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Blockupy Fressgass-Fest flieht vor Blockupy

Das Fressgass-Fest wird wegen befürchteter Blockupy-Proteste um eine Woche verlegt. Frankfurter Geschäftsleute begrüßen das Protest-Verbot der Stadt. Einige bereiten sich darauf vor, ihre Geschäfte mit Holztafeln zu schützen.

Straßencafes auf der Fressgass.

Das Fressgass-Fest wird wegen befürchteter Blockupy-Proteste um eine Woche verlegt. Frankfurter Geschäftsleute begrüßen das Protest-Verbot der Stadt. Einige bereiten sich darauf vor, ihre Geschäfte mit Holztafeln zu schützen.

Zugespitzt gesagt hat die Blockupy-Bewegung, lange bevor der erste potenzielle Blockierer in die Stadt kommt, ihren ersten antikapitalistischen Sieg errungen. Das Freßgass-Fest, das am nächsten Mittwoch – dem Anreisetag der Demonstranten – eröffnet werden sollte, ist verschoben worden.

„Nach langer Diskussion haben wir am Donnerstagmorgen beschlossen, das Fest um eine Woche zu verlegen“, erklärt Aysel de Vries, Sprecherin der Aktionsgemeinschaft Freßgass. Niemand wisse, so sagt die Chefin des Restaurants Neuer Volkswirt, was die Stadt und damit auch die Party auf der beliebten Schlemmermeile erwarte, wenn Tausende von Protestierern ihrem Unmut Luft machen. „Wir wollen einfach kein Risiko eingehen.“

Insbesondere die Stände und Zelte zu sichern sei in einer solchen Lage unmöglich. Leicht sei den Geschäftsleuten die Entscheidung nicht gefallen, weil das Fest schon bis ins letzte Detail geplant war. Nun müsse komplett umgeplant werden. „Wir haben unter großem Druck gestanden, hoffen aber, uns enorm viel Stress erspart zu haben.“ Verluste wirtschaftlicher Art, davon gehen die Geschäftsleute auf der Feinkostmeile aus, müssen sie alleine schon wegen der Verlegung hinnehmen. Der lukrative Feiertag, Himmelfahrt, und der Brückentag hätten sicher viele Gäste in die Stadt gelockt.

Mit ein klein wenig mehr Zuversicht sieht Christoph Hahner, Inhaber eines Modegeschäfts, den Blockupy-Tagen entgegen, nach dem das Frankfurter Polizeipräsidium auf einen offenen Brief von Anliegern und Geschäftsinhabern rund um die Alte Oper, die Taunusanlage und die Bockenheimer Landstraße, geantwortet hat. Die Polizei, so interpretiert Hahner das Schreiben, versichere, dass Zustände wie am 31. März nicht mehr eintreten werden. Damals hatten Autonome im Umfeld einer Occupy-Demonstration eine Spur der Verwüstung und einen Schaden von einer Million Euro hinterlassen. „Die Polizei hat uns die Hoffnung gemacht, dass sie uns, unsere Mitarbeiter und unsere Geschäfte schützen kann. Wir gehen die Tage nun so normal wie möglich an.“

Am gestrigen Nachmittag hatte die Initiative noch keine Antwort von der Oberbürgermeisterin bekommen. In dem Schreiben an Petra Roth fordern die Geschäftsleute ihr Recht auf einen unbehelligten Geschäftsverlauf sowie Sicherheit für die Bürger ein. Eine Empfehlung, sich zu verbarrikadieren, wird es nicht geben.

Unter den Geschäftsleuten herrscht große Angst

Eine gewisse Rat- und Hilflosigkeit hat Joachim Stoll, der Chef des Frankfurter Einzelhandelsverbandes, bei seinen Mitgliedern erkannt. „Keiner weiß, was auf ihn zukommt“, sagt der Inhaber eines Lederwarengeschäftes. Er befürchtet allerdings „europaweite Randale“ und weist darauf hin, dass der eine oder andere auch darauf vorbereitet ist, sein Eigentum mit Holztafeln zu schützen. Mancher Inhaber von Geschäften mit sehr teurer Ware denke auch daran, erst gar nicht zu öffnen. Bei allem Verständnis für die Demonstrationsfreiheit lässt Stoll keinen Zweifel daran, dass die Geschäftswelt geschlossen hinter dem von der Stadt verfügten Demonstrationsverbot steht. „Nach unseren Informationen aus Sicherheitskreisen war der 31. März nur ein Tag zum Üben für die Blockupy-Tage. Es gibt auch eine große Angst unter den Geschäftsleuten.“

Die Galeria Kaufhof überlegt, wie andere größere und kleinere Geschäfte, das Sicherheitspersonal an den Protesttagen zu erhöhen. Über weitere Vorkehrungen will Geschäftsführerin Michaela Höckelmann „lieber nichts in der Zeitung lesen. An Spekulationen darüber, was passieren könnte, beteilige ich mich nicht.“ Trotz großer Sorge, so Heinz Schmitz, Geschäftsführer des City-Forums-Pro-Frankfurt, herrsche keine Aufgeregtheit bei den Unternehmen in der Innenstadt. Allerdings denken nach Angaben von Schmitz einige der Marktbetreiber daran, ihre Zelte lieber nicht in Frankfurt aufzuschlagen.

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