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Blutspende Uniklinik spart Blut

Der Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen beklagt einen „massiven Mangel an Blut“. Die Uniklinik Frankfurt verbraucht seit 2010 bereits 30 Prozent weniger Blutkonserven. Doch da die Reserven knapp werden, ist ein neuer Umgang mit der Ressource nötig.

Blutspenden ist Voraussetzung für eine moderne Medizin. Foto: Michael Schick

Einen „massiven Mangel an Blut“ hat am Donnerstag der Leiter des Blutspendedienstes Baden-Württemberg-Hessen, Erhard Seifried, beklagt. Unter anderem bedingt durch die Grippewelle sei das Spendenaufkommen im Februar um 15 Prozent zurückgegangen, Operationen hätten verschoben werden müssen – allerdings nicht in Frankfurt. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Universitätsklinikum wurde darauf hingewiesen, wie wichtig ein sorgfältiger und sparsamer Umgang mit der „kostbaren Ressource Blut“ für die medizinische Versorgung der Bevölkerung sei.

Viele haben eine Anämie

Der Ärztliche Direktor des Klinikums, Jürgen Schölmerich, wies darauf hin, dass es seit 2010 gelungen sei, mit 30 Prozent weniger Blutkonserven auszukommen – bei steigenden Patientenzahlen. Im Rahmen des vor zwei Jahren etablierten Patient Blood Managements (PBM) wurden neue Röhrchen entwickelt, mit denen dem Patienten für die Laboruntersuchungen nur noch halb so viel Blut abgenommen wird wie bisher. So würden den Patienten 2000 Liter Blut im Jahr weniger abgenommen und 2000 Kilo hochinfektiösen Abfalls weniger anfallen, erklärte der Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Kai Zacharowski. Auch auf der Intensivstation werde den Patienten jetzt weniger Blut abgezapft. Außerdem sei es gelungen, so Schölmerich, dass weniger als ein Prozent der Konserven, die nicht zum Einsatz kamen, weggeschmissen werden müssen – etwa weil die Kühlkette unterbrochen wurde.

Früher hätten viele Ärzte dazu geneigt, ihren Patienten möglichst viel Fremdblut zukommen zu lassen. Doch der Erkenntnisstand habe sich verändert. So habe sich kürzlich herausgestellt, dass viele Patienten, die operiert werden sollen, an einer Blutarmut, einer Anämie leiden, was zu Komplikationen bis hin zu einer erhöhten Sterblichkeitsquote führen kann. Um diese Patienten zu betreuen, wurde in der Anästhesie eine Ambulanz eingerichtet. Hier werden die Ursachen der Anämie ergründet. Häufig handelt es sich um eine falsche Ernährung, die einen Mangel an Eisen-, Folsäure und Vitamin B12 zur Folge hat. Um einen Eisenmangel vor der Operation zu beheben, gebe es inzwischen wirksame Infusionen ohne störende Nebenwirkungen. Ausschlaggebend dafür, ob eine Anämie vorliegt, ist der sogenannte Hämoglobinwert. Hämoglobin ist der rote Farbstoff der roten Blutkörperchen, der den Organismus mit Sauerstoff versorgt, erklärten die Experten.

Bedarf wird weiter zunehmen

Dass so wenige Hausärzte bei ihren Patienten eine Anämie diagnostizieren, bevor sie ins Krankenhaus geschickt werden, zeigt den großen Bedarf an Weiterbildung rund um das Thema Blut. Im Studium werde dieses Thema zu wenig berücksichtigt. Deshalb haben der Blutspendedienst und die Klinik für Anästhesiologie ein „Transfusionszertifikat gebastelt“ – mit Lernmodulen und einer Online-Prüfung. Zacharowski selbst hat am 2. Dezember vergangenen Jahres die Prüfung bestanden. „Meine Abteilung ist gerade dabei, das Zertifikat zu erwerben.“

Deutschlandweit beteiligen sich inzwischen über 100 Kliniken an dem Projekt Blutmanagement. Der Bedarf an Blutkonserven hat nach Angaben von Erhard Seifried in den letzten 50 Jahren ständig zugenommen. Bundesweit würden rund vier Millionen regelmäßige Spender benötigt. Da es immer mehr ältere und immer weniger jüngere Menschen gebe, sei absehbar, dass der Mangel an Blut in der Medizin eher zu- als abnehmen wird. Das Alter für die Spender sei deshalb auf 71 Jahre heraufgesetzt worden.

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