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Buchmesse Die Meinungsfreiheit verteidigen

Frankreich präsentiert sich als Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse 2017.

Nein, der Front National wird an diesem Vormittag mit keinem Wort erwähnt. Und doch ist der Ausblick, den Frankreich auf seinen Auftritt als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2017 gibt, ein einziges Zeichen gegen Rechtspopulismus. Als Gastland vom 11. bis 15. Oktober wolle Frankreich „für ein Europa der Kulturen“ streiten, sagt Paul de Sinety, der Vorsitzende des Gastland-Teams, dessen Motto „Francfort en français“ ist, also „Frankfurt auf Französisch“.

Man trete auf „im Zeichen der Gastfreundschaft“. Und Audrey Azoulay, französische Ministerin für Kultur und Kommunikation, schreibt in ihrem Grußwort: „Deutschland und Frankreich müssen Seite an Seite stehen, ... indem sie die zentralen Werte, die sie vereinen, verteidigen: die Meinungsfreiheit und die Freiheit des Gestaltens ...“

Es geht nicht nur um Literatur, obwohl mehr als 100 französischsprachige Schriftstellerinnen und Schriftsteller nach Frankfurt kommen wollen. Viele von ihnen bekennen sich in einer Erklärung zur „sprachlichen Gastfreundschaft, bei der das Vergnügen, die Sprache des anderen zu bewohnen, belohnt wird durch das Vergnügen, bei sich, in seinem eigenen sprachlichen Zuhause, das Wort aus der Fremde zu empfangen“.

Doch es geht um eine umfassende Präsentation französischer Kultur, also auch der Bildenden Kunst, der Architektur und des Designs, der Musik und des Films. Mehr als 300 Veranstaltungen insgesamt bietet das Ehrengast-Programm.

Boos: Schicksalsjahr

Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, spricht vollmundig von einem „Schicksalsjahr“ für Frankreich und Deutschland – und meint die französischen Präsidentschaftswahlen im April und Mai und die Bundestagswahlen im September. Paul de Sinety zitiert den französischen Philosophen Jacques Derrida: „Eine Sprache kann man nicht besetzen.“ Sie gehört all denen, die mit ihr arbeiten. Und so zählen denn zu den mehr als 100 französischsprachigen Autorinnen und Autoren in Frankfurt auch etliche aus nordafrikanischen Staaten. Aber auch zehn aus der französischsprachigen Schweiz.

Als „sehr starkes Zeichen“ wertet Boos, dass Michel Houellebecq, der vielleicht größte lebende französischsprachige Autor, zugleich aber ein literarischer Eremit, sein Kommen nach Frankfurt zugesagt hat. Viele namhafte sind unter den Angekündigten, von Yasmina Khadra über Jean-Marie Gustave Le Clézio, den Nobelpreisträger, bis hin zu Jean-Philippe Toussaint und Tanguy Viel.

Der Ehrengast-Auftritt, der seit sieben Jahren vorbereitet wird, will zeigen, wie eng die französische und deutsche Literatur zusammenhängen. Französisch ist die Sprache, die in Deutschland am zweithäufigsten übersetzt wird. Zugleich war Deutsch 2015 die am dritthäufigsten übersetzte Sprache in Frankreich. Die Frankfurter Buchmesse wird von Podiumsdiskussionen mit Persönlichkeiten des französischen Kulturlebens begleitet.

Ein Fokus richtet sich auf die französischsprachige Kinder- und Jugendbuchliteratur.

Mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler aus deutschen Gymnasien lesen auf Französisch vier Jugendromane – und wählen ihr Lieblingsbuch. Während der Messe in Frankfurt wird dann der „Prix des lycéens allemands“, der Preis der deutschen Gymnasiasten, verliehen.

Einen wichtigen Rang nehmen der französische Comic und die Graphic Novel aus dem Nachbarland ein: Auf 300 Quadratmetern zeigt der Ehrengast-Pavillon in Frankfurt eine Übersichtsausstellung.

 

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