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Frankfurter Eintracht Maskottchen Der Eintracht-Adler ist kein Hesse

Die Map of Life zeigt die wahre Herkunft des Eintracht-Maskottchens Attila und gibt Auskunft über gefährdete Arten. Sie soll wie Wikipedia zu einem Nachschlagewerk für Otto Normalverbraucher werden.

17.08.2012 21:16
Nina Nikolai
Eingeplackt: Eintracht-Adler Attila. Foto: Jan Hübener

Attila, das Maskottchen der Frankfurter Eintracht, hat sich weit über die Grenzen der Stadt hinaus einen Namen gemacht. Der acht Jahre alte Steinadler aus dem Hanauer Wildpark gehört zum Fußballverein wie der Ebbelwei zu Hessen. Doch während der Apfelwein unbestritten auch hier zu Hause ist, müsste dies bei Attila noch bewiesen werden.

Um genau solche Fragen des Artenvorkommens, der Artenvielfalt und -gefährdung genauer bestimmen zu können, hat ein internationales Forschungsteam die Map of Life konzipiert. Neben der US-amerikanischen Yale Universität ist auch das Frankfurter BiK-F (Biodiversität und Klima Forschungszentrum) sowie die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung an dem Projekt beteiligt.

Katrin Böhning-Gaese, Professorin und Direktorin des BiK-F, betreut das Projekt und war von Beginn an davon begeistert. „Die Map of Life ist eine Bündelung des Wissens, man kann damit besser Schutzaktivitäten steuern und evolutionsgeschichtliche Entwicklungen verfolgen“, erklärt sie .

Die Datenbank verfolgt denselben Ansatz wie das Online-Lexikon Wikipedia. Zwar steckt die bisherige Entwicklung noch in den Kinderschuhen, doch soll die Nutzung für die breite Öffentlichkeit als Nachschlagewerk und auch die Möglichkeit, Ergänzungen vorzunehmen, in den nächsten zwei bis fünf Jahren abgeschlossen sein. „Das Wissen von beispielsweise Hobby-Ornithologen ist sehr kostbar. Wenn es in die Datenbank einfließen würde, anstatt nur in Notizblöcken zu verschwinden, wäre das eine Bereicherung für alle“, sagt Böhning-Gaese.

Karte ist noch etwas sperrig zu handhaben

Die Map of Life ist bereits online nutzbar, allerdings für Otto Normalverbraucher in der Anwendung etwas sperrig. Bei allgemeinen Suchfunktionen auf der Webseite stellt sich das erste Problem: Wenn dem Nutzer der Suchbegriff nicht auf Englisch oder Latein geläufig ist, hilft nur der Zwischenschritt übers Wörterbuch. Ist dieser gemacht, kann der Nutzer wählen, auf welche Quelle er bei der Suche zugreifen will: Die erste, mit Namen GBIF, beinhaltet Daten aus Museen und Sammlungen, die zweite und vierte sind jeweils gesammelte Informationen aus der Wissenschaft, bei der dritten Quelle wird auf die Datensammlung der Naturschutzorganisation WWF zugegriffen.

Je nach Auswahl ändert sich auch die Darstellung der Treffer: von Punkten und damit einem genauen Ergebnis bis hin zu Flächen, die äußert ungenau sind. Irritierend wirkt bei Anzeige aller Ergebnisse, dass teilweise Flächen abgebildet werden, innerhalb derer sich allerdings kein einziger Punkt findet. Neben den Spracheinstellungen sei das noch eines von etlichen Problemen, die im Laufe der Zeit behoben werden müssen, erläutert Katrin Böhning-Gaese. Man kann auch durch ein Hintertürchen zu deutschen Suchergebnissen gelangen: Wenn man statt der allgemeinen Suche die Spezialsuche auf der Seite rechts oben auswählt und mit der Maus auf einen beliebigen Punkt in der Weltkarte klickt, öffnet sich ein Fenster, in dem gezeigt wird, wie viele Arten es in einem bestimmten Radius gibt, wie gefährdet sie sind sowie eine Verlinkung zu Wikipedia. Die kann man sich mit einem Klick auf Deutsch anzeigen lassen.

Für Frankfurt finden sich dabei unter der Gattungssuche „Vögel“ 161 Arten, davon drei, die vom Aussterben bedroht sind, von Attila jedoch keine Spur. Auch die allgemeine Suche nach dem Steinadler (Golden Eagle) bringt kein anderes Ergebnis: Es erscheinen in Europa zwar viele kleine rote Punkte – in Spanien, Norwegen, Finnland und der Schweiz – nicht jedoch Deutschland, geschweige denn in Frankfurt. Damit ist bewiesen: Apfelwein mag hessisch sein, Attila ist es nicht.

Weitere Informationen: www.mappinglife.org

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