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Bistro an der Berger Straße Project Shelter macht weiter

Nach dem Anschlag mit schwarzer Bitumen-Farbe eröffnet die Aktivistengruppe ihr Bistro an der Berger Straße wieder. Derweil ermittelt die Staatsanwaltschaft, bislang ohne Ergebnis.

Spielt lieber Musik als sich einschüchtern zu lassen: Christian aus Ghana bei der Eröffnung des Bistros. Foto: peter-juelich.com

Die Aktivistinnen und Aktivisten von Project Shelter haben ihr Bistro wiedereröffnet. Die Räume an der Berger Straße, Ecke Große Spillingsgasse, sollen fortan wieder unregelmäßig, aber an mehreren Tagen in der Woche Treffpunkt sowie Veranstaltungsort sein. Im vergangenen Monat hatten Unbekannte ein Fenster des Bistros eingeschlagen und schwarze Bitumenfarbe im Inneren versprüht. Project Shelter setzt sich für obdachlose Flüchtlinge ein; viele sind Arbeitsmigranten, sogenannte Lampedusa-Flüchtlinge.

Auch zur Eröffnung am Mittwochnachmittag waren einige Spuren des Anschlags noch sichtbar. Vor das zerstörte Fenster war eine Holzplatte genagelt; auf den Wänden im Inneren klebt weiterhin die pechschwarze, teerähnliche Substanz. Der Eigentümer wolle die Wände zu einem späteren Zeitpunkt erneuern, berichtete Aktivistin Alma Tomatzki. Sie nehme die besprühten Wände indes auch als sichtbaren Teil der Geschichte des Projekts wahr. Theke, Tische und Stühle habe man hingegen gesäubert, auch das Fenster werde bald ersetzt, sagte sie. Die Gruppe ließ zur Eröffnung keinen Zweifel, dass man sich von derartigen Angriffen nicht einschüchtern lassen wolle.

Unterdessen dauern die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu dem Anschlag an. Bisher habe sich jedoch noch „kein Tatverdacht gegen eine bestimmte Person oder Personengruppe ergeben“, teilte ein Sprecher mit; für Hinweise sei weiterhin eine Belohnung von 500 Euro ausgesetzt. Ermittelt werde in „sämtliche Richtungen“, auch auf eine mögliche fremdenfeindliche Motivation, berichtete der Sprecher.

Naheliegend ist ein fremdenfeindliches Motiv schon allein durch das am Tatort hinterlassene Bekennerschreiben. Darin drohen die Täter, die sich „Fragida Armee Fraktion“ nennen, dass der Schaden bei einer nächsten Aktion „erheblich größer sein“ werde und dass auch Wohnungen und Büros von Aktivisten und ihrer politischen Unterstützer ins Visier genommen würden.

„Project Shelter ist stärker als je zuvor“, betonte hingegen Noah Asaraduaumu kämpferisch bei seiner Eröffnungsrede am Mittwoch. Die Gruppe werde nicht aufgeben und nach vorne schauen. Asaraduaumu hob außerdem hervor, dass der Anschlag nicht nur eine Attacke gegen das Projekt sei, sondern auch „gegen die Kultur der Akzeptanz und Toleranz in Frankfurt“.

Project Shelter hatte das Gebäude an der Berger Straße im Juli besetzt. Der Hauseigentümer lässt die Gruppe seitdem das Erdgeschoss nutzen. Allerdings bekräftigte die Gruppe auch am Mittwoch, sie habe weiterhin das Ziel, in Frankfurt ein selbstverwaltetes Zentrum für Migranten zu eröffnen.

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