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Campus Akademie auf Wachstumskurs

An der arbeitnehmerfreundlichen Ausrichtung der „Europäische Akademie der Arbeit“ wird sich nichts ändern. Es kommen neue Angebote hinzu und der Umzug zum Campus Westend steht auch fest.

Direktor Martin Allespach
Der Leiter der Akademie, Martin Allespach, mit den Büsten der Gründer. Foto: peter-juelich.com

Unsere Studierenden sind schon etwas Besonderes“, sagt Martin Allespach im Gespräch mit der FR. „Die kommen alle aus einem Betrieb“ und brächten, anders als die typischen Universitätsstudenten, „eigene Erfahrungen aus der Arbeitswelt“ mit.

Auch Allespach selbst absolvierte erst eine Ausbildung, bevor er über den zweiten Bildungsweg gleich zwei verschiedene Laufbahnen in Angriff nahm: eine akademische, inklusive Professorentitel, und eine als hauptamtlicher Gewerkschafter, die er 1989 beim Deutschen Gewerkschaftsbund in Mannheim begann.

IG Metall baut „House of Labour“

Seit April 2014 leitet der heute 56-Jährige die „Europäische Akademie der Arbeit“ auf dem Bockenheimer Campus. Vor fünf Jahren, erzählt Allespach, stand die Zukunft der von Gewerkschaftern und Betriebsräten oft liebevoll als „Ada“ bezeichneten Einrichtung auf dem Prüfstand. Eine so dezidiert arbeitnehmerorientierte Akademie weiterzuführen – „bringt es das noch?“, lautete die Frage. Doch dann bekannten sich der DGB und vor allem die IG Metall zu der von Hugo Sinzheimer, dem Begründer des Arbeitsrechts, 1921 ins Leben gerufenen Akademie. Statt auf Sparprogramme oder Schließung setzten die Gewerkschaften auf Wachstumskurs.

Für 25 Millionen Euro baut die IG Metall an der Eschersheimer Landstraße am Rande des neuen Campus Westend ein „House of Labour“. Das inhaltliche Angebot wird ausgeweitet: Dem Bachelor-Studiengang, der sich bereits in einem zweiten Durchgang befindet, soll der Master folgen, der allerdings noch in der Entwicklungsphase steckt.

So können fortan die Ada-Absolventen auch akademische Abschlüsse erwerben. Die Anforderungen an Betriebsräte, Personalräte und Gewerkschaftssekretäre wachsen, sagt Allespach. Ein Jahr dauert derzeit die Ausbildung in der Ada. Dabei geht es um Arbeitsrecht, Sozialpolitik, Ökonomie. Die Studierenden müssten keine eigenen Bilanzen aufstellen können, „aber sie müssen sie verstehen“, sagt Allespach. Angestrebt werde eine Qualifizierung „auf hohem Niveau“.

Schon jetzt wird an jedem Werktag von 8.20 Uhr bis 16.50 Uhr ein „strammes Programm“ durchgezogen. Englisch „ist obligatorisch“, Deutsch wird „bei Bedarf“ gelehrt. Hinzu kommen freiwillige Kurse. Da wird dann auch noch wie in alten Zeiten im „Kapital“ von Karl Marx gestöbert. Gelegentlich flackert hier und dort noch ein wenig Klassenkampf auf, der Grundgedanke aber sei „der Gestaltungsanspruch“, sagt Allespach.

Lernen und leben – das gehört in der Ada zusammen: Die Studierenden wohnen im Haus, essen gemeinsam im Speisesaal und unternehmen auch in der Freizeit viel miteinander. Mitbestimmung sei nicht nur eine Forderung, sondern auch ein Lebensprinzip im Ada-Alltag.

Wenn die Akademie im Herbst 2019 oder im Frühjahr 2020 zum Campus Westend umzieht, wird sich der enge Zusammenhang von lernen und leben allerdings ein wenig lockern: Die Studierenden werden dann nicht mehr in der Bildungseinrichtung wohnen, stattdessen wurden 50 Zimmer in einem benachbarten Studentenheim reserviert. Wie nah schon jetzt die Zukunft ist, zeigt der Kneipenname im Untergeschoss: Der Treffpunkt wurde ganz erwartungsfroh auf den Namen „House of Labour“ getauft. Aber auch die Geschichte soll lebendig bleiben: 2021, „in absehbarer Zeit, feiern wir unser 100-jähriges Bestehen“.

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