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Bombe in Frankfurt Schwierige Bombenentschärfung

Die Arbeit an der Bombe in Frankfurt erweist sich schwieriger als gedacht. Zudem gibt es bei der Evakuierung Probleme mit renitenten Anwohnern.

Evakuierung wegen Fliegerbombe
Ein massives Aufgebot an Polizei hat die Evakuierungszone bewacht. Foto: Renate Hoyer

Es war genau 18.31 Uhr, als der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill Entwarnung gab: Die 1,8 Tonnen schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die am Dienstag im Frankfurter Westend gefunden wurde, ist entschärft und gesichert. Vorangegangen war ein mehr als zwölfstündiger Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei. Mehr als 60.000 Menschen aus den Stadtteilen Nordend, Westend und Dornbusch mussten ihre Wohnungen verlassen.

Die Arbeiten an der Mine waren schwieriger als gedacht. Nachdem sich der erste von drei Zündern innerhalb von einer halben Stunde entfernen ließ, gestaltete sich der weitere Verlauf problematisch. Beim zweiten und dritten Zünder blieben zunächst die Sprengkapseln zurück. Diese wurden am Abend isoliert und gesprengt.

René Bennert und Dieter Schwetzler vom Kampfmittelräumdienst hatten sogenannte Raketenklemmen eingesetzt, um die Luftmine unschädlich zu machen, die von britischen Bomberpiloten abgeworfen und bei Bauarbeiten auf dem Uni-Campus entdeckt wurde. Die Klemmen drehten die teils stark beschädigten Zünder aus der Bombe.

Bevor der Kampfmittelräumdienst ans Werk gehen konnte, musste er lange warten. Erst um 14.30 Uhr hatte die Polizei den Entschärfern grünes Licht gegeben. Bis auf Bennert und Schwetzler hielten sich zu dieser Zeit keine Menschen mehr in der Sicherheitszone auf, die einen Radius von anderthalb Kilometer rund um den Fundort umfasste. Grund für die zweieinhalbstündige Verspätung waren uneinsichtige Bewohner, die ihre Wohnungen nicht räumen wollten.

Die größte Evakuierungsaktion in der deutschen Nachkriegsgeschichte hatte um 6 Uhr begonnen und verlief zunächst unspektakulär. Als die Polizeibeamten anfingen, die ersten Straßensperren aufzustellen, trafen sie im Freien kaum Menschen an. Manche hatten ihre Wohnungen bereits am Abend zuvor verlassen. Andere ließen sich Zeit und frühstückten erst einmal in Ruhe. Schließlich sollte die Zone erst um 8 Uhr geräumt sein.

Dann machte die Polizei ernst. Suchtrupps durchkämmten die sieben Quadratkilometer große Zone. Parallel dazu fing die Feuerwehr mit ihren Transporten an. 500 gehbehinderte Menschen mussten aus ihren Wohnungen geholt und in die Sammelstätten an der Messe oder in der Jahrhunderthalle gefahren werden. Am Samstag waren die Patienten von Bürgerhospital und Marienkrankenhaus in umliegende Kliniken gebracht worden. Auch die Bewohner von 20 Altenheimen mussten umziehen.

Lange Zeit schien die Evakuierung weitgehend planmäßig zu verlaufen. Obwohl die Polizisten rund 300 Platzverweise erteilen mussten, gaben sich Gerhard Bereswill, Ordnungsamts-Leiter Jörg Bannach, Feuerwehr-Chef Reinhard Ries, Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) in der Befehlsstelle bei der Frankfurter Branddirektion entspannt. „Frankfurt rückt an diesem Tag enger zusammen“, sagte Feldmann mit Blick auf die vielen Angebote außerhalb der Sperrzone. So hatten etwa die Museen länger geöffnet.

Gegen Mittag aber trafen immer neue Hiobsbotschaften ein. Zum einen meldeten sich weitere gehbehinderte Menschen bei der Feuerwehr und wollten abgeholt werden. Zum anderen stellten die Brandschützer fest, dass in zwei Häusern noch Menschen waren. „Die haben uns fröhlich zugewinkt“, sagte Reinhard Ries sichtlich erbost. Ein junger Mann weigerte sich so lange, bis ihn Polizisten über eine Drehleiter aus der Wohnung brachten. Die Beamten nahmen fünf renitente Anwohner fest.

„Ich kann nur hoffen, dass dies rechtliche Folgen hat“, schimpfte Ries. Einzelne Leute hätten „die ganze Maschinerie“ aufgehalten. Im Raum standen Forderungen nach Schadensersatz.

Am Abend hatten sich die Verantwortlichen dann aber wieder beruhigt. Im Mittelpunkt stand die Freude über einen gelungenen Einsatz, der mit der Entschärfung aber längst noch nicht abgeschlossen war. Zunächst musste die Feuerwehr die Krankenhauspatienten und die gehbehinderten Menschen zurückbringen. Erst spät waren die letzten Bewohner wieder in ihren Wohnungen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Bombe - Evakuierung in Frankfurt

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