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Frankfurter SPD Basis fordert Erneuerung

Am turbulenten Tag nach der Wahl fordert die Frankfurter SPD inhaltliche Erneuerung und neues Personal im Bund.

Thorsten Schäfer-Gümbel
Der stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel. Foto: Andreas Arnold

Noch in der Nacht der historischen Niederlage bei der Bundestagswahl haben die Frankfurter Jusos sich ihren ganzen Frust von der Seele geschrieben. Vier Seiten schickt die Parteijugend am Montagmorgen an die Medien, unter dem Motto: „Die SPD muss sich neu erfinden oder sie wird untergehen.“ Die Sozialdemokraten auf Bundesebene hätten „den neoliberalen Trend des Kapitalismus nicht gezähmt, sondern entfesselt“.

In der traditionell linken Frankfurter SPD mit ihren 3700 Mitgliedern denken viele so. Im Parteihaus an der Fischerfeldstraße stehen die Telefone nicht still.

12.05 Uhr: Geschäftsführer Andreas Heusinger von Waldegge fasst den unmittelbaren Handlungsbedarf zusammen. „Wir brauchen an der Spitze der Fraktion im Bundestag jetzt neue unverbrauchte Leute – es wäre gut, wenn es eine Frau machen würde.“

17.45 Uhr: Der SPD-Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel fährt vorm Parteihaus vor, er ist direkt vom Vorstand in Berlin nach Frankfurt geeilt. Dort tagt gleich die Landesspitze. Zuvor analysiert der Parteichef vor den Kameras, der politische Wettbewerb sei „nicht leidenschaftlich genug und nicht entschieden genug“ ausgetragen worden: „Das muss sich ändern!“ Nur so ließen sich Menschen von der AfD zurückgewinnen. Während die Frankfurter SPD-Basis vehement fordert, nicht schon jetzt die neue Fraktionsspitze im Bundestag zu wählen (siehe Interview oben), sondern erst mal über die Erneuerung zu diskutieren, hält TSG dagegen: „Die Fraktion konstituiert sich morgen.“ Beim Bundesparteitag in Berlin vom 7. bis 9. Dezember werde es aber „Veränderungen in der Spitze geben“, schon weil die frühere stellvertretende Bundesvorsitzende Hannelore Kraft nicht mehr kandidiere.

Für die Hessenwahl 2018 kündigt der Landeschef einen „leidenschaftlichen Wahlkampf“ an. Die SPD im Bund habe nach verlorenen Landtagswahlen „Mobilisierungsprobleme“ gehabt, so viel gibt er zu, bleibt aber dabei: „Wir haben ein gutes Programm auf den Tisch gelegt.“

18.50 Uhr: Im Bürgerhaus Südbahnhof kommt der Frankfurter SPD-Beirat zur Krisensitzung zusammen, das höchste Gremium zwischen den Parteitagen. Alle schimpfen auf die Bundesspitze in Berlin. „Es ist das falsche Signal, sofort wieder Personalien zu entscheiden, wir brauchen erst mal eine inhaltliche Diskussion“, sagt der Richter Jürgen Gasper. „Wir müssen darüber diskutieren, was das Problem der SPD ist“, fordert die Vize-Unterbezirksvorsitzende Sylvia Kunze. Der 22-jährige Jura-Student Raven Kirchner stammt aus dem Riederwald, der traditionellen SPD-Hochburg, wo die Partei elf Prozentpunkte verloren hat. „Wir brauchen junge Leute an der Spitze“, urteilt der Vorsitzende des Ortsvereins, der nur noch 44 Mitglieder zählt.

„Die Partei ist gut beraten, erst mal nach innen zu hören“, so der frühere Unterbezirksvorsitzende Sieghard Pawlik. Und Rosita Jany, die Ortsvereinschefin von Oberrad, träumt mit offenen Augen: „Wir brauchen eine Mischung aus Macron und Schröder an der Parteispitze.“

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