entwickelt und diese sehr gut vertreten. Am Centre for Membrane Proteomics (CMP) haben wir versucht, den Nachwuchs auszubilden, zum Beispiel mit Sommerkursen. Damit waren wir sehr erfolgreich. Außerdem war ich Mitglied der Senatskommission für die Ausarbeitung eines Hochschulentwicklungsplans. Schließlich ist es mir zusammen mit Kollegen gelungen, ein internationales Trainingsnetzwerk aus Frankfurt zu organisieren. Das alles hat gezeigt, dass ich auch Dinge tue, die nichts mit meiner Forschung zu tun haben.

Was gehört zu den Aufgaben eines Vizepräsidenten?

Es gibt zwei große Aufgabenbereiche: Zum einen arbeitet ein Vizepräsident mit den Fachbereichen zusammen, zum andern gibt es Querschnittsaufgaben, die die gesamte Universität betreffen. Da müssen bestimmte Akzente gesetzt werden. Meine Aufgabe wird die Nachwuchsförderung sein, vom Ende des Studiums bis zum Anfang der Professur. Studierende sollen auf jeder Stufe ihrer Karriereleiter betreut werden, um ihnen nach ihren Interessen eine Ausbildungsmöglichkeit zu geben. Warum gerade das Interesse am Nachwuchs?

Als jemand, der erst vor einigen Jahren Professor geworden ist, weiß ich noch sehr gut, wie es dem Nachwuchs geht: die Unsicherheit, die Frage nach der Weiterfinanzierung der eigenen Stelle. Die Projekte, an denen ich beteiligt bin, sollen Studierenden die Chance geben, sich nach ihren eigenen Ansprüchen und Interessen weiterzuentwickeln, sich eine bessere Position auf dem Arbeitsmarkt zu erarbeiten und Möglichkeiten zu schaffen, sich als Nachwuchswissenschaftler besser sichtbar zu machen. Die Universität Frankfurt ist eine offene Umgebung, die wesentliche Impulse gesetzt hat für Nachwuchsarbeit. Das hat mich stimuliert, dort weiterzuarbeiten, wo das universitäre System weiter gestärkt werden muss.

Wo sehen Sie noch Verbesserungsbedarf?

Wir haben zwar schon Konzepte angestoßen, aber sie gehören auf den Prüfstand ob ihrer Tauglichkeit und Akzeptanz. Ein Instrument ist noch nicht voll entwickelt: Das ist die Informationsstrategie über mögliche Karrierewege. Die Studierenden haben Probleme einzuordnen, was für Möglichkeiten sie haben. Nur so können sie sich darauf vorbereiten, was sie selber wollen. Daran muss noch gearbeitet werden.

Sie sind mit großer Mehrheit ins Präsidium gewählt worden. Wie erklären Sie sich den Zuspruch bei ihrer Wahl?

Vielleicht ist dieser Zuspruch dem Wunsch geschuldet, dass ein junger Mensch eine andere Sichtweise in das Präsidium trägt. Wegen meines Alters schaue ich auch auf die Probleme außerhalb der professoralen Schicht.

Wie geht es ihnen damit, der Jüngste im Präsidium zu sein?

Ich habe kein Problem damit, der Jüngste zu sein. Ich bin überzeugt, dass ich mit den Präsidiumsmitgliedern sehr gut zusammenarbeiten kann. Es wurde als eine sehr positive Entwicklung empfunden, dass das Präsidium Vertreter in allen Altersschichten hat.

Das Interview führte Lukas Gedziorowski

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