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Buchmesse Rechte Verlage auch in Leipzig

Erneut nutzen Rechte eine Buchmesse als Forum. Die Messe-Verantwortlichen wollen sie nicht ausschließen, sondern suchen die Auseinandersetzung.

Buchmesse Leipzig 2018
Am Samstag in Leipzig: Polizisten sichern auf der Buchmesse eine Gesprächsrunde rechter Verlage. Foto: Sebastian Willnow (dpa-Zentralbild)

Alle Plätze sind besetzt, als die Frankfurter Buchmesse auf der Leipziger Buchmesse das Gastland Georgien präsentiert. Neben dem georgischen Kulturminister Mikheil Giorgadze und Buchmesse-Direktor Juergen Boos sitzt die georgische Schriftstellerin Nino Haratischwili, die in Deutschland lebt. Sie sagt: „Intellektuelle Kollegen von mir hantieren mit diffusen Zahlen und spielen wieder Ost und West gegeneinander aus. Es ist wichtig, einen interkulturellen Dialog zu führen.“

Schon waren die Zuhörer mitten in der Debatte, die die Buchmesse in Leipzig prägt. Die „diffusen Zahlen“ hatte der Dresdner Schriftsteller Uwe Tellkamp im Gespräch mit Durs Grünbein genannt – 95 Prozent der Flüchtlinge wollten ins deutsche Sozialsystem einwandern, lediglich fünf Prozent würden vor Krieg fliehen. Tellkamps Verlag Suhrkamp distanzierte sich auf Twitter: Die Meinung des Autors sei nicht die des Verlages.

Um Aussagen wie dieser entgegenzuwirken, hatten sich zur Leipziger Buchmesse rund 80 Verlage und 200 Menschen unter dem Hashtag #verlagegegenrechts zu einem Aktionsbündnis zusammengeschlossen und Veranstaltungen organisiert. Vier Frankfurter Verlage – Schöffling, Weissbooks, Büchergilde Gutenberg und Größenwahn – sind dabei.

„Wir halten es für notwendig, dass man Position bezieht“, sagte Patrick Hutsch, Verlagsleiter von Schöffling, der Frankfurter Rundschau. „Wir stehen für Grundsätze ein, die unsere Demokratie ausmachen.“ Explizit dagegen sei er, dass die Buchmesse rechte Verlage ausschließen soll. Es gehe nur um wenige Verlage. „Wir bringen denen viel zu viel Aufmerksamkeit entgegen.“

„Finden wir es gut, dass sich in Leipzig linke Verlage treffen oder Leute, die sich als Anime-Figuren verkleiden?“, fragte Sevastos Sampsounis. Er ist Geschäftsführer des Größenwahn-Verlags, der aus dem Café Größenwahn hervorgegangenen ist und rund 200 Titel mit den Schwerpunkten Migration, Rechte von Frauen, Minderheiten, Schwulen und Lesben herausbringt. „Wir leben in einer Demokratie. Wir können nicht die Meinungsfreiheit hochhalten und gleichzeitig Meinungen, die uns nicht passen, heraushalten. Entweder wir sind tolerant oder nicht.“

Rund 400 Menschen hatten zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse vor dem Gewandhaus in Leipzig demonstriert. Heinrich Riethmüller, der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, sagte bei seiner Eröffnungsrede, dass die Buchmesse „keine Filterblase“ sei, „sondern widerspiegele, was in der Gesellschaft vor sich gehe. Alle Verlage und Titel, die nicht gegen das Gesetz verstoßen, dürften auf der Buchmesse präsent sein.

So hielt es auch die Leipziger Buchmesse. Sie wies den rechten Publizisten eine Fläche im hinteren Teil der Halle 3, Gang H, zu, umringt von antiquarischen Büchern, Druckgrafiken, Künstlerbüchern. Drei Verlage traten dort auf, nachdem die Zeitschrift „Junge Freiheit“ ihre Teilnahme abgesagt hatte. Das Compact-Magazin von Jürgen Elsässer, der Antaios-Verlag von Götz Kubitschek und die Stiftung Europa Terra Nostra („Europa Unser Land“) – ein europaweiter Zusammenschlusses von rechtsextremen Parteien.

Viel los war nicht, nur wenige Besucher blieben stehen, einige unterhielten sich, andere gingen vorbei, aus Neugierde, um zu schauen, was los ist. Die vier muskulösen, kurzgeschorenen Männer am Stand von Europa Terra Nostra verfolgten solche Besucher mit Blicken. 

Auch auf der Frankfurter Buchmesse von 10. bis 14. Oktober werden rechte Verlage wieder ihren Auftritt haben. „Die Frankfurter Buchmesse ist keine politische Organisation, aber wir stehen für etwas, nämlich Meinungsfreiheit“, sagte Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse.

Politische Auseinandersetzungen auf der Buchmesse habe es schon vorher gegeben, etwa mit der Türkei, Iran, China. Seit zwei oder drei Jahren politisiere sich Deutschland, durch das Erstarken der Rechten. Das spiegele sich auch auf der Buchmesse wider. „Diese gesellschaftliche Auseinandersetzung ist unser Rückgrat“, sagte Boos.

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