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Brickegickel in Frankfurt Der Hahn ist wieder da

Der legendäre Brickegickel in Frankfurt ist saniert und ziert wieder das Brückenkreuz auf der Alten Brücke. Über den Brickegickel gibt es allerlei zu erzählen.

Brickegickel
Der Brickegickel auf der Alten Brücke. Foto: Christoph Boeckheler

Etwas schief steht er da, verpackt in Sackleinen, und beides passt gut zum Brickegickel. Der thront nach fünfjähriger Sanierung wieder auf der Alten Brücke, 6,80 Meter hoch auf dem Brückenkreuz. Das Kreuz neigt sich leicht zur Seite - wie ja die Wege zum Herrn in den meisten Fällen auch nicht gerade sind.

Das werden sich vielleicht die Sünder im mittelalterlichen Frankfurt gedacht haben, als ihr letztes Stündlein schlug. Denn das Kreuz mit dem Hahn, erstmals 1405 abgebildet, war eine Frankfurter Hinrichtungsstätte. Verurteilte wurden mit Seilen verschnürt, auf eine Bohle geschoben und zum Ertrinken in den Main geschubst. Und das genau dort, wo der Fluss seine tiefste Stelle hatte.

Diese Stelle interessierte aber auch die Flößer. Die schifften vom Spessart aus lange Holzstämme auf dem Main und wollten ihre Fracht nicht in den Bögen der Alten Brücke verheddert sehen. Für sie war der Brickegickel da. In einer Zeit, als es noch kein elektrisches Licht gab, leuchtete der Goldhahn im Sonnenlicht fackelhell - und zeigte die Fahrrinne an.

Rund 243 000 Euro haben die Stadt und der Brückenbauverein ausgeben, um Goldhähnchen und Kreuz zu sanieren – davon wurden 12 000 Euro gespendet.

„Wie schön wäre es, wenn jetzt ein Sonnenstrahl auf unser goldenes Vieh fallen würde“, sagt Cornelia Schmidt zur Nedden vom Brückenbauverein, als dem Hahn der Sack vom Kopf gezogen wird. Die Sonne zeigt sich nicht. Aber der Sack ist mit Bedeutung aufgeladen.

Was die Legende besagt

Solch ein grobes Tuch soll sich der Baumeister der Alten Brücke zunutze gemacht haben. Die Legende besagt, dass der Baumeister, ein Stadtfremder, in Frankfurt bei einer Kneipenschlägerei einen Mann erstochen haben soll. Darauf stand die Todesstrafe - zum Beispiel Ertrinken im Fluss -, aber die Stadtoberen wollten dem gelernten Steinmetz eine Chance geben, sein Leben zu erhalten. Er sollte die Alte Brücke aus Stein neu errichten. Die alte Alte Brücke aus dem frühen 13. Jahrhundert war nämlich aus Holz, und das hielt den Fluten des Mains nicht so gut stand.

Der Baumeister tat also, was er konnte, ließ Mainsandstein herbeischaffen und die Arbeiter schuften, aber die zwei Monate Frist, die ihm gewährt wurden, gingen doch rasch vorbei. Keinen Tag, hieß es, solle der Mann die Frist überschreiten! Da Gott ihm nicht half, tat er, was so viele vor ihm getan haben, er wandte sich an den Teufel. Der erhörte sein Gesuch. Der Teufel verlangte aber eine Gegenleistung für seine Hilfe: die Seele des ersten Wesens, das über die fertige Brücke lief, was stets der Baumeister zu tun pflegte, um die Standfestigkeit zu prüfen. In dieser Nacht war ein Höllenlärm, und als der Baumeister am nächsten Morgen aus dem Fenster sah, stand sie da, die Alte Brücke. Als der Hahn krähte, kam dem Baumeister eine Idee. Er packte den Gockel in einen Sack und trieb ihn vor sich über die Brücke. Der Teufel zerfetzte das Tier mit einem Knall. Zum Dank ließ der Baumeister das Kreuz und den Hahn anbringen.

Überliefert sei, dass der Schmied dafür zwei Gulden erhalten habe, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der die Sage kennt, und zwar aus dem „Heimatkundeunterrricht“. „Das ist ein historischer Tag für Frankfurt“, sagte er; die Stadt bekomme „ein Wahrzeichen“ zurück, ein „Stück Identität“ - so wie der Goetheturm oder Karl der Große, dessen Statue seit einem Jahr auch wieder auf der Alten Brücke steht. Die hatte der Architekt Christoph Mäckler, der Vorsitzende des Brückenbauvereins, bis 2013 saniert; sie ist nun, mit Brickegickel, komplett.

Unvollständig ist laut Mäckler aber ein anderer Profanbau: der Turm Langer Franz am Rathaus Römer. Der wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, dann wieder aufgebaut, allerdings nicht auf 70 Meter Höhe. Dem Turm will Mäckler nun „einen neuen Hut“ geben, also das Dach verlängern.

Aber diesmal nicht schief.

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