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Bluttransfusion Uni-Klinikum Sparsamer Umgang mit Blut

Jede Bluttransfusion wie eine kleine Organspende. Ist sie unbedingt nötig, kann sie sogar schädlich sein. Mit weniger Transfusionen will das Uniklinikum also mehr für die Patienten tun - mit dem Projekt „Patient Blood Management“ soll nun der optimale Einsatz von Blutkonserven bestimmt werden.

Blut ist ein ganz besonderer Saft. Foto: KEYSTONE

Jede Bluttransfusion wie eine kleine Organspende. Ist sie unbedingt nötig, kann sie sogar schädlich sein. Mit weniger Transfusionen will das Uniklinikum also mehr für die Patienten tun - mit dem Projekt „Patient Blood Management“ soll nun der optimale Einsatz von Blutkonserven bestimmt werden.

Patienten des Frankfurter Universitätsklinikums werden künftig weniger oft eine Bluttransfusion erhalten. Auf einer Pressekonferenz am Donnerstag wurde das Projekt „Patient Blood Management“ vorgestellt. Es enthält unter anderem eine Check-Liste, wie der Blutverlust während und nach einer Operation verringert werden kann. Zusammen mit den Universitätskliniken in Bonn, Kiel und Münster soll das Projekt wissenschaftlich begleitet werden, um Erkenntnisse über den optimalen Einsatz von Blutkonserven zu gewinnen. Bis 2015 sollen bis zu 100 000 Patienten beobachtet werden. Nach Angaben von Projektleiter Kai Zacharowski ist es die weltweit erste große Untersuchung dieser Art.

Unnötige Transfusionen schaden

Für den Ärztlichen Direktor des Klinikums, Jürgen Schölmerich, ist „Blut ein ganz besonderer Stoff, der uns am Leben hält“. Eine Transfusion, die nicht unbedingt nötig sei, könne dem Patienten aber eher schaden. In der Vergangenheit seien zu viele Transfusionen verabreicht worden, erklärte Zacharowski. Wenn ein Körper mit zu viel Fremdblut versorgt werde, könne das zu einer Lungenentzündung, Überbelastung des Herzens und zu Gerinnseln führen. Nach Einschätzung von Schölmerich deutet sich an, dass Transfusionen bei Tumorpatienten das Immunsystem schwächen, so dass sich leichter Metastasen bilden können.


Eigentlich sei jede Transfusion eine „kleine Organtransplantation“, meinte der Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin und Leiter des DRK-Blutspendedienstes, Erhard Seifried. Es werde immer schwieriger, das benötigte Blut zu beschaffen. Jetzt, in den Sommermonaten gehe die Spendebereitschaft ohnehin zurück. Besonders an heißen Tagen gebe es weniger Spenden, weil der Kreislauf ohnehin instabiler sei. „Noch haben wir genügend Blutspender.“ Aber der demografische Wandel – mehr alte, weniger junge Menschen – werde zu einer Verknappung führen, zumal ältere Patienten mehr Blut benötigten. Es gehe darum, dass „hohe Gut an Blut optimal“ einzusetzen. So können zum Beispiel Bluttransfusionen überflüssig werden, wenn vorher beim Patienten eine Blutarmut festgestellt und behandelt wurde. Um eine solche Anämie rechtzeitig vor der Operation zu diagnostizieren, wurden im Universitätsklinikum zwei Anämie-Sprechstunden eingerichtet.

Kleinere Röhrchen verwenden

Wo überall Blut gespart werden kann, machte ein Rundgang durch die Intensivstation des Universitätsklinikums deutlich, die mit ihren 34 Betten die größte im Rhein-Main-Gebiet ist. Hier wurde darüber nachgedacht, wie oft und wie viel Blut den Patienten nach der Operation abgenommen werden soll. Statt der üblichen Röhrchen werden jetzt kleinere, aus der Kinderklinik, eingesetzt. Während der Operation im klimatisierten Saal wird die Körpertemperatur des Patienten mit Wärmedecken stabil gehalten – bei einer Unterkühlung funktioniert die Blutgerinnung nicht mehr. Außerdem wird das Blut, das der Patient verliert, in einem Gerät aufgefangen, gereinigt und als Eigenblut-Konserve verwahrt.
Wenn bei einem Patienten Blutungen auftreten und „der Pfleger schon nach einer Konserve schreit“, wird das Blut auf die Schnelle untersucht. Manchmal reichen dann auch „Blutplättchen oder künstliche Gerinnungsfaktoren“, so Projektkoordinator Patrick Meybohm. Sollte tatsächlich eine Transfusion unumgänglich sein, lagern die entsprechenden Blutbeutel bei vier Grad Celsius gut temperiert und griffbereit im Kühlschrank.

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