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Campus-Hausmeister Helfer in der Not

Ob im Afe-Turm mal wieder die Aufzüge streiken oder Studierende ihre Schlüssel verloren haben: Lothar Schlicht ist immer zur Stelle. Der Hausmeister sorgt auch in der vorlesungsfreien Zeit dafür, dass der Campus Bockenheim in Schuss bleibt.

06.03.2012 20:11
Marek Fritzen
Fährt jeden Tag 100 Kilometer zur Arbeit: Lothar Schlicht. Foto: C. Hartung

Auch heute Morgen klingelte der Wecker bei Lothar Schlicht wieder um halb fünf. Er hat sich längst daran gewöhnt. Schlicht muss so früh aufstehen, damit er pünktlich um sieben Uhr im Zimmer 3C der Goethe-Uni auf dem Campus Bockenheim sitzt. Schlicht kommt aus Mengerskirchen – das liegt im Westerwald. „100 Kilometer jeden Morgen und 100 Kilometer jeden Abend“, sagt er. Der 58-Jährige ist kein Student, er arbeitet auch nicht als Dozent an der Hochschule – Lothar Schlicht ist der Campus-Hausmeister, zuständig für alle Uni-Gebäude in Bockenheim, von der Neuen Mensa bis zum AfE-Turm.

An diesem Mittag sitzt er in seinem Büro im Erdgeschoss des Jügelhauses. Er trägt einen dunkelblauen Pullover mit dem Logo der Uni. Vor dem Fenster laufen Studenten vorbei, die sich selbst in den Semesterferien nicht von der Uni trennen können. Auch ein Hausmeister hat keine Semesterferien. „Ferien, das wäre schön“, sagt er.

Stress in der vorlesungsfreien Zeit

„Gerade in der vorlesungsfreien Zeit gibt es hier für mich viel zu tun.“ Wenn die Seminar-und Vorlesungssäle leer stehen, läuft er von Raum zu Raum, kontrolliert, ob Stühle oder Tische noch in Ordnung sind. Kaputt gehe öfter mal was, berichtet der gelernte Installateur. Besonders im AfE-Turm seien oft Reparaturen nötig.

„Dazu kommen noch die sieben Aufzüge im Turm, die bleiben in der Regel zwei- bis dreimal in der Woche stecken.“ Dann müsse immer alles ganz schnell gehen. „Ich muss dann hoch in den 38. Stock, denn dort ist der Maschinenraum. Das dauert natürlich immer so rund 15 Minuten.“ Eine Zeit, die für die stecken gebliebenen Insassen zur Ewigkeit werden kann. „Wenn wir die Leute dann rausholen, sind die oft ganz schön fertig“, erzählt Schlicht. „Manche zittern richtig, die müssen wir erst mal beruhigen. Ist ja auch ganz schön aufregend“, sagt er verständnisvoll.

Seit 1999 ist Schlicht der Campus-Hausmeister. Vorher hat er auf dem Bau gearbeitet. Als es mit der Firma bergab ging, hörte er von der Stelle an der Uni. „Seitdem geht’s für mich jeden Morgen in die große Stadt.“ Manchmal, wenn er nach seinem Beruf gefragt werde, sage er, er arbeite an der Uni. „Manchmal denken die Leute dann, ich bin Professor“, grinst Schlicht. „Dann sage ich aber immer sofort, dass ich dort als Hausmeister arbeite.“ Er fühlt sich wohl in Bockenheim.

Vergessliche Senioren

Mittags geht er in die Mensa, „da schmeckt es mir richtig gut, ich bin immer sehr zufrieden“. Dort sitzt er dann, inmitten von Studenten, und genießt seine Pause. „Sonst habe ich aber nicht so viel mit den Studenten auf dem Campus zu tun, nur manchmal, wenn sie mal wieder was verloren haben.“ Denn als Hausmeister ist der 58-Jährige zuständig für alle auf dem Uni-Gelände gefundenen Gegenstände – Zimmer 3C ist auch das Campus-Fundbüro.

„Brieftaschen, Schlüssel und Schirme werden sehr oft vergessen“, sagt er und deutet auf ein Regal rechts vor seinem Schreibtisch. „Da liegen die ganzen Sachen. Manche Studenten sind wirklich sehr vergesslich, besonders die U3L-Studenten.“ U3L steht für Universität des dritten Lebensalters – für die ältere Generation, die an der Goethe-Uni studiert. „Die Damen und Herren verlieren öfters ihre Lesebrillen und sind immer sehr erleichtert, wenn wir sie gefunden haben.“ Aber das, findet er, liege wohl in der Natur der Sache. „So ist das halt im Alter“, bemerkt er leise lächelnd.

Er selbst hat nicht studiert. Wenn er heute wählen könnte, würde er sich für ein Maschinenbaustudium entscheiden. „Mit Geschichte oder Germanistik könnte ich nichts anfangen. Ich bräuchte etwas Handfestes.“

Aber irgendwie sei das Studentenleben eher nichts für ihn. „Wenn ich höre, wie spät die jungen Damen und Herren teilweise aufstehen, das könnte ich nicht.“ Er müsse einfach früh in den Tag starten. „Ich bin immer früh aufgestanden, schon damals auf dem Bau war das so.“ Deswegen klingelt der Wecker in Mengerskirchen auch morgen früh wieder um halb fünf.

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