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Bockenheimer Warte Labsaal ist wieder bewohnt

Nach der Renovierung der ehemaligen Mensa sind dort erneut Geflüchtete eingezogen.

Labsaal
Labsaal, Campus Bockenheim, bemalt von Oguz Sen und Justus Becker. Foto: Peter Jülich

Der Labsaal an der Bockenheimer Warte, in dem einst Studierende der Goethe-Universität speisten, ist wieder bewohnt. Wie Katrin Wenzel von der Stabsstelle Flüchtlingsmanagement der Frankfurter Rundschau sagte, sind am Dienstag die ersten 27 Geflüchteten in die für bis zu 120 Menschen ausgelegte Notunterkunft eingezogen. In den nächsten Wochen sollen es Schritt für Schritt mehr werden.

Schon von Januar 2016 bis zum vergangenen Hochsommer war der Labsaal als Unterkunft für Asylsuchende genutzt worden. Nachdem im August die letzten Bewohnerinnen und Bewohner in andere Bleiben umziehen konnten, ist das Gebäude „grundrenoviert“ worden, sagte Oliver Pitsch, Regionalvorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe, die die Unterkunft im Auftrag der Stadt betreibt. Waren hier zuvor bis zu 160 Menschen am Rande des Campus Bockenheim untergebracht, habe man die Wohnplätze nun bewusst reduziert, um mehr Gemeinschaftsräume zu schaffen. Im Erdgeschoss werden Alleinstehende wohnen, für alleinreisende Frauen gibt es laut Pitsch einen abgetrennten Schutzbereich. Der erste Stock ist Familien vorbehalten.

Mit dem Labsaal hat die Stadt nun drei Notunterkünfte für neu nach Frankfurt kommende Flüchtlinge in Betrieb, die relativ wenig Privatsphäre und zumeist keine Möglichkeit zur Selbstverpflegung bieten. So gebe es auf dem Gelände der von rund 380 Menschen bewohnten Unterkunft in der Gutleutstraße neben einem Gebäude mit Familienwohnungen auch eine Industriehalle, in der alleinreisende Männer in Zweierräumen miteinander wohnen, die nur durch nach oben offene Trennwände abgeteilt sind, so Katrin Wenzel. Die Stabsstelle hofft, bis zum Sommer auch Kochgelegenheiten einrichten zu können, da eine selbstbestimmte Verpflegung erfahrungsgemäß die Stimmung in den Unterkünften massiv verbessere.

So etwa in der Gemeinschaftsunterkunft In der Au in Rödelheim, wo die 275 Bewohnerinnen und Bewohner seit Dezember ein Gebäude mit eigenen Kochherden und Kühlschränken nutzen können, wie Johanniter-Einrichtungsleiter Massimo Cirillo bei einem Rundgang über das Gelände zeigt. Auch hier hat aber ein Teil der Unterbringung Notunterkunftscharakter, seit im November neben den zwei Wohngebäuden mit abschließbaren Appartements auch die frühere Fertigungshalle eines Messebaubetriebs von Familien und alleinerziehenden Frauen bezogen wurde.

120 Menschen leben in der in vier Bereiche unterteilten Halle, die nur von den jeweiligen Bewohnerinnen und Bewohnern betreten werden dürfen, erzählt Cirillo. Von außen lassen sich die nach oben offenen Trennwände erkennen, mit denen Zimmer abgeteilt sind, die statt Türen Vorhänge haben. Anders lasse es sich in der Halle etwa aus Gründen der Belüftung nicht gestalten, sagt Oliver Pitsch. Er sagt aber auch, dass die Räume separat beleuchtet seien.
„Das hat den Charakter einer Notunterkunft, ganz klar – aber wir haben keine andere Wahl“, betont Wenzel. Denn noch immer sucht die Stadt nach neuen Unterkünften. Weil nur wenige der aktuell 4800 von der Stadt untergebrachten Menschen Wohnungen auf dem freien Markt finden. Weil durch Geburten, Familiennachzug und wöchentliche Zuweisungen neue Menschen hinzukommen. Und weil der Stadt bis Jahresende aufgrund auslaufender Verträge und Genehmigungen Hunderte Unterbringungsplätze wegfallen.

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