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Café Sahnesteif Kinder – aber bitte mit Ruhe

Ein Café im Nordend fühlt sich mit einem Hort verwechselt – und erntet Empörung dafür. Die Betreiber setzen Grenzen, weil Eltern keine setzen.

Das Blatt des Anstoßes. Foto: FR/Morgenstern

Es ist ein einfacher Zettel, der für Empörung bei den Eltern im Nordend sorgt. Ein Zettel, der seit einigen Tagen am Fenster des Café Sahnesteifs in der Glauburgstraße hängt – auf dem mit vielen Worten aber unmissverständlich steht: Kinder sind hier nicht erwünscht. „Das ist unmöglich“, ärgert sich eine Mutter auf einem der Spielplätze im Stadtteil. „Kinder gehören zur Gesellschaft dazu, die kann man doch nicht einfach ausgrenzen.“

Sie ist nicht die einzige, die sich über den Zettel empört. Verständnislos und entrüstet reagieren die Mütter, die sich die Geschichte zwischen Schaukeln und Klettergerüsten erzählen. Gerade hier im Nordend, da ist sich die Elternschaft einig, könne ein Café mit Kinderverbot gar nicht funktionieren. Nicht in dem Stadtteil, durch den Tag für Tag ganze Kinderwagenkolonnen ziehen, der eine der höchsten Geburtenraten in ganz Deutschland aufweist.

Oder aber vielleicht gerade da. „Es muss hier auch Räume für Erwachsene geben, in denen sie sich erholen können“, sagt Hanne Tesch, Mit-Betreiberin des Sahnesteifs. „Viele Gäste wollen bei uns Zeitung lesen, arbeiten, eine Pause einlegen.“ Herumrennende Kinder störten dabei nun mal.

Möbel als Hüpfburg

Also hat Tesch den Zettel ans Fenster geklebt. Dass das Café kein Kinderhort und kein heimisches Wohnzimmer sei, sondern ein Rückzugsort für Erwachsene. Ein solches Vorgehen hätte sich Tesch noch vor knapp einem Jahr, als das Sahnesteif eröffnete, nicht vorstellen können. „Wir haben uns auf die jungen Familien im Stadtteil gefreut“, sagt sie. „Doch was dann auf uns zukam, hat uns überrascht und auch enttäuscht.“

Denn mit dem Benehmen der Eltern und Kinder im Café kamen die Besitzer nicht klar. „Möbel wurden als Hüpfburg missbraucht, Scheiben beschmiert und in aller Öffentlichkeit gewickelt“, erzählt die Inhaberin. Nicht selten wurden zudem Spieldecken einfach ausgebreitet und Teile des Cafés mit Hockern als Krabbelecke abgetrennt. „Das geht aber nicht, es muss auch Raum für die anderen da sein“, sagt Tesch. „Und mal ganz ehrlich gesagt: Das Geschrei möchte ich hier auch nicht wirklich haben.“ Manchmal, wenn es den Betreibern zu laut, zu chaotisch, zu schmutzig wurde, dann haben sie „dem ein oder anderen schon mal die Tür gewiesen“, sagt Tesch. Doch eines will sie klarstellen: Das alles habe nichts mit Kinderfeindlichkeit zu tun. „Denn es geht ja gar nicht um die Kinder bei allem – sondern um die Eltern“, sagt Tesch. „Die Kinder können ja nichts dafür, dass sie nicht erzogen werden und keine Grenzen gesetzt bekommen.“

Der Maßstab Ruhe

Und so sind Kinder zwar nicht wirklich erwünscht im Sahnesteif, aber der Zutritt ist ihnen auch nicht verboten – sie müssen jedoch mit Eltern kommen, die sie zur Ruhe anhalten. „Das ist der Maßstab für uns und unsere Gäste“, sagt Tesch. Sobald das Kind unruhig werde, sei eben Spielplatz und nicht mehr Kaffeetrinken angesagt.

Ob das die Eltern im Nordend akzeptieren, weiß Hanne Tesch nicht. Ebenso wenig, ob der Laden ohne kaffeetrinkende Mütter funktionieren kann. „Das ist unser Risiko – wir werden sehen, ob’s das Sahnesteif in einem Jahr noch gibt.“

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