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Bildungsstätte Anne Frank Interaktiv gegen den Rassismus

Das neue Lernlabor der Bildungsstätte Anne Frank ist eingeweiht. Damit sagen die Verantwortlichen auch den Geschichtsrelativierern den Kampf an. Eine Zeitzeugin gibt Tipps.

Buch "Anne Frank"
Die Begegnungsstätte Anne Frank hat ihr neues Lernlabor eingeweiht. Foto: Michael Schick

Trude Simonsohn brachte es auf den Punkt: „Die Bildungsstätte gehört zu mir und ich gehöre zu ihr.“ Die Ehrenbürgerin der Stadt Frankfurt und KZ-Überlebende habe schwere und gute Zeiten mit der Bildungsstätte Anne Frank erlebt. Umso mehr freute sie sich, bei einem weiteren Meilenstein dabeisein zu können: die Eröffnung des neuen Lernlabors „Anne Frank. Morgen mehr.“ in der Hansaallee 150.

„Wir sind kein Museum, sondern eine Bildungsstätte, und das hier ist auch keine Ausstellung, sondern ein Lernlabor“, sagte Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank. Wo in einer üblichen Ausstellung oftmals die Interaktivität fehle, sei das Lernlabor eher als Spielwiese und als Experimentierfeld zu sehen. Zwar sei die Umsetzung keine klassische Gedenkstätte, doch das mindere nicht deren Ernsthaftigkeit. „Wir erleben momentan, dass versucht wird, die Geschichte zu relativieren, und wir erleben Angriffe auf Juden, Muslime und Asylsuchende“, mahnte Mendel. Dieser Gefahr müsse man entgegentreten. Das Lernlabor sei ein Weg, um Antworten auf komplexe Fragen zu finden, die die Menschen momentan umtrieben.

Oberbürgermeister Peter Feldmann stellte in den Raum, dass die Auseinandersetzung mit Anne Frank eben auch zu der Frage führen müsse, was das Buch über einen selbst aussage. Anne Frank sei unweit der Bildungsstätte im Marbachweg in einem liberalen Frankfurt aufgewachsen. Doch auch das offene Frankfurt sei damals nicht vor Hass und Ausgrenzung gefeit gewesen. „Es gibt keine Garantie, dass das einer Stadt nicht passiert – auch heute nicht“, sagte Feldmann. Frankfurt sei friedlich, offen und tolerant, aber um das zu erhalten, müsse man weiterarbeiten. „Distanz schafft Raum für Rassismus“, sagte der Oberbürgermeister. Deswegen sei Nähe bei der Geschichtsvermittlung so wichtig.

Zeitzeugen schaffen solche Nähe, berichtete Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Und deren Stimmen seien immer am authentischsten. Klar sei aber, dass es bald keine Zeitzeugen mehr geben werde. Das interaktive Lernlabor, in dem die Jugendlichen auch Lösungsansätze bekämen, sei eine vielversprechende Herangehensweise. „Eine neue, aber tolle Art der Auseinandersetzung“, lobte Schuster.

Trude Simonsohn erzählte, dass heutige Jugendliche sie häufig fragten, was sie tun könnten, um zu verhindern, dass so etwas wieder passiere. „Zu jedem Unrecht sofort Nein sagen“, gab die Zeitzeugin der NS-Zeit darauf gleich die Antwort.

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, sagte, dass das Tagebuch von Anne Frank „uns erinnern lässt, was uns Deutsche ausmacht und wo wir herkommen“. Trotz momentaner Versuche ein anderes Bild zu erzeugen, wies er darauf hin, dass Juden und Muslime Freunde seien.

Auf die Frage, von was sie sich morgen etwas mehr wünschen, antworteten die Ehrengäste: Menschlichkeit, demokratischer sein sowie Versöhnung und mehr Achtung und Respekt allen gegenüber.

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