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Frankfurter Philosoph Forst Jubel über Leibniz-Preis

Die Goethe-Universität feiert den Philosophen und Politikwissenschaftler Rainer Forst: Er erhielt den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis - und darf sich über 2,5 Millionen Euro Fördergeld freuen.

Darf sich über 2,5 Millionen Euro Fördergeld freuen: Rainer Forst. Foto: Andreas Arnold

Irgendwann reichte es Rudolf Steinberg. Wieder und wieder war der damalige Präsident der Goethe-Universität in seiner Amtszeit mit dem Vorwurf konfrontiert worden, seine Hochschule investiere nur in Wirtschafts- und Naturwissenschaften und kümmere sich nicht mehr um die Geisteswissenschaften, für die die Uni einst berühmt war. In einem Gespräch mit der Frankfurter Rundschau während der großen Bildungsproteste 2006 wurde Steinberg dann richtig laut: „Glauben Sie denn allen Ernstes“, rief der Präsident, „glauben Sie allen Ernstes, einen Rainer Forst bekommen Sie einfach so an die Universität – so ein Mann geht nicht irgendwo hin, wo die Bedingungen nicht stimmen.“

Fünf Jahre später darf Steinberg sich bestätigt fühlen. Wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft am Donnerstagnachmittag in Bonn mitteilte, erhält der Philosoph und Politikwissenschaftler Forst den mit 2,5 Millionen Euro dotierten Leibniz-Preis. Keine Auszeichnung für Wissenschaftler in Deutschland ist angesehener. Rainer Forst habe „auf höchst originelle Weise“ die Erkenntnis formuliert, dass der Mensch schon immer in verschiedene „Rechtfertigungspraktiken“ eingebettet gewesen sei, begründete die Jury ihr Urteil.

An der Goethe-Universität sorgte der Preis für großen Jubel. Präsident Werner Müller-Esterl sprach am Donnerstagabend von einer „hocherfreulichen Auszeichnung für einen Wissenschaftler, der die Profilbildung der Geistes- und Sozialwissenschaften an der Goethe-Universität in den vergangenen Jahren entscheidend vorangebracht hat“. Forst gehöre zu den wichtigsten politischen Philosophen in Deutschland. „Wer heute nach den wegweisenden Ansätzen zu Themen wie Gerechtigkeit, Toleranz, Freiheit oder Demokratie fragt, wird auf die Arbeiten Forsts verwiesen“, sagte Müller-Esterl.

Seine Thesen hatte der 47-Jährige vor gut einem Jahr bei der Bürger-Universität im Foyer der Frankfurter Rundschau vorgestellt. Justitia trage aus gutem Grund Schwert und Waage in den Händen „und keine Obstschale“. Gerechtigkeit müsse erkämpft und verteidigt werden. „Unseren Gerechtigkeitsbegriff dürfen wir nicht herunterstutzen, weil die Wirklichkeit eine andere ist“, sagte Forst.

Mit der Verleihung des Leibniz-Preises schließt sich für Forst der Kreis seines wissenschaftlichen Wirkens. Denn vermutlich wäre seine Karriere anders verlaufen, hätte nicht Jürgen Habermas als erster Frankfurter Wissenschaftler die Auszeichnung erhalten. Mit dem Preisgeld gründete der Star der Frankfurter Geisteswissenschaften die berühmte Arbeitsgruppe Rechtstheorie. Habermas nahm Forst in die Gruppe auf, Forst brillierte, der Rest ist Geschichte. 2004 nahm er eine Professur für Politische Theorie und Philosophie an der Goethe-Universität an.

Doch nicht nur mit dem Leibniz-Preis macht Forst der Frankfurter Hochschule Ehre. Zugleich ist er Sprecher des Forschungsprogramms „Die Herausbildung normativer Ordnung“. Bei der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern hatte die Goethe-Universität mit diesem Cluster gepunktet und mehr als 30 Millionen Euro an Fördergeld eingeworben.

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