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Bildungsstätte Anne Frank Selbstverständlich hier

Zum Black History Month werden in der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank afrodeutsche Biografien aus drei Jahrhunderten vorgestellt. Dabei geben Ausstellung und Begleitprogramm schwarzen Menschen eine Stimme und zeigen: Schwarze sind schon seit langem ein Teil Deutschlands.

Einer der 27 in der Ausstellung Porträtierten: Theodor Michael. Foto: peter-juelich.com

Zum Black History Month werden in der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank afrodeutsche Biografien aus drei Jahrhunderten vorgestellt. Dabei geben Ausstellung und Begleitprogramm schwarzen Menschen eine Stimme und zeigen: Schwarze sind schon seit langem ein Teil Deutschlands.

Als Anton Wilhelm Amo im Jahr 1707 aus Ghana nach Deutschland kam, tat er das nicht aus freien Stücken. Als Vierjähriger war er von der Holländisch-Westindischen Kompanie als Geschenk an den Hof des Herzogs von Braunschweig-Wolfenbüttel verschleppt worden. Später aber war Amo der erste Afrikaner, der je an einer europäischen Universität promovierte und dozierte – an der philosophischen Fakultät in Halle.

Peggy Piesche hingegen lebt heute, rund dreihundert Jahre später, als Akademikerin in Berlin. 1968 in einer thüringischen Kleinstadt geboren, ist die Germanistin seit der Wende in der schwarzen deutschen Frauenbewegung aktiv.

Zwei Biografien aus unterschiedlichen Zeiten und doch haben Amo und Piesche etwas gemein: Sie lebten und leben als Teil einer schwarzen Minderheit in einem weißen Land. Insgesamt 27 Biografien wie die ihren, in all ihrer Unterschiedlichkeit, sind ab heute in Frankfurt in der Ausstellung „Homestory Deutschland. Schwarze Biografien in Geschichte und Gegenwart“ in der Bildungsstätte Anne Frank zu sehen. Auf den Fototafeln der seit Jahren durch Deutschland tourenden Ausstellung sind schlichte Schwarz-Weiß-Porträts von prominenten und weniger prominenten Personen abgebildet, der Holocaust-Überlebende Theodor Michael etwa, der jüngst seine Biografie veröffentlichte, aber auch Lehrer, Anwältinnen, Musiker oder Fußballspieler nachfolgender Generationen. Dreht man die Tafeln, erscheinen auf der Rückseite der Fotos die Lebensgeschichten der Abgebildeten. Zusätzlich sind Video-Elemente in der Ausstellung zu sehen.

„Es geht darum, die Selbstverständlichkeit schwarzen Lebens in Deutschland zu zeigen“, sagt Jonas Berhe, Vorstandsmitglied der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD), die die Ausstellung konzipiert hat. „Wir gehören schon länger hier her, wir sind ein Teil Deutschlands.“ Die Ausstellung trage somit auch zum Empowerment bei, zur Selbstermächtigung schwarzer Menschen, die im Spiegel der Porträts sähen, dass sie mit ihrer Biografie nicht allein dastehen.

Eben jenes Empowerment ist auch das Schwerpunktthema des Black History Month, den die ISD in Frankfurt dieses Jahr zum zweiten Mal feiert. Aus einer afro-amerikanischen Tradition heraus erwachsen nehme die Veranstaltungsreihe hierzulande auch afro-europäische Perspektiven ein, berücksichtige Bezüge nach Afrika oder Südamerika, sagt Berhe.

„Postkoloniales Frankfurt“

Die Ausstellung mit ihrem Begleitprogramm weist dabei noch über den Black History Month selbst hinaus. Bis in den Juni hinein ist sie in der Bildungsstätte Anne Frank zu sehen und wird durch ein umfangreiches Begleitprogramm mit Lesungen, Filmabenden und Vorträgen, sowie Fortbildungen für Lehrer und einem Kolonialismus-Projekttag für Schüler ergänzt, sagt Susanne Heyn. Sie verantwortet den noch recht jungen Projektschwerpunkt „Postkoloniales Frankfurt“ in der Bildungsstätte und wird den Jugendlichen zeigen, wo Spuren des Kolonialismus noch heute in Sprache, Denkweise und Alltag hineinwirken.

Es sei wichtig, sagt Heyn, Deutschland nicht nur als post-nationalsozialistische Gesellschaft zu begreifen, sondern auch als Land mit einem kolonialen Erbe. Die Ausstellung stelle beide Bezüge her und breche mit „rassistischen Vorstellungswelten“: „Sie gibt schwarzen Menschen ein Gesicht und eine Stimme.“

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