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Bildungsstätte Anne Frank Junge Profis gesucht

Die Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank startet das neues Ausbildungsprogramm "Mach dich zum Profi!". Fünf Tage dauert die Ausbildung, danach arbeiten sie als Trainer mit Jugendlichen.

05.02.2015 17:12
Elisa Rheinheimer-Chabbi
In der Bildungsstätte Anne Frank diskutieren Jugendliche mit gleichaltrigen Teamern über Themen wie Rassismus und Intoleranz.

Kopftuch? Kippa? Schwarz? Ausländischer Akzent? Fremdklingender Name? Es gibt viele Gründe, weshalb Menschen ausgegrenzt und diskriminiert werden. Wer einmal diese Erfahrung gemacht hat, weiß, wie Rassismus sich anfühlt – und kann sehr viel authentischer darüber sprechen als so mancher Politiker. Genau solche Menschen sucht die Bildungsstätte Anne Frank.

„Mach dich zum Profi!“ heißt ihr neues Ausbildungsprogramm für interkulturelle Kompetenz. Junge Leute zwischen 19 und 24 Jahren werden für die politische Bildungsarbeit geschult. Fünf Tage dauert die Ausbildung, danach arbeiten sie als Trainer mit Jugendlichen. In Zweier-Teams leiten die „Profis“ Workshops zu Themen wie Diskriminierung, Menschenrechte oder Zivilcourage. Die Teilnehmer dieser Workshops sind mal Schulklassen, mal Konfirmanden oder Mitglieder des Fußballvereins.

„Natürlich kommen auch häufig Reizthemen auf, Vorurteile, Klischees“, erklärt Aylin Kortel, die Projektleiterin des Programms. Der Umgang damit sei Teil der Ausbildung. „Was mache ich, wenn zum Beispiel pauschale Urteile über ‚den Islam‘ oder ‚die Muslime‘ aufkommen? Wie reagiere ich darauf? Das lernen die Teamer in unserer Ausbildung und geben es dann an die Teilnehmer der Workshops weiter“, ergänzt Kortels Kollegin Saba Nur Cheema.

Das Programm findet in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat und dem deutsch-türkischen Verein für Kultur und Bildung statt. Auch das Jüdische Museum Frankfurt und das Historische Museum sind Kooperationspartner. Wer die Ausbildung durchläuft, hat die Möglichkeit, später in die Teams der Bildungsstätten oder der Museen einzusteigen.

„Wer als Teamer arbeitet, gibt Gedankenanstöße und sensibilisiert Jugendliche dafür, was rassistische Äußerungen anrichten können“, erklärt Saba Nur Cheema. Doch es wird auch über Begrifflichkeiten diskutiert. Was heißt zum Beispiel ‚Migrationshintergrund‘ genau? Wer ist damit gemeint? Das aktuelle weltpolitische Geschehen spiele in den Workshops selbstverständlich eine wichtige Rolle.

„Religiöse Zugehörigkeit steht seit circa zwei Jahren stärker im Raum“, berichtet Cheema. „Wir regen dazu an, das ’Ihr-und-wir-Denken‘ zu hinterfragen.“ Doch häufig trage die gesellschaftliche Stimmung und die mediale Berichterstattung dazu bei, dass Jugendliche sich in gewissen Schubladen wiederfänden. Cheema erzählt von einer Situation, in der ein Neuntklässler kürzlich während eines Workshops gesagt habe: „Das nervt voll, dass immer von Muslimen und von Deutschen die Rede ist. Früher habe ich gesagt: Ich bin Deutscher. Jetzt sage ich: Ich bin Muslim.“ Solche Aussagen werden sowohl in der Ausbildung thematisiert als auch später während der Workshops aufgegriffen. Einfach sei das nicht immer, „aber man wächst in die Aufgabe als Teamer hinein“, sagt Aylin Kortel.

„Bei uns Teamer zu werden, ist ein flexibler Nebenjob, für den man aber etwas Zeit mitbringen muss“, erläutert sie. Ihr Team sucht längerfristig Verstärkung und ist besonders an denjenigen interessiert, die Lust haben, mindestens zwei Jahre dabei zu bleiben. Bewerben können sich junge Leute noch bis zum 20. Februar. Aufgrund der großen Nachfrage überlegt Aylin Kortel sogar, im Sommer noch einen zweiten Ausbildungsdurchlauf anzubieten. Das rege Interesse freut sie, „denn im Bildungsbereich brauchen wir dringend mehr junge Erwachsene mit Rassismus-Erfahrung“, betont sie. Ob mit oder ohne Kopftuch oder Kippa ist dabei ganz egal.

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