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Frankfurt Das Superhirn

Die Goethe-Universität verfügt seit Montag, 22. November, über den schnellsten Hochleistungsrechner an deutschen Hochschulen. Er steht im Industriepark Höchst und wird vom Riedberg aus ferngelenkt.

22.11.2010 20:59
Von Astrid Ludwig
34 Schränke, 285 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde. Foto: FIAS

Ein lautes Brummen durchzieht die Kammer. Rote und blaue Lichter blinken hundertfach in hohen schwarzen Schränken, die den fensterlosen Raum im Erdgeschoss der alten Messwarte im Industriepark Höchst füllen. 34 sind es an der Zahl, zusammen ergeben sie den Großcomputer „Loewe-CSC“, das neue Superhirn der Goethe-Universität, das am Montag seine Arbeit aufgenommen hat. Die Anlage, die 285 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde umsetzen kann, ist der schnellste Computer an einer deutschen Universität, der zweitschnellste in Deutschland überhaupt und der umweltfreundlichste in Europa.

Loewe-CSC, sagt Hessens Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann, katapultiert die Universität in die Topliga der Supercomputer. In Frankfurt sei damit eines der leistungsfähigsten wissenschaftlichen Rechenzentren der Welt entstanden. „Ohne diese Leistung kann man heute in der Forschung nicht mithalten.“ Die neue Anlage soll Forschern der Goethe- und anderer hessischer Unis sowie Wissenschaftlern des künftigen Ringbeschleunigers am GSI-Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt bei Simulationen, Datenauswertung und Berechnungen helfen. Er soll Elementarteilchen-Physikern ebenso nützlich sein wie Klimawissenschaftlern, Hirnforschern oder Experten der makromolekularen Chemie.

Viele Anfragen

Fünf Millionen Euro hat das Superhirn gekostet. 1,85 kamen vom Land, vier Millionen vom Bund und der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Laut Präsident Werner Müller-Esterl hat die Uni einen Vertrag mit Infraserv im Höchster Industriepark abgeschlossen. Der Computer hat dort seinen Standort, weil vor Ort kostengünstig und aus erneuerbaren Energien Strom erzeugt wird. Der Rechner wird vom Campus Riedberg aus ferngewartet.

Die Unterhaltungskosten, sagen die Computerwissenschaftler Volker Lindenstruth und Hans Jürgen Lüdde, die die Anlage konzipiert haben, sind der Knackpunkt. In drei Betriebsjahren kosten die meisten Supercomputer so viel wie ihre Herstellung. Die Experten der Goethe-Uni haben daher einen energieeffizienteren Rechner geplant, der „nur“ 650.000 Euro im Jahr kostet, eine Effizienz von 85 Prozent besitzt und acht statt der üblichen 50 bis 100 Prozent Nutzleistung für die Kühlung aufwendet. Die warme Abluft wird durch Wärmetauscher in Wasser umgewandelt. Die Wasserkühlung sitzt in den Türen, nicht im Gehäuse. Ein neues Konzept, das ihnen bereits viele Anfragen gebracht hat. Im Ranking der „Green 500“, der Öko-Rechner, liegen die Frankfurter damit weltweit auf Platz 22.

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