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Buchprojekt Bockenheimer Blickwinkel

Ein Buchprojekt des Mainbook-Verlags sammelt unter dem Titel „Bockenheim schreibt ein Buch“ Geschichten aus dem Stadtteil und sprengt dabei Zeit- und Genregrenzen. Das Werk wird im Oktober zur Buchmesse erscheinen.

Ursprünglich toste der Verkehr rund um die Warte. Foto: Volker Erbes

Sie werden sich nie kennenlernen, die junge Dienstmagd Luise, die bei einem Glas Apfelwein einem schmucken Husaren verfällt, und der ältere Mann, der tagein tagaus durch die Straßen wandert und sich abends an der Haltestelle Juliusstraße zum Schlafen legt. Mindestens ein Jahrhundert trennt die beiden voneinander, außerdem ist Luise eine fiktive Figur. Was die beiden verbindet, ist ein Ort: Bockenheim. Ihre Geschichten und die Geschichten vieler Bockenheimer versammelt ein Buchprojekt des Mainbook-Verlags unter dem Titel „Bockenheim schreibt ein Buch“, das im Oktober zur Buchmesse erscheinen wird.

Ende 2014 startete Verleger Gerd Fischer einen Aufruf: Er suchte Texte über Bockenheim. Nun hat eine Jury 40 Texte ausgewählt, die in der Anthologie Platz finden werden – geschrieben von Menschen, die in Bockenheim leben oder regelmäßig zu Besuch kommen, die dort studiert haben oder arbeiten, die Erinnerungen mit dem Ort verbinden. Fischer ist begeistert: „Mein Plan ist absolut aufgegangen. Die Beiträge zeigen Bockenheim aus den unterschiedlichsten Perspektiven.“

Turm-Sprengung war ein Einschnitt

An den Texten lässt sich ablesen, was Bockenheimer umtreibt. Erstaunt war Fischer darüber, wie viele die Sprengung des AfE-Turms beschäftigte: „Das scheint eine Art Einschnitt gewesen zu sein.“ Überhaupt sei der Wandel des Stadtteils ein großes Thema: Der Wegzug der Uni, die Pläne für den Campus, steigende Mieten. Gleichzeitig zeichnen viele Beiträge Bockenheim als einen Ort der Vielfalt, des Miteinanders und des Engagements für andere. Ganz nebenbei sprengen die Texte alle Genregrenzen: Von der historischen Liebesgeschichte bis zum hessischen Mundartwerk, vom kurzen Erinnerungsfragment bis zur Satire.

Gerd Fischer selbst teilt mit dem Stadtteil eine lange Geschichte. Er kam 1991 zum Studieren – und blieb. Von Anfang an faszinierten ihn die Geschichten seiner Nachbarn, Freunde und Bekannten. „Seitdem denke ich darüber nach, dass man all diese Sichtweisen mal festhalten müsste.“ 2010 gründete er seinen eigenen Verlag, in dem er zunächst eigene Romane veröffentlichte. Bald bekam er unaufgefordert Manuskripte zugeschickt: „Viele davon waren so gut, dass ich beschlossen habe, das Spektrum zu erweitern. Auch über die Region hinaus.“ Wichtig ist ihm die Verwurzelung in der Stadt und im Stadtteil aber nach wie vor. Und knapp fünf Jahre nach der Gründung schien ihm endlich die Zeit gekommen für das Bockenheim-Buch, über das er schon so lange nachdachte.

Vor kurzem hat Fischer erfahren, dass er auch den wohl bekanntesten Bockenheimer Autor ins Buch wird aufnehmen können: Peter Kurzeck. Der Stroemfeld Verlag stellt Texte des verstorbenen Autors zur Verfügung, die sich um Bockenheim drehen. Für Fischer etwas Besonderes: „Das macht die ganze Sache noch wertvoller und irgendwie rund.“

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