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Bornheim Stadt-Polizei stürmt Kneipe

Fünfzehn Jahre lang gab es keine Probleme mit dem Konzept der Nachtschwärmer-Kneipe. Plötzlich aber steht das Ordnungsamt auf der Matte. Die Inhaberin der Kneipe Lebensfreude Pur in Frankfurter Stadtteil Bornheim wehrt sich gegen die Sperrzeit zwischen fünf und sechs Uhr nachts.

Trinkgenuss zu jeder Zeit: Gaststätten können eine Aufhebung der Sperrstunde beantragen. Foto: dpa

Um fünf Uhr nachts stürmten sechs Beamte die Kneipe Lebensfreude Pur. „Das war völlig willkürlich, es hatte keine Beschwerden von Anwohnern gegeben“, bemängelt Inhaberin Luzie Hartel. Da bereits Rollläden und Tür geschlossen waren, hämmerten sie von außen an das Lokal in der Mainkurstraße 19. Sie warfen die wenigen Gäste raus und drohten mit einem Bußgeld.

Hartel reicht es. Darum wendet sie sich nun an die Öffentlichkeit. Denn der Vorfall vor einigen Wochen war nicht der erste Vorstoß der Behörde. Bereits zum dritten Mal seit 2013 stand das Ordnungsamt vor der Tür der Lebensfreude Pur. Die Stadt verwies auf die Sperrstunde von fünf bis sechs, der sogenannten Putzfrauenstunde. „Unsinnig“, findet Hartel, schließlich sei tagsüber genug Zeit zum Putzen. Außerdem sei bereits ein Bußgeldverfahren in dieser Sache vom Gericht ohne Schuldfeststellung und ohne Festsetzung eines Bußgeldes, zugunsten Lebensfreude Pur, eingestellt worden.

Seit 1998 führt Hartel die Kneipe für Nachtschwärmer, die unter der Woche erst ab 19 und am Wochenende ab 22 Uhr öffnet – mit open end. „In den vergangenen 15 Jahren hatten wir keine Probleme und plötzlich gibt es Ärger.“ Sie vermutet, dass die Stadt so Bußgelder kassieren will. Viele Möglichkeiten zu später Stunde noch in eine Bar zu gehen, haben die Nachteulen in Frankfurt nicht. „Früher gab es in jedem Stadtteil zwei Nachtkneipen“, sagt Hartel.

Kein Verstoß gegen Lärmschutz

Ihr gehe es nicht primär um den Umsatz, sondern darum, dass es nach Feierabend für Gastronomen und andere eine Möglichkeit zur Einkehr gibt. Der Bedarf sei da. Die einzigen, die eine Ausnahmegenehmigung für die Sperrstunde bekommen hätten, seien wohl Mc Donald’s.

„Gaststätten können eine Aufhebung der Sperrstunde beantragen“, sagt Michael Jenisch, Sprecher vom Ordnungsamt. Die Stadt prüfe dann, ob es sozial verträglich sei, etwa Anwohner gestört werden könnten. Falls dem nichts entgegen stünde, gebe es eine befristete Genehmigung.

Von ihrer Kneipe gehe keine Lärmbelästigung aus, erklärt Hartel. Das sei längst von der Lärmschutzbehörde belegt worden. Die Kontrollen brachten keinen Verstoß gegen das Emissionsgesetz ans Tageslicht. Wenn um fünf Uhr alle Gäste auf einmal, gemeinsam die Kneipe verlassen müssen, könnte das wirklich laut werden, prognostiziert Hartel.

Die Wirtin hat bereits einen Antrag zur „Aufhebung der Sperrstunde zwischen fünf und sechs Uhr wegen öffentlichen Interesses“ gestellt. Der wurde von der Stadt zunächst abgewiesen, Hartel hat nun Widerspruch eingelegt. Falls ihr Antrag keinen Erfolg haben sollte, überlegt sie zu klagen. Andere Gastronomen würden sie unterstützen. Eventuell könne auf diese Weise sogar eine generelle Aufhebung des Gesetzes erwirkt werden.

Wer die Lebensfreude Pur unterstützen möchte, kann auf der Facebook-Seite der Kneipe seine Stimme abgeben.

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