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Doktorarbeit Steinmeier „Plagiate sind eine Seuche“

Der BWL-Professor Uwe Kamenz geht mit Schärfe und Vehemenz gegen Plagiate bei Doktorarbeiten vor. Er glaubt, dass Steinmeier bei seiner Doktorarbeit geschummelt hat.

01.10.2013 13:56
Anna-Lena Mösken
Uwe Kamenz – BWL-Professor und Plagiatejäger. Foto: dpa

Etwas soll faul sein in den deutschen Universitäten. Nein, gemeint sind nicht die Studenten. Uwe Kamenz, selbst Professor an der Fachhochschule Dortmund, ist das gesamte Hochschulsystem verdächtig. Zunächst schrieb er noch gegen die eigenen Kollegen an, gegen den Typus des „Professor Untat“, wie er sein Buch nannte, gegen jene also, denen Titel und Position nicht Berufung zum Wohle der Studenten ist, sondern allenfalls Lizenz zur Ausbeutung von Doktoranden und Mitarbeitern, während sie selbst als hochbezahlte Vortragende und Berater in der Wirtschaft gutes Geld verdienen.

Das war 2008. Heute geht Uwe Kamenz mit gleicher Schärfe und Vehemenz gegen die ihm größten Missetäter vor: gegen jene, die ihre Doktorarbeit durch skrupelloses Kopieren Anderer zu Papier gebracht haben.

Plagiate“, sagte Uwe Kamenz 2011, „sind eine Seuche. Und wie jede andere Seuche kann man diese nur durch eine flächendeckende Impfung ausrotten.“ Karl-Theodor zu Guttenberg war da gerade enttarnt und vom Amt des Verteidigungsministers zurückgetreten. Und während sich im Netz auf den Portalen Guttenplag und Vroniplag einige selbstberufene Plagiatorenjäger recht willkürlich und unsystematisch einen mehr oder weniger verdächtigen Kandidaten nach dem anderen vornahmen, plante Uwe Kamenz, ebenso selbstberufen, als Direktor eines privaten Münsteraner Instituts den ganz großen Schlag: Projekt „Plagiatfreies Deutschland“. Am liebsten alle 200 000 deutschen Prüfungsarbeiten will Kamenz dafür überprüfen. Zunächst einmal benannte er als Etappenziel aber rund 1000 Schriften deutscher Politiker.

Ein gewisses Unbehagen

Ausgestattet mit neuester Technik, einem Hightech-Scanner, der bis zu 500 Seiten auf einmal fasst, mehrere Dutzend Bücher am Tag digitalisieren kann, und einer Software, die Arbeiten mit zehntausenden Quellen abgleicht, ging Uwe Kamenz ans Werk. Er forderte Politiker auf, ihm ihre Dissertationen zuzusenden. Nur 144 kamen seinem Wunsch nach. Enttäuschend, fand Uwe Kamenz das, aber was hinderte ihn das. Er trieb die Doktorarbeit von Helmut Kohl auf, verfasst 1958, und die von Philipp Rösler. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir sie alle haben“, sagt er.

Und nun endlich präsentiert er seinen ersten Fund. Kamenz will Frank Walter Steinmeier enttarnt haben. Dessen 1991 an der Universität Gießen eingereichten, 452 Seiten lange Abhandlung „Bürger ohne Obdach. Zwischen Pflicht zur Unterkunft und Recht auf Wohnraum“ weise eine „Gesamtplagiatswahrscheinlichkeit“ von 63 Prozent auf. „Vergleichbar mit dem Fall Schavan“, befand Uwe Kamenz und sandte seine Erkenntnisse an die Universität. Der Fall Schavan endet im Februar damit, dass die Bildungsministerin, ihren Doktortitel zurückgab, und bald darauf ihr Amt als Ministerin niederlegte.

Und jetzt also ein Fall Steinmeier? „Absurd“, nannte der den Vorwurf, rief am Montagmorgen gleich den Präsidenten der Universität Gießen an, um ihn um die Überprüfung seiner Arbeit zu bitten. Derweil schleicht sich ein gewisses Unbehagen ein. Es hat damit zu tun, dass Uwe Kamenz vom Nachrichtenmagazin „Focus“ Geld als „Aufwandsentschädigung“ für seine Suche bekommen hat. Es hat auch damit zu tun, dass ein Generalverdacht, wie ihn Uwe Kamenz hegt, ein ungutes Klima schafft. Steinmeier jedenfalls ließ verlauten, er blicke gelassen auf das Ergebnis der Überprüfung.

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