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Burschenschaft in Frankfurt Farblos in den Römer

Zu Beginn des 10. Deutschen Akademikertages bleibt es rund um das Frankfurter Rathaus ruhig. Bei den Korporierten wie bei ihren Gegnern. Dafür fährt der Magistrat die schweren Geschütze auf.

Applaus für die Deutschen Akademiker. Foto: FR/Boeckheler

Volker Stein teilt aus – und das nicht zu knapp. Im Namen der Stadt empfängt der Ordnungsdezernent am Freitag die Studentenverbindungen zum 10. Deutschen Akademikertag. „Wenn ich auf den Römerberg sehe“, sagt der FDP-Politiker im Kaisersaal des Rathauses, „dann wird mir klar, von wem die größte Gefahr für die deutsche Demokratie ausgeht.“ Die Korporierten im Saal jubeln. Denn die Leute, die Stein meint, gehören zur Autonomen Antifa oder zur Linkspartei und protestieren gegen den Empfang.

Sowohl der Akademikertag als auch die Demonstration gegen die Veranstaltung fallen mindestens zwei Nummern kleiner aus als erwartet. Gekommen sind etwa 40 Verbindungsleute – die Stadt hatte mit doppelt so vielen Teilnehmern gerechnet. Und vor dem Rathaus stehen nur einige Dutzend Linke. Dennoch sind die Sicherheitsvorkehrungen hoch. Die Polizei ist mit zahlreichen Beamten in Einsatzanzügen vertreten. Vor den Eingängen zum Römer haben sie Gitter aufgestellt.

Die Mitglieder der Studentenverbindungen versuchen, möglichst unerkannt zu bleiben, und betreten das Gebäude durch eine Seitentür. Ihre Farben legen sie erst im Römer an. Auf dem Platz vor dem Rathaus ist niemand mit Hut oder Band zu sehen.

Ohne Wichs

Das Aktionsbündnis gegen den Akademikertag, das zu der Demonstration aufgerufen hat, ist davon überrascht. Die vorwiegend jungen Leute hatten damit gerechnet, dass die Korporierten in vollem Wichs aufmarschieren. So wissen sie gar nicht, wen sie auspfeifen sollen, und belassen es bei Redebeiträgen. Burschenschaften hätten „ein sexistisches Weltbild und teils Kontakt zu Neonazis – das finden wir Scheiße“, sagt ein Sprecher der Antifa. Und Lothar Reininger, Fraktionschef der Linken im Römer, erklärt, es sei eine „Schande für Frankfurt“, dass die Stadt den Verbindungen einen offiziellen Empfang bereite.

Im Römer begrüßt Stein derweil die Stadtverordneten, die zu Ehren der Verbindungsleute gekommen sind. Viel Zeit benötigt er dafür nicht. Genau vier Parlamentarier sind es: Walter Seubert von der CDU, selbst Mitglied in einer Verbindung, Wolfgang Hübner und Patrick Schenk (Freie Wähler) und die FDP-Politikerin Elke Tafel-Stein, die Ehefrau des Dezernenten. Sie, Steins Referentin und eine Reporterin sind die einzigen Frauen im Saal.

Unterdessen hat sich auch der Convent deutscher Akademikerverbände zu Wort gemeldet, der zu den Veranstaltungen an diesem Wochenende einlädt. Er spricht von „Provokationen“ und betont, es nähmen an dem Treffen keine Gruppen teil, die Verbindungen in die rechtsextreme Szene hätten. Der Convent verwahre sich „gegen diese Unterstellung“.

Am heutigen Samstag wollen sich die Verbindungen vermutlich im Restaurant „Darmstädter Hof“ in Nieder-Eschbach treffen und dann zum Kommers in die Orangerie nach Darmstadt weiterziehen. Zu beiden Veranstaltungen möchte die Antifa auch gerne kommen, teilt sie im Internet mit.

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