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Brentanobad in Frankfurt Kind nach Badbesuch erkrankt

Ein Kind erkrankt nach einem Besuch im Frankfurter Brentanobad an einer schweren Magen-Darm-Infektion. Die Mutter vermutet die Ursache im Kot der Nilgänse.

Nilgänse Brentanobad
Küken mag jeder, Kot am Beckenrand mag niemand. Nilgänse im Juni im Brentanobad. Foto: Michael Schick

Eine Familie geht im Frankfurter Brentanobad schwimmen. Bald darauf erkrankt das zweijährige Kind und muss ins Krankenhaus. Die Mutter des kleinen Jungen erfährt, dass das Stadtgesundheitsamt schon vor einem Jahr warnte: Der Kot der Nilgänse in diesem Schwimmbad könnte für Kleinkinder gefährlich sein. Dass er im konkreten Fall der Auslöser der schweren Magen-Darm-Erkrankung war, schließt die Behörde nicht aus.

Yolima Vargas, die Mutter des kleinen Maximiliano, ist selbst Biologin und sie garantiert, ihr Sohn habe nichts Verdorbenes gegessen, das die Infektion ausgelöst haben könnte. Die Familie war am 8. Juli, einem Sonntag, im Brentanobad. Am Dienstag habe Maximiliano Durchfall bekommen, am Donnerstag jeden noch so kleinen Schluck Wasser sofort wieder erbrochen.

Im Clementine-Kinderkrankenhaus diagnostizierten die Ärzte Infektionen sowohl mit dem Campylobacter, der durch Tierkot oder schlecht gewordene Lebensmittel übertragen wird, als auch mit dem hochansteckenden Rotavirus.

Das Kind war völlig dehydriert. „Die Ärzte sagten, so etwas hätten sie noch nie gesehen, und die Kombination der beiden Erreger sei ungewöhnlich“, berichtet die besorgte Mutter. Vier Tage musste Maximiliano im Krankenhaus bleiben. Auch beide Eltern erkrankten, zudem berichten sie von vier Kinden befreundeter Familien, die nach dem sonntäglichen Schwimmen ebenfalls Durchfall gehabt hätten. Sämtliche Kinder litten bis heute unter den Beschwerden. Die Eltern machen sich große Sorgen. Klinikärzte hätten vor Freibadbesuchen gewarnt.

Wie wahrscheinlich ist es, dass die Nilgänse Überträger der Infektion sind? „Denkbar, aber unwahrscheinlich“, antwortet Clementine-Chefarzt Kay Latta auf FR-Anfrage. „Grundsätzlich ist der Kot infektiös“, präzisiert Udo Götsch aus der Abteilung Infektiologie des Gesundheitsamts. Insofern: „Es könnte sein, dass er die Erkrankung ausgelöst hat.“ Freilich sei der meldepflichtige Campylobacter generell auf dem Vormarsch, betont Götsch.

Lagen noch vor wenigen Jahren die Fälle von Salmonellen– und Campylobacter-Infektionen etwa gleichauf, so öffnet sich inzwischen die Schere: „Wir zählen in Hessen jetzt 16 bis 24 Salmonellenfälle pro Woche, dagegen 131 bis 149 mit dem Campylobacter.“ Die jüngsten verfügbaren Zahlen für Frankfurt stammen aus dem Juni: Da waren es nach Angaben des Infektiologen jeweils sechs bis sieben Fälle pro Woche mit einem Ausreißer nach oben in der 24. Kalenderwoche, als 17 Infektionen mit dem Campylocacter registriert wurden.

„Das entspricht etwa dem Vorjahreswert“, sagt Götsch. Im Sommer verdoppelten sich die Zahlen. Lässt sich nachweisen, woher eine Infektion stammt? „Man kann es nicht zuordnen.“ Selbst das bundesweite Referenzlabor könne die Herkunft nur näherungsweise belegen.

Fallzahlen steigen

Das Robert-Koch-Institut bestätigt die Entwicklung: Die Fallzahlen stiegen seit 2001 republikweit. Symptome sind fast immer Durchfall, meist Bauchschmerzen, häufig Fieber, manchmal Erbrechen. Interessant: Gleich drei der größten Ausbrüche von Campylobacter-Enteritis gab es jeweils in Hessen, und stets war Rohmilch aus sogenannten Milchtankstellen die Ursache.

Das Brentanobad ist seit dem vorigen Sommer in den Schlagzeilen. Damals hatte das Gesundheitsamt den Kot der zahlreichen Nilgänse untersucht und ihn zur potenziellen Infektionsgefahr für Kinder erklärt, die damit spielen oder ihn in den Mund stecken könnten. Daraufhin ließen die Bäderbetriebe Frankfurt (BBF) in Abstimmung mit dem Magistrat Jagd auf die Tiere machen. Sechs Gänse schoss der Jäger unter dem Protest der Tierschützer. Das Gros der Vögel mied in der Folge zumindest tagsüber das Bad. Doch beim Testbesuch der FR im Juni schwamm eine Gänsefamilie mit sechs Küken ungeniert im Becken. Das Personal braucht jeden Morgen zwei Stunden, um den Kot zu entfernen.

Die BBF wollen in der nächsten Jagdzeit ab September wieder schießen lassen. Bei der Geschäftsführung sei eine Beschwerde wegen der Erkrankung eines Kindes eingegangen, sagte ein Sprecher am Mittwoch der FR. Man wolle aber die angeforderte Stellungnahme des Gesundheitsamts abwarten: „Alles andere wäre reine Spekulation.“

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