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Fachhochschule Karriere in der Luftfahrt

Die Fachhochschule Frankfurt bietet ein Masterstudium für die Luftfahrtbranche an. Es ist ein berufsbegleitender Weiterbildungsstudiengang für Führungskräfte. Die Bewerber stammen meist aus aller Welt.

Internationales Drehkreuz: Der Flughafen in Frankfurt am Main. Foto: Stefan Rebscher/Fraport/dapd

Wer in der Luftfahrtbranche arbeitet, braucht starke Nerven: der internationale Konkurrenzdruck ist gewaltig, der Kampf um die Fluggäste ist erbittert, das ganze Geschäft ist ein schneller Zyklus von Hochs, die von Tiefs abgelöst werden. „Die heimischen Airlines stecken momentan in einer Krise“, sagt Professorin Yvonne Ziegler von der Frankfurt University of Applied Sciences. Ziegler ist eine Frau aus der Praxis, 16 Jahre lang arbeitete sie in Führungspositionen in der Luftverkehrsbranche und sammelte dabei auch Auslandserfahrungen, bis sie sich 2007 entschied, an die Hochschule zu wechseln und ihr Wissen an Studierende weiterzugeben.

Ziegler, deren Schwerpunkt das internationale Luftverkehrsmanagement ist, leitet derzeit den viersemestrigen Studiengang MBA Aviation Management und hat diesen berufsbegleitenden Weiterbildungsstudiengang für Führungskräfte gemeinsam mit Partnern aus der Praxis, der Deutschen Flugsicherung, dem Flughafen München sowie Fraport, dem Betreiber des Frankfurter Flughafens, entwickelt. So ist sichergestellt, dass sich die Lehrinhalte an den Bedürfnissen der Branche orientieren. Das Programm richtet sich an Nachwuchs- und Führungskräfte des mittleren Managements, beispielsweise an Abteilungsleiter. „Oft schicken die Firmen auch gezielt Kandidaten zu uns, die befördert werden sollen“, ergänzt Ziegler.

Die Bewerber stammen meist aus aller Welt. Pro Semester werden die Masterstudierenden zweimal sieben bis zehn Tage von Experten trainiert, auch zwei Auslandsaufenthalte in den USA und Großbritannien sind vorgesehen. Am Anfang der Ausbildung steht für jeden Teilnehmer ein 360-Grad-Gespräch, das der Selbsteinschätzung dienen soll. Vorgesetzte, Kollegen und Mitarbeiter geben ein Feedback zur Zusammenarbeit mit dem Betroffenen. „Auf dieser Grundlage analysieren wir dann, wo noch Verbesserungsbedarf besteht“, sagt Ziegler. „Häufig wünschen sich Mitarbeiter etwa, dass die Chefs mehr mit ihnen kommunizieren und sich klarer ausdrücken.“

Top-Führungskräfte erzählen

Neben den sogenannten Soft Skills stehen auf dem Stundenplan auch Arbeitsrecht, Mitarbeiterführung, Personalverantwortung, Teambuilding, Presse- und Verhandlungstraining sowie interkulturelles Management. Bei Letzterem geht es darum, Fettnäpfchen aus dem Weg zu gehen. „Zum Beispiel ist freundliches Nicken bei Asiaten nicht als Zustimmung zu werten“, warnt Ziegler. Andererseits werde die Angewohnheit von vielen Deutschen, direkt zu kommunizieren, „von Ausländern oft als unhöflich oder sogar barbarisch empfunden“.

Um sich bei Geschäftsessen nicht zu blamieren, lernen die Teilnehmer außerdem bei einem Dinner auf die Etikette zu achten. Kleidung, Konversation und Tischsitten runden dabei den Business-Knigge ab. Die Studierenden erfahren bei Kamingesprächen mit Top-Führungskräften zudem, wie ein typischer Arbeitstag eines Geschäftsführers oder Vorstandsmitgliedes abläuft. „Die Studierenden sind danach meistens sehr beschwingt“, sagt Ziegler. Aber auch Flughafen-Exkursionen, etwa die Besichtigung der Lufthansa-Werft oder Besuch logistischer Meisterwerke wie der Gepäckbeförderung oder dem Catering für Fluggäste, sind Bestandteil der Ausbildung.

Vor allem der heftige Wettbewerb in der Branche erfordert fachlich qualifizierte Mitarbeiter mit Weitblick und Durchsetzungsstärke. „So war beispielsweise absehbar, dass die Golf-Carrier oder Low-Cost-Airlines wie Ryanair auf den deutschen Markt drängen, aber die heimische Branche hat auf diese Entwicklungen zu spät reagiert“, kritisiert Ziegler.

Für Führungskräfte sei daher auch ein Gespür für kommende Trends wie etwa die zunehmende Bedeutung von Social Media wichtig. Eine zentrale Fähigkeit sei es im Management daher, „Strategien für die Zukunft zu entwerfen, aber auch die Mitarbeiter für die gesteckten Ziele begeistern zu können“, betont die BWL-Professorin.

Zieglers Konzept macht nun sogar in Indien Schule: Tatkräftig ist sie seit zwei Jahren an der Aufbauarbeit beteiligt, damit der MBA-Studiengang ebenfalls in den Städten Mumbai, Delhi und Bangalore angeboten werden kann. Das sei auch dringend nötig, denn die dortige Branche leide trotz eines Booms an einem „Qualitätsproblem“, so Ziegler.

Partnerhochschule in Indien

Die fundierte Ausbildung von hochqualifizierten Führungskräften wird nun in Kooperation mit der indischen Partnerhochschule University of Petroleum and Energy Studies (UPES) durchgeführt. Zieglers Fachbereich Wirtschaft und Recht erhält für das Projekt der Europäischen Union in Indien von 2012 bis 2015 knapp zwei Millionen Euro. Obwohl das Vorhaben Ziegler viel Energie abverlangt hat, ist sie nun stolz, dass den Studiengang bereits die ersten indischen Absolventen erfolgreich abgeschlossen haben.

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