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Bombenfund in Frankfurt „Verheerende Folgen“

Sprengmeister Gerhard Gossens ist der Chef des hessischen Kampfmittelräumdienstes. Im FR-Interview erklärt er, warum er und sein Team am Sonntag beim Entschärfen der Bombe in der City-West mit äußerster Vorsicht vorgehen müssen.

04.05.2013 16:10
Die Bombe. Foto: ots/Polizei Hessen

Wenn in Hessen Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden werden, kommen die Experten des Kampfmittelräumdienstes zum Einsatz. Gerhard Gossens ist ihr Chef. Jedes Jahr entschärft er mit seinem Team etwa 40 größere Blindgänger.

Herr Gossens, gibt es Schätzungen, wie viele Fliegerbomben in Frankfurt unter der Erde liegen?

Nein, dazu lässt sich seriös nichts sagen. Wir wissen anhand der Kriegsluftbilder, in welchen Gegenden viele Bomben explodiert sind. Etwa 10 bis 30 Prozent der abgeworfenen Bomben explodierten nicht. Wie viele Blindgänger tatsächlich noch dort liegen, wissen wir aber nicht.

In welchen Vierteln ist denn mit vielen Funden zu rechnen?

Natürlich in der Innenstadt, die stark bombardiert wurde, aber auch ganz allgemein in der Nähe von Bahnanlagen. Auch der jetzige Fundort ist nicht ungewöhnlich. Der Hauptbahnhof ist nicht weit weg, und auch das Rebstockgelände befindet sich in der Nähe. Dort war ja im Zweiten Weltkrieg noch ein Flugplatz, der natürlich das Ziel vieler Angriffe darstellte.

Wie gefährlich sind die Blindgänger?

Die Bomben reagieren womöglich auf Erschütterungen, deshalb ist jede unkontrollierte Bergung sehr gefährlich. Wir raten Bauherren in Gebieten, in denen viele Bomben niedergegangen sind, deshalb auch immer, die Fläche zunächst von Experten des Kampfmittelräumdienstes untersuchen zu lassen. Es ist sehr gefährlich, wenn sich Bauarbeiter einfach an die Arbeit machen und dann beim Erdaushub auf eine Bombe stoßen. Den Fund in der Franklinstraße haben zum Glück Mitarbeiter einer Kampfmittelräumungsfirma gemacht.

Welche Folgen hätte eine Explosion dieser Bombe?

Verheerende Folgen. Wir reden hier über eine Bombe mit 150 Kilo Sprengstoff. Die Wirkung wäre enorm. Und viele Gebäude in der näheren Umgebung sind nahezu komplett verglast. Bei einer Explosion würden ganze Straßenzüge verwüstet.

In den vergangenen Jahren wurden in Frankfurt immer wieder Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Die Entsorgung war aber selten so aufwendig wie diesmal. Was ist das Besondere an der Bombe in der Franklinstraße?

Sie ist mit zehn Zentnern sehr groß, und sie liegt sehr nah an der Oberfläche. Das bedeutet einen größeren Evakuierungs- und Absperrbereich.

Wie werden Sie bei der Entsorgung vorgehen?

Wie bei jeder Bombe müssen wir den Zünder ausbauen. Zunächst werden wir mit Fernentschärfungsgeräten arbeiten. Das können wir aus sicherer Deckung heraus tun. Damit werden wir den Zünder aber nicht komplett entfernen. Deshalb wird einer meiner Mitarbeiter oder ich selbst zur Bombe gehen müssen, um manuell die Arbeit abzuschließen. Ist der Zünder entfernt, können wir den Fund abtransportieren.

Ist es bei Ihrer Arbeit ein Problem, dass die Bomben schon sehr lange im Erdreich lagern?

Ja, die Korrosion macht uns schon zu schaffen. Die Blindgänger, die wir entschärfen müssen, sind zum Teil stark verrostet. Das macht es schwieriger, den Zünder auszubauen.

Wie lange wird man Ihrer Einschätzung nach in Frankfurt noch Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg finden?Das wird noch etliche Jahre der Fall sein. Wir gehen davon aus, dass viele Blindgänger unter Flächen lagern, die schon längst wieder bebaut sind. Nur hat man die damals nicht gefunden. Erst wenn dort etwas Neues gebaut wird, wird man die Bomben entdecken.

Das Interview führte Georg Leppert

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