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Bombe in Frankfurt Weitere Bomben erwartet

Die Bombe in Frankfurt ist entschärft; doch weitere könnten entdeckt werden. Imposant sind die Zahlen zur Evakuierung: 1200 Fahrten mit Alten und Kranken, über 2200 Helfer und 298 Platzverweise.

Bombe in Frankfurt
René Bennert (vorne) und Dieter Schwetzler erläutern, wie sie die Bombe entschärft haben. Foto: Kai Pfaffenbach/Reuters

Am Tag nach der groß angelegten Evakuierung in Frankfurt haben die Rettungskräfte ein überwiegend positives Fazit gezogen. „Wir sind sehr zufrieden, bis auf die zweieinhalb Stunden, die wir verloren haben durch diese Unverbesserlichen“, sagte Polizeipräsident Gerhard Bereswill am Montag. Bei der größten Evakuierung der Nachkriegsgeschichte hatten fast 65 000 Frankfurter ihr Heim verlassen. Nur rund 300 hatten, wie es Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) formulierte, „sich von unseren Drohungen nicht beeindrucken lassen“.

Die Polizei erteilte 298 Platzverweise; in fünf Fällen waren die Menschen so unbelehrbar, dass sie bis zum Ende der Entschärfung in Gewahrsam genommen werden mussten. Einer von ihnen soll psychisch auffällig gewesen sein, wie sein Betreuer der Polizei berichtet habe. Ein junger Mann, der auch im Fernsehen mehrfach bei der Ingewahrsamnahme zu sehen gewesen war, hatte die Polizeiaktion seiner Freundin zu verdanken. Sie hatte sich Sorgen über ihren in der Sperrzone verbliebenen Freund gemacht und die Polizei per Notruf auf seinen Aufenthalt hingewiesen. Besonders dreist waren nach Einschätzung der Polizei zwei Personen, die schon während der Entschärfung im Nahbereich der Bombe auftauchten und den Einsatzkräften noch fröhlich zugewunken hatten.

Das Ordnungsamt will nun prüfen, inwieweit gegen die renitenten Personen Ermittlungen eingeleitet werden. Der Vorwurf: Störung einer Amtshandlung. Zudem wird geprüft, ob die Personen an den entstandenen Kosten beteiligt werden sollen.

Zu den Kosten der gesamten Evakuierungsaktion wollte Frank noch nichts sagen. Auch bei der Frage, wer die Rechnung denn nun zu zahlen habe, verwies der Ordnungsdezernent lediglich auf das „Verursacherprinzip“. Mit dem hessischen Finanzministerium soll nun geklärt werden, wer die Kosten zu tragen hat.

Allein am Sonntag waren neben den mehr als 1000 Polizisten rund 1200 Einsatzkräfte der Feuerwehr und von Hilfsorganisationen im Dienst. Als aufwendig erwiesen sich vor allem die Transporte hilfebedürftiger Menschen. Insgesamt waren etwa 1200 Fahrten notwendig, davon allein 350 liegend. Noch bis Montagmittag dauerte es, bis die Rücktransporte abgeschlossen waren. Das Bürgerhospital vermeldete am Montag, bis 0.35 Uhr in der Nacht seien alle 100 verlegten Patienten wieder an Ort und Stelle gewesen. Im Kreißsaal habe schon am Montagmorgen „das erste Nach-Evakuierungs-Baby“ das Licht der Welt erblickt.

Wie angekündigt, drangen die Einsatzkräfte auch in Wohnungen ein, in denen sie noch Menschen vermuteten. So wurden in 19 Fällen Türen geöffnet. In einem Fall etwa, weil ein Rollator vor einer Tür stand. In einem Fall stutzten die Polizeibeamten, weil auf das obligatorische Klingeln hin ein Türsummer ertönte. Es sei aber niemand angetroffen worden.

Sehr erleichtert trat auch der Bombenentschärfer René Bennert vor die Mikrofone. Der Sprengstoffexperte des Kampfmittelräumdienstes gab sich angesichts der großen Evakuierung bescheiden. „Wir hatten den kleinsten Teil der Arbeit, wir mussten nur die Bombe entschärfen.“ Es habe übrigens keineswegs Probleme mit dem zweiten der drei Zünder gegeben. Vielmehr habe es zwischen der Entschärfung des ersten und zweiten Zünders eine vorgesehene Pause gegeben.

Bennert geht übrigens davon aus, dass auf dem Baugelände nördlich des neuen Uni-Campus im Westend weitere Bomben gefunden werden. Bis wann das Gelände bombenfrei gemeldet werden könne, blieb offen, da der Zeitplan Sache des Bauherren, sprich des Landes Hessen, ist. Viel Zeit nahmen bei der Pressekonferenz auch die gegenseitigen Danksagungen der Behörden ein.

Ordnungsdezernent Frank zeigte sich vor allem beeindruckt von den vielen freiwilligen Helfern aus allen Teilen Hessens. Für sie soll es eine kleine Dankeschön-Party in der Paulskirche geben. Auch einige betroffene Anwohner sollen eingeladen werden.

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