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Brexit-Folgen in Frankfurt Furcht vor den Brexit-Folgen

Der Brexit hat Folgen für Frankfurt. Der Büroleerstand könnte abnehmen, der Druck auf die Mieter aber steigen.

Welche Folgen hat der Brexit für Frankfurt? Foto: rtr

Wer nicht über hellseherische Fähigkeiten verfügt, kann dieser Tage schwer einschätzen, ob und wann es zum Brexit kommt und wie viele Arbeitsplätze vom Finanzplatz London nach Frankfurt wandern könnten. Noch scheinen ansiedlungswillige Unternehmen auch nicht bei den hiesigen Maklerhäusern Sturm zu klingeln. Radomir Vasilijevic von NAI Apollo etwa rechnet mittelfristig mit positiven Effekten für den Frankfurter Büromarkt. Mit einer verstärkten Nachfrage nach Büroflächen aber sei „noch nicht in den kommenden Monaten zu rechnen“.

Noch beschreibt auch Christian Lanfer von JLL die Situation als ruhig. Vor kommendem Jahr rechnet er nicht mit größeren Gesuchen aus London. Für noch am dortigen Finanzplatz ansässige Unternehmen sollte es in der Stadt angesichts von mehr als einer Million Quadratmetern leerstehender Büroflächen nicht allzu schwer sein, etwas zu finden. Zumal in drei Jahren zwei spekulativ errichtete Hochhäuser bezogen werden könnten.

Die möglichen Auswirkungen einer Verlagerung von 5000, 10 000 oder gar 20 000 Arbeitsplätzen an den Main beschäftigen aber längst auch die Wohnungspolitiker und Mieterlobbyisten. Denn die befürchten, dass sich die extrem angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt weiter verschärft, wenn Tausende gut verdienender Banker zuziehen. Sie seien finanziell leicht in der Lage, andere Interessenten für eine Wohnung auszustechen, sagt etwa Rolf Janßen, Geschäftsführer des DMB-Mieterschutzvereins. Für Investoren werde es zudem noch verlockender, nur im hochpreisigen Segment zu bauen. Auch nach Ansicht von Michael Boedecker von der Mieterinitiative Nordend, Bornheim, Ostend könnten sich Investoren, die ihr Geld in renditeträchtige Boardinghäuser und Wohntürme stecken, statt bezahlbare Wohnungen zu errichten, bestätigt fühlen, wenn es zur Verlagerung der Arbeitsplätze käme.

Günstiger Wohnraum gefordert

„Der Druck wird unermesslich steigen“, vermutet Jürgen Lutz, Geschäftsführer von Mieter helfen Mietern. Die Stadt müsse alles tun, um diesen zu lindern. Etwa durchsetzen, dass in neuen Gebieten nur zu einem Drittel frei finanzierter Wohnungsbau entsteht, zu zwei Dritteln aber Sozial- und Mittelstandswohnungen gebaut werden.

Große Befürchtungen hegt auch die Linke. Schon die Ansiedlung der Europäischen Zentralbank habe zu einer starken Gentrifizierung des Ostends geführt, sagt Fraktionschefin Dominike Pauli. Solche Effekte könnten sich als Folge von Umzügen von der Themse an den Main noch verstärken. Selbst Stadtteile, die bisher als nicht so attraktiv gelten, könnten teurer werden. Die Stadt müsse den sozialen Wohnungsbau ausbauen, dürfe aber bisherige Industrieflächen trotz steigenden Zuzugs nicht mit Wohnungen bebauen, fordert Pauli. Auch die Industrie müsse weiter ihren Platz in Frankfurt haben.

Selbst in der neuen Koalition sieht man nicht nur die Chancen, die ein Zuzug von Unternehmen und Arbeitsplätzen böte. „Wir müssen verhindern, dass Frankfurt wie London wird“, sagt Grünen-Fraktionschef Manuel Stock. Man müsse aufpassen, dass es nicht zu weiteren Verdrängungseffekten kommt. Dafür habe die Stadt den eingeschlagenen Weg energisch weiterzugehen. Wichtig sei etwa der Milieuschutz. Man müsse aber auch weiter nach Wohnbauland suchen.

„Wir würden es begrüßen, wenn Finanzinstitute, die aus London weggehen, nach Frankfurt kommen“, sagt CDU-Fraktionschef Michael zu Löwenstein. Um „Sonderpläne“ für die Deckung der dadurch steigenen Nachfrage zu formulieren, sei es aber noch zu früh. Die Stadt unternehme zudem ohnehin einiges, um für mehr Wohnungsbau zu sorgen. Auch SPD-Fraktionschef Klaus Oesterling sieht bisher keinen Grund aufgeregt zu sein. Er könne sich gut vorstellen, dass es doch nicht zum Austritt der Briten aus der EU komme, sagte er.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Brexit

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