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Frankfurt „Es ist für die Uni untragbar, so einen Mann zu ehren“

Für Benjamin Ortmeyer, ehemaliger Leiter der Forschungsstelle NS-Padägogik, ist es nicht weniger als ein Skandal, dass an der Goethe-Universität ein Raum nach einem Kollaborateur des Nazi-Regimes benannt wird.

Prof. Benjamin Ortmeyer
Benjamin Ortmeyer ist alles andere als ein Fan der Stiftungs-Lounge am Campus Riedberg. Foto: Michael Schick

Wie müsste eine anständige Aufarbeitung der NS-Vergangenheit an der Universität Ihrer Meinung nach aussehen?
Der Vorwurf des Präsidiums, der Asta und Kritiker wollten angeblich „Tilgung“ der Geschichte, hat was Demagogisches. Groß und unübersehbar sollen die Taten der Nazis dokumentiert werden, auch die von Adolf Messer und des SS Generals Albrecht Schmidt. Die Ehrung muss getilgt und dies begründet unübersehbar dokumentiert werden.

Braucht die Universität dafür möglicherweise eine eigene Kommission?
Auf jeden Fall. So etwas fordere ich ja schon seit 2014. Dazu müsste erst einmal das Universitäts-Archiv aufgearbeitet werden. Da fehlen im Moment zwei volle Stellen. Und wir haben noch nicht einmal ein Findbuch. Das heißt, die Kommission, die zusammen mit dem Fritz-Bauer-Institut gebildet werden soll, steht vor dem Problem, dass man überhaupt nicht weiß, was steht in diesem Archiv. Das ist aber nicht die Schuld der Archivare, die hier großartige Arbeit machen. Das liegt an einer grundsätzlichen Weigerung der Universität, dieses Problem anzugehen.

Aus Sicht des Präsidiums aber ist die Debatte mit der neuerlichen Umbenennung nun beendet.
Adorno und Horkheimer würden sich im Grab umdrehen, wenn das Präsidium damit durchkommt. Ich bin ziemlich sicher, dass die Öffentlichkeit durch klare Argumente die autoritäre Entscheidung des Präsidiums nicht akzeptieren wird. Es ist eine Frage der Zeit und auch die Studierenden sind zum Glück super engagiert und hartnäckig.

Interview: Danijel Majic

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