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Burglind in Frankfurt Kurz, aber ganz schön heftig

In der Innenstadt von Frankfurt ist Sturmtief Burglind nur wenige Minuten am Mittwochmittag zu Besuch. Bei Hagel und Böen hilft auch kein Schirm mehr.

Sturm in Frankfurt
Umgestürzter Baum in der Fichardstraße im Frankfurter Nordend. Foto: Michael Schick

Ja, diese Burglind wurde am Abend zuvor angekündigt. Aber wie oft täuschen sich nun doch bitte die Wettermänner und -frauen? Jetzt mal ehrlich. „Wird schon nicht so schlimm“, dachten sich wohl einige Frankfurterinnen und Frankfurter und fuhren auf jeden Fall am Mittwochvormittag mit dem Rad zur Arbeit oder zum Shoppen in die Innenstadt. Schließlich ist es mild, ja sogar so was wie sonnig.

Aber dann am Mittag kommt innerhalb von Sekunden plötzlich ein starker Wind auf. Eine Frau, die am Goetheplatz eigentlich nur schnell eine Briefmarke aufkleben will, merkt, dass es dafür viel zu windig ist. Sie befürchtet, dass der Brief sich gleich per Luftpost unfrankiert auf den Weg macht. Also geht sie besser schnell rein ins Gebäude der Postbank. Als sie sich wenige Sekunden später umdreht, um wieder rauszugehen, bleibt sie aber lieber stehen. So wie alle anderen Kunden. Denn es hagelt und stürmt, es ist etwa 11.30 Uhr.

„Was ein Scheißwetter ist das denn bitte? Dafür habe ich keine Zeit“, sagt ein Herr. Wie die meisten ist er ohne Schirm unterwegs. Dieser würde ihm auch in dem Moment wenig nutzen, denn immer, wenn die automatische Glasschiebetür kurz aufgeht, sieht man, wie Burglind die Schirme von den wenigen mutigen Sturm-Trotzern gnadenlos umstülpt. Manche Schirme fliegen sogar weg. Man fühlt sich, als wäre man die Protagonistin in einer Real-Life-Serie von „Vom Winde verweht“ – nur eben ohne Liebesgeschichte in den Südstaaten, dafür mit verhunzter Frisur in Hessen.

Ein Pärchen draußen diskutiert lauthals darüber, ob sie ihm seine Jacke gibt, damit er diese über seinen Kopf halten kann. Denn seine Gelfrisur, so eine wie sie Cristiano Ronaldo mal hatte, soll nicht von Burglind beschädigt werden.

„Meine Haare werden sonst nass. Und der Wassermelonenduft meines Haargels geht raus. Das geht gar nicht“, sagt der Mittzwanzigjährige. In Filmen sind es doch immer die Männer, die die Frauen vor Regen und Kälte schützen. Das war einmal. Immer mehr Leute, auch die, die weder Briefe abgeben noch Bankgeschäfte tätigen wollen, rennen derweil in die Filiale am Goetheplatz.

Es sind höchstens drei Minuten Kuschelzeit mit völlig staunenden, entnervten oder fluchenden Fremden im Eingangsbereich vergangen, als man schon die Feuerwehrsirenen hört. Fünf Minuten später kann man sich langsam wieder raus in die normalisierte Welt wagen. Den Brief muss die Frau allerdings immer noch mit Gewalt gegen den Wind in den Briefkasten stopfen.

Der Hagel hat sich aber zum normalen Regen gewandelt. Schirme funktionieren jedoch immer noch nicht, weil der Wind weiterhin fies bläst. Radfahren geht also nur langsam, es liegen Äste auf den Straßen, und es haben sich riesige Pfützen gebildet. Nicht alle Autofahrer nehmen darauf Rücksicht, überhaupt meinen einige, dass es wieder Zeit sei, die Innenstadt zur Autobahn zu erklären. Und dann, als ob nichts gewesen sei, kommt die Sonne für zwei Stunden raus.

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