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Bornheim/Nordend Teilen liegt im Trend

Studenten der Fachhochschule Frankfurt befragen Anwohner zu Sharing-Angeboten. Das Ergebnis: Besonders bei jüngeren Menschen und bei Anhängern linksgerichteter Parteien liegt gemeinschaftliches Nutzen von Autos, Filmen, Büchern oder Musik im Trend.

Der Bücherschrank auf dem Merianplatz. Foto: Michael Schick

Carsharing ist ein Modebegriff. Die organisierte, gemeinschaftliche Nutzung von Fahrzeugen wird immer beliebter. Doch nicht nur Autos werden geteilt, sondern auch Filme, Bücher und Musik. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die Studenten der Fachhochschule Frankfurt zwischen Anfang August und Mitte Oktober in Bornheim erhoben haben.

Sie fanden heraus, dass jüngere Menschen Sharing-Angebote häufiger kennen und nutzen als ältere. Im Schnitt teilen unter 40-Jährige demnach ein Angebot mehr als Menschen über 40. Das Geschlecht und Einkommen sowie der Bildungsgrad spielen hingegen keine signifikante Rolle. Auch die Wohnform hat offenbar keinen Einfluss darauf, ob speziell Autos, Fahrräder und Kleidung geteilt werden. Im Gegensatz zur politischen Ausrichtung. „Die Anhänger linksgerichteter Parteien kennen und nutzen mehr Sharing-Angebote und sind auch eher dazu bereit, solche selbst anzubieten“, sagt Studentin Christine Leyhe. Im Unterschied zum „Renting“ teilt man beim „Sharing“ ein Gut unentgeltlich – etwa Literatur in Bücherschränken, wie es sie mittlerweile schon in vielen Stadtteilen gibt.

„Sharing liegt im Trend und trägt mehr Menschlichkeit in die Welt“, sagt Robert Lipp, der Soziologie an der Universität Bamberg studiert hat. „Medienberichte beschränken sich meist auf das kommerzielle Sharing“, bedauert er. Seine Diplomarbeit verfasste Lipp zum Thema „Couchsurfing“. Auf der gleichnamigen Homepage können Reisende sich kostenlos nach einem Schlafplatz umschauen. Die Mitglieder nutzen das Netzwerk auch, um eigene Angebote zu platzieren.

Unter dem Motto „Teilen in Bornheim“ hatten die Studenten der Fachhochschule Frankfurt 3000 Bornheimer eingeladen, sich an der Umfrage zu beteiligen. 225 machten mit. „Der Stadtteil ist aufstrebend und liegt in der Nähe der Fachhochschule“, erklärt Simon Klein, warum sie das Viertel auswählten. Die Studierenden befragten die Teilnehmer auch nach ihrem Konsumverhalten. Denn für sozial Schwächere sei Sharing eine Möglichkeit, um am Warenkonsum teilzunehmen.

Auffällig ist, dass Menschen unter 40 eher genussorientiert kaufen, während über 40-Jährige Vernunft walten lassen. Menschen mit hohem Einkommen kaufen weniger umweltbewusst als Menschen mit einem geringerem Einkommen. Im Gegensatz zu Männern sehen Frauen sich vielmehr als Spaß-Käuferinnen.

Ursprünglich sollte die Studie auf ganz Frankfurt ausgeweitet werden. Allerdings sei das Budget begrenzt gewesen, sagt Studienleiter Andreas Klocke, der als Professor am Fachbereich „Soziale Arbeit und Gesundheit“ forscht und lehrt. Zudem habe das Einwohnermeldeamt für die Studie keine Adressen zur Verfügung gestellt. „Wir sind uns bewusst, dass das Ergebnis nicht auf andere Stadtteile übertragbar ist.“

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