Lade Inhalte...

Blockupy Das Trauma der Polizei

M31 steht für den 31. März 2012 - kaum ein Datum hat die Frankfurter Polizeiarbeit bei Demo-Einsätzen geprägt wie dieses. Damals bekam die Polizei eine kapitalismuskritische Demo nicht in den Griff. Auch zur EZB-Eröffnung gibt es wieder Drohungen gegen die Polizei.

Der "Frankfurter Kessel" wäre ohne M31 wohl nicht denkbar gewesen. (Archiv) Foto: dpa

Vermutlich wäre vieles anders gekommen, wenn es M31 nicht gegeben hätte. Die Verbote von Blockupy 2012, der Polizeikessel 2013 und wohl auch die aktuellen Warnungen vor Krawallen bei der EZB-Eröffnung – der Bezug zu M31 ist allgegenwärtig. Kaum ein Ereignis in den vergangenen Jahren hat die Frankfurter Polizei – zumindest die Einheiten, die mit Demonstrationseinsätzen zu tun haben – derart geprägt.

Der 31. März 2012 ist ein Samstag. Das Datum ist der Namensgeber für M31, das Bündnis von linksradikalen Gruppen, die für den Tag europaweit Proteste gegen den Kapitalismus im Allgemeinen und die Krisenpolitik im Besonderen angemeldet haben. Ganz wohl ist der Polizei nicht bei der Sache, schon Tage zuvor ist in der Führungsriege die Rede von Krawallen, die es geben könne. Doch allzu ernst nimmt das niemand. Schließlich hat man Erfahrungen mit Demos linker Gruppen. In den Jahren zuvor gab es immer wieder Proteste gegen Studiengebühren und gegen Nazi-Aufmärsche. Meistens endeten sie mit Festnahmen und öffentlichen Vorwürfen der Demonstranten an die Polizei.

Am 31. März ändert sich alles. Rund 6000 Menschen ziehen durch Frankfurt, Schaufensterscheiben gehen zu Bruch, Leuchtraketen schießen durch die Luft, Flaschen fliegen. Die Polizei bildet Kessel, setzt Pfefferspray und Schlagstöcke ein, um irgendwie die Lage in den Griff zu bekommen. Was sie nicht verhindern kann: Ein Beamter, der als eine Art Verbindungsmann zwischen Demo-Leitung und Polizei eingesetzt ist, wird niedergeschlagen und mit Pfefferspray besprüht.

Der Polizist, ein sympathischer Mann, der bei Konflikten stets vermittelnd auftrat, wurde wieder gesund. Die Behörde hingegen hat sich bis heute nicht wirklich von dem Tag erholt. M31 wurde zu ihrem Trauma. Zumal es nicht gelang, die Angreifer zu finden, obwohl sogar eine Sonderkommission eingerichtet wurde. Doch Hausdurchsuchungen – darunter auch bei Journalisten – brachten keine Resultate.

Verbote und Kessel

Zwei Monate nach der Demonstration kam das Blockupy-Bündnis erstmals nach Frankfurt. Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) verbot kurzerhand sämtliche Veranstaltungen, nach einem Gerichtsurteil musste die Stadt eine Demonstration dann aber dulden. Sicher ist: Ohne M31 wäre die Stadt sehr viel gelassener mit Blockupy umgegangen.

Und auch der Polizeikessel bei der Blockupy-Demonstration am 1. Juni 2013 steht im Zusammenhang mit M31. Sagen zumindest viele Beobachter, die sich bis heute nicht erklären können, wieso die Polizei seinerzeit so ungewohnt aggressiv und kompromisslos auftrat. Ihre Theorie: Die Polizei kesselte die rund 1000 Menschen ein, um an möglichst viele Personalien von Linksradikalen zu kommen – in der Hoffnung, auf diese Weise bei den M31-Ermittlungen weiterzukommen. Belegen ließ sich dieser Ansatz nie, schon gar nicht bei den Gerichtsverfahren, in denen der Polizeikessel für rechtmäßig erklärt wurde.

Auch bei der EZB-Eröffnung will das M31-Bündnis wieder dabei sein. Im Internet ist die Rede davon, man sei seit dem 31. März 2012 Repressionen ausgesetzt und wolle „den Bullen eine ordentliche Antwort zukommen lassen“. Es sind diese Töne, die im Polizeipräsidium für ganz schlechte Stimmung sorgen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Blockupy Frankfurt

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen