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Bombenfund in Offenbach Ahnungslos mit Bombe unterwegs

Ein ahnungsloser Lastwagenfahrer karrt eine Bombe, versteckt in Erdaushub, vom Frankfurter Flughafen in die Offenbacher Innenstadt. Eine Fahrlässigkeit ist bei dieser Bombenverschickung niemandem vorzuwerfen. Die Baustelle am Terminal 3 war zuvor sorgfältig abgesucht worden.

Die Gegend rund um die EVO wurde nach dem Fund der Fliegerbombe von der Polizei gesperrt. Foto: Rolf Oeser

Dem Lastwagenfahrer dürfte es noch im Nachhinein ziemlich mulmig geworden sein. Nach Aushubarbeiten am Frankfurter Flughafen wird das Erdreich von der Baustelle am Terminal 3 nach Offenbach mitten in ein Wohngebiet gefahren. Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand weiß: In der Ladung des Lastwagens steckt eine 50 Kilo schwere Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Arbeiter fanden den Blindgänger dann am Dienstagvormittag auf einer Baustelle Ecke Bettinastraße/Goethering. Dort musste der Sprengkörper dann entschärft werden, nachdem im Umkreis von 100 Metern die Menschen aus den Gebäuden und Büros evakuiert worden waren.

Die Tatsache, dass eine Bombe von einer Brache in Frankfurt in ein Offenbacher Wohngebiet gekarrt wird, bietet Spöttern natürlich reichlich Nahrung, aber zum Lachen ist der Sachverhalt nicht. Der Sprengstoffexperte des Regierungspräsidiums Darmstadt, Gerhard Gossens, mag sich gar nicht ausmalen, was alles hätte passieren können. „Wir haben gleich zweimal Glück gehabt“, sagt der Leiter des Kampfmittelräumdienstes. Beim Aufladen, Transportieren und Abladen des Erdreichs seien jeweils mechanische Einwirkungen auf die Bombe erfolgt, die den Blindgänger durchaus hätten explodieren lassen können. Dass die Bombe nicht explodiert ist, war Gossens zufolge der erste Glücksfall. Der zweite Glücksfall war der mechanische Aufschlagzünder der Bombe. „Da gibt es beim Entschärfen kritischere Zünder“, so Gossens.

Eine Fahrlässigkeit sei bei dieser Bombenverschickung niemandem vorzuwerfen. „Die Baustelle am Terminal 3 wurde vorher sorgfältig abgesucht, aber es bleibt immer ein Restrisiko“, sagt Gossens. Die in Offenbach gefundene Bombe ist etwa 75 Zentimeter lang und hat einen Durchmesser von 20 Zentimetern.

Die Baustelle, auf der das umstrittene Terminal 3 entsteht, ist als Risikogebiet bekannt.

Mehr als 40 Fälle

Während des Zweiten Weltkriegs befand sich an der Stelle ein Flugplatz der deutschen Luftwaffe, der von den Alliierten massiv bombardiert wurde. Dazu wurden vor allem solch kleine Bomben eingesetzt wie die jetzt aufgefundene. „Mit vielen kleinen Bomben konnten Flugpisten effektiver zerstört werden als mit einer großen“, sagt Gossens. Mehr als 40 Blindgänger hat der Kampfmittelräumdienst in den vergangenen Jahren bei Bauarbeiten am Frankfurter Flughafen aufgespürt, ohne dass sie in Offenbach gelandet sind.

Nun werden sowohl die Baustelle am Frankfurter Flughafen als auch die in der Offenbacher Innenstadt noch mal nach Bomben abgesucht, damit nicht noch einmal ein Lastwagenfahrer mit einer Bombe auf Dienstfahrt gehen muss.

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