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Buch über Frankfurt Aus Liebe zum Stadtteil

Schriftstellerin Susanne Konrad hat ein Buch über Frankfurts Stadtteile herausgegeben. 39 Autorinnen und Autoren, viele davon Eingeplackte erzählen literarisch aus den Vierteln der Stadt.

Petra Pfeuffer, Reha Horn, Susanne Konrad und Behjat Mehdizadeh (v.l.) haben ihre Viertel literarisch erkundet. Foto: christoph boeckheler 0049.1702932067 mail@boeckheler.com

In der großen Mehrzahl seien sie Eingeplackte, sagt Susanne Konrad. Vielleicht, sagt die Autorin und Herausgeberin der Anthologie „Frankfurter Einladung“, sei dies gerade die Stärke ihres Buches über Frankfurts Stadtteile: „Dieser andere Blick.“

Das Zugezogensein macht Konrad selbst zum Thema in ihrer Erzählung „Eingeplackte und Co“ über Kalbach, in einem weiteren Text beschäftigt sie sich mit dem Dornbusch, wo sie heute lebt. 39 Autorinnen und Autoren hat Konrad über ihre Kontakte in der Literaturszene Frankfurts und als Stadtteilhistorikerin zusammengetrommelt. Ihre Erzählungen, Gedichte, Essays sind im vergangenen Jahr im Größenwahn-Verlag erschienen – ergänzt um lokale Kochrezepte, etwa für „Berger Kalbsleber“, „Eckenheimer Worstkraut“ oder „Rödelheimer Schneegestöber“.

„Das große Thema der Anthologie ist Heimat“, sagt die 37-jährige Reha Horn, die als studierte Pädagogin in einer Personalabteilung arbeitet und nebenbei literarische Texte schreibt. „Jede Geschichte zeigt ein anderes Gesicht der Stadt.“ Und so bietet gerade der Fokus, den das Buch auf das Sublokale legt, auf die Stadtteile, Anknüpfungspunkte zur Immigrationsbuchmesse, auf der Konrad am Samstag gemeinsam mit Horn und zwei weiteren Autorinnen, Petra Pfeuffer und Behjat Mehdizadeh, lesen wird.

Erst später im Leben an den Main

Wie die Literaturwissenschaftlerin Susanne Konrad, die vor rund 30 Jahren nach Frankfurt kam, zog es auch die anderen Autorinnen erst später im Leben an den Main. Petra Pfeuffer etwa kam Anfang der 90er Jahre aus Süddeutschland und hat mehr als ein Jahrzehnt im Allerheiligenviertel gelebt, über das sie nun schreibt. Behjat Mehdizadeh, die im Iran großgeworden ist, und die als Kind mit ihren Eltern aus Afghanistan geflüchtete Reha Horn kennt Konrad aus dem Literaturclub der Frauen aus aller Welt, der mit seiner Anthologie „Die Frankfurterinnen“ auch bereits Frankfurts Vielfalt in Literatur goss.

Die 59-jährige Mehdizadeh, die als Coach und Beraterin sonst Biografie- und Erinnerungsarbeit betreibt, erzählt die Geschichte einer Migrantin, die als Studentin nach Eckenheim kommt. „Da geht es nicht nur um das Mädchen, das neu ist, sondern auch um die, die schon da sind“, erläutert die Autorin. „Es geht darum, wie man ankommt in einem Stadtteil.“ Der Kontrast von fremd und heimisch sein zieht sich auch durch Reha Horns Erzählung, in der ein kleines Mädchen in Zeilsheim sich voller Begeisterung in die Vorbereitungen für ein „Ausländerfest“ stürzt, die Freude daran aber ihrer zugewanderten Familie nicht vermitteln kann.

Lektorin und PR-Texterin Petra Pfeuffer wiederum widmet sich jenen Straßenzügen am Allerheiligentor, um die viele Menschen einen Bogen schlügen, an dem aber trotz Dealern und Rotlicht, Bandenkriminalität und Verfall ihr Herz hängt. Diese Liebe zu den Stadtteilen sei ihr Hauptkriterium bei der Auswahl passender Autorinnen und Autoren gewesen, sagt Herausgeberin Konrad. „Es ging mir darum, diese unterschiedlichen Stadtteilidentitäten literarisch zu erkunden.“

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