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Blockupy-Proteste in Frankfurt EZB umzäunt von Nato-Draht

Die Absperrmaßnahmen zur Eröffnung der Europäischen Zentralbank haben historische Dimensionen. Die Polizei will sich von den Blockupy-Aktivisten nicht überraschen lassen.

Die Absperrung teilt den Spielplatz der Weseler Werft. Foto: Peter Jülich

Der Autofahrer von außerhalb ist sehr verwundert. Er steht am Montagnachmittag auf der Hanauer Landstraße, Höhe Ostbahnhof und kommt nicht weiter, weil die Polizei die Straße gesperrt hat. Es ist 16.50 Uhr. „Wie lange ist die Straße gesperrt?“, fragt er einen Polizisten und schaut auf die Uhr. „So drei, vier Tage“, antwortet der Beamte. Jetzt ist der Autofahrer vollends verdutzt. Auch die Empfehlung des Polizisten, er möge doch bitte über Sachsenhausen in die Innenstadt fahren, hilft dem Ortsunkundigen nicht wirklich weiter.

Die Absperrmaßnahmen der Polizei im Vorfeld der EZB-Eröffnung haben historische Ausmaße. Nicht zuletzt, was die zeitliche Dimension angeht. Das Gebiet um die Zentralbank schon 36 Stunden vorher hermetisch abzuriegeln, ist nicht jedem leicht zu vermitteln. „Morgen ist schon einiges an Anreiseverkehr geplant und es bringt ja nichts, wenn die Aktivisten schon im Sicherheitsbereich sind und blockieren können“, sagt Polizeisprecherin Claudia Rogalski. Also wird schon am Montag weiträumig abgesperrt.

Auf der Rückseite der EZB am Main sieht es am Nachmittag noch beschaulich aus. Doch auch dort ist der Nato-Draht schon mal verlegt, er verläuft mitten durch den kleinen Kinderspielplatz an der Weseler Werft. Auch auf der Eisenbahnbrücke ein paar Meter mainaufwärts steht schon ein Polizist. Im Hafenpark toben noch Fußballer, Basketballer und Skater doch ab dem Abend ist der Zugang nur noch Anwohnern möglich. Welche Dimension die Absperrung des Sicherheitsbereichs hat, wird erstmals an der Honsellbrücke sichtbar. An der Ecke zur Mayfahrtstraße hat die Polizei bereits teilweise abgesperrt und richtig schwere Betonquader aufgefahren. Der benachbarte Raab Karcher war noch nie so gut bewacht: Die Welt der Fliesen ist von Nato-Draht umzäunt.

Auch im Hinterland der Hanauer Landstraße ist die Polizei bereits sehr präsent. Die Ordnungskräfte wollen sich von den Aktivisten nicht überraschen lassen. Ganz weit draußen auf der Hanauer Landstraße hat die Polizei einen Teil des Neckermann-Geländes kurzfristig angemietet, als Rückzugsgebiet und Fuhrpark für die mehreren Tausend Beamten, die spätestens am Mittwoch im Einsatz sind. Der Nachteil: Der schnellste Weg für die Einsatzfahrzeuge in die Sicherheitszone führt über die dicht befahrene Hanauer Landstraße. Die Hauptverkehrsader Richtung Osten ächzt unter dem Feierabendverkehr. Auch die Straßenbahnen der Linien 11 müssen warten, weil das ein oder andere Auto vor der Absperrung quer steht und der Fahrer noch mal genau wissen will, was den eigentlich los sei oder er mühsam erklärt, dass er Anwohner sei und nach Hause möchte.

„Polizeieinsatz ein Skandal“

Das Blockupy-Bündnis hat die Maßnahmen der Sicherheitskräfte am Montag scharf kritisiert. „Der Polizeieinsatz ist dieses Jahr bereits im Vorfeld ein Skandal“, sagte Bündnissprecher Frederic Wester auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz vor dem EZB-Neubau. Indem die Polizei mit Nato-Draht und Wasserwerfern ein „Bürgerkriegsszenario“ entwerfe, schüchtere sie Demonstranten vor den Protesten ein. Das zeige, dass „die angekündigte Dialog- und Kommunikationsoffensive eine reine PR-Offensive“ sei, so Wester. Die politische Verantwortung dafür trage die schwarz-grüne Landesregierung.

Hannah Eberle, eine weitere Sprecherin des Bündnisses, sagte, man werde am Mittwoch die „peinliche Restfeier“ zur Eröffnung des EZB-Neubaus blockieren und verhindern. Blockupy habe in den vergangenen Tagen sehr viel Zuspruch aus der Frankfurter Bevölkerung und ganz Europa erfahren, der Protest gegen die europäische Sparpolitik sei legitim und „absolut notwendig“.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Blockupy Frankfurt

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