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Bildungsstätte Anne Frank Land erweitert Antidiskriminierungsstelle

Wer sich diskriminiert fühlte, musste sich bislang in Wiesbaden an die Antidiskriminierungsstelle im Ministerium für Soziales und Integration wenden. Jetzt gibt es auch eine externe Beratungsstelle in Frankfurt mit hessenweiten Partnern.

Behinderte, die sich diskriminiert fühlen, können sich jetzt in der Bildungsstätte Anne Frank beraten lassen. (Symbolbild) Foto: dpa

Ein Schwarzer, der keine Wohnung findet. Ein lesbisches Elternpaar, dem die Familienkarte für einen Freizeitpark verweigert wird. Oder ein Mann, der sich im Bewerbungsgespräch wegen seiner Behinderung benachteiligt sieht: Diese und andere Betroffene von Diskriminierung können sich nicht nur seit vergangenem Jahr an die Antidiskriminierungsstelle im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration in Wiesbaden wenden – 165 Menschen haben dies bereits getan –, sondern seit Monatsbeginn auch an ein externes hessenweites Beratungsnetzwerk. Am Dienstag stellte Staatssekretär Jo Dreiseitel (Grüne) das neue Angebot in der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank vor.

Im „ADIBE Netzwerk Hessen – Antidiskriminierungsberatung in der Bildungsstätte Anne Frank“ kooperiere das Land mit 14 zivilgesellschaftlichen Akteuren, erläutert Dreiseitel. Die Ansiedelung der bisherigen Antidiskriminierungsstelle im Sozialministerium stelle für viele Menschen eine Zugangshürde dar. Zudem dürfe das Land selbst Betroffene nicht juristisch beraten. „Im Verbund mit freien Trägern aus der Zivilgesellschaft ist eine persönliche, niedrigschwellige und hessenweite Beratung möglich.“ Das Land finanziere das Projekt bis Jahresende mit 43 000 Euro, für das kommende Jahr seien knapp 70 000 Euro angesetzt.

Den Zuschlag als Bietergemeinschaft hat neben der Bildungsstätte Anne Frank die gemeinnützige Gesellschaft „Rechte behinderter Menschen“ (rbm) aus Marburg erhalten. Sie stünden für einen Kooperationsverbund von 14 zivilgesellschaftlichen Akteuren in ganz Hessen, an die Anfragen weitergeleitet werden können, sagte Koordinatorin Mahsa Mahamied.

Dazu zählen der DGB Hessen, der Hessische Flüchtlingsrat, die Beratungsstelle Frankfurt des Verbands binationaler Familien und Partnerschaften, die Deutsch-Iranische Beratungsstelle für Frauen und Mädchen, der Verein Despierta, Förderverein Roma, LIBS - Lesben-Informations- und Beratungsstelle, Maisha-Selbsthilfegruppe für afrikanische Frauen, der Verband lesbischer und schwuler Polizeibediensteter in Hessen, der Verein our generation, das Muslimische Zentrum für Mädchen, Frauen und Familie „Rahma“ und das Kompetenzzentrum Prävention und Empowerment der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland.

Die jeweils passenden Ansprechpartner für Ratsuchende wähle sie danach aus, ob eher juristische oder psychosoziale Beratung notwendig sei und welches Diskriminierungsmerkmal vorliege, ob Ungleichbehandlung also aufgrund von Alter, Geschlecht, Behinderung, Religion, Weltanschauung, sexuelle Identität oder aus rassistischen Motiven erfolge, sagte Mahamied und betonte, dass die Beratung stets vertraulich und parteilich sei: „Wir wollen einen geschützten Raum schaffen und die Betroffenen dabei unterstützen, ihre Rechte einzufordern.“

Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank lobte das neue Netzwerk als wichtige und logische Weiterentwicklung der lange geforderten Landes-Antidiskriminierungsstelle. Rbm-Geschäftsführer Michael Richter begrüßte, dass das Land Hessen mit dem Netzwerk helfe, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz in die Praxis umzusetzen.

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