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Betrug vor Gericht Kredite für alle

Ein mutmaßliches Gauner-Duo soll die Deutsche Bank durch die Vergabe von 17 faulen Krediten um mehr als eine halbe Million Euro betrogen haben. Gleich am ersten Verhandlungstag kommt es zu einer absoluten juristischen Rarität.

Justizia ist wachsam. Foto: FR/Rutkowski

Rein optisch könnte das Paar, das wegen Betrugs und Urkundenfälschung auf der Anklagebank des Frankfurter Landgerichts sitzt, nicht unterschiedlicher sein. Jelena G., 30 Jahre alt, sitzt dort in weißer Bluse und schwarzem Kostüm, das blonde Haar adrett frisiert, die Miene so seriös, dass man sich jederzeit einen Kredit von ihr aufschwatzen lassen würde. Wer hingegen vom Mitangeklagten Elvis S., 35 Jahre, einen Gebrauchtwagen kaufen würde, der ist wohl eher mit Gottvertrauen als mit Menschenkenntnis gesegnet.

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden vor, durch die Vergabe von 17 faulen Krediten die Deutsche Bank um mehr als eine halbe Million Euro betrogen zu haben. Zwar liegt diese Summe für die Bank deutlich im unteren Erdnuss-Bereich. Aber die Dreistigkeit, mit der die beiden laut Anklage vorgegangen sein sollen, würde jedem internationalen Geldinstitut zur Ehre gereichen.

Laut Anklage begann die Geschichte im November 2007. Der mit Jelena G. bekannte Elvis S. soll damals mit seiner Ehefrau in eine Filiale der Deutschen Bank in Bad Homburg gekommen sein, in der Jelena G. arbeitete – sie war zuständig für die Vergabe von Krediten. Es soll ihr laut Staatsanwaltschaft bewusst gewesen sein, dass die Gehaltsabrechnungen von Elvis S. Ehefrau gefälscht waren. Ihren Chefs, die die Kreditvergabe gegenzeichneten, war das wohl eher nicht bewusst. Aber weil alles so reibungslos klappte, hätten die beiden beschlossen, die Geschäftsidee auszuweiten.

Falsche Gehaltsbescheinigungen und Aufenthaltsberechtigungen

Elvis S. soll sich dabei um die Kundenakquise gekümmert haben. Immer öfter kam er zur Filiale, gemeinsam mit fast durch die Bank weg ausländischen Kreditnehmern, denen er zuvor falsche Gehaltsbescheinigungen und Aufenthaltsberechtigungen besorgt haben soll. Die bekamen ihren Kredit, Elvis S. seinen Anteil – sagt die Staatsanwaltschaft. Elvis S. sagt dazu am ersten Verhandlungstag nichts.

Angesichts der erfreulichen Entwicklung des Geschäftsmodells sollen irgendwann auch die letzten Schranken gefallen sein. So sollen beide Angeklagten in personae zu einer Frankfurter Baustelle nahe der Alten Oper gefahren sein, um dort Wanderarbeiter mit Krediten zu beglücken und die Verträge vor Ort zu unterzeichnen. Elvis S. soll sein Meisterstück abgeliefert haben, als er eine des Deutschen nicht mächtige Analphabetin aus Osteuropa dazu brachte, einen vermeintlichen Vertrag über eine Stelle als Reinemachefrau bei der Deutschen Bank zu unterzeichnen. Anschließend hatte die arme Frau einen Kredit von mehr als 30 000 Euro am Hals, die samt und sonders auf dem Konto von Elvis S. gelandet sein sollen.

Anwalt wird vom Richter entpflichtet

Der erste Verhandlungstag brachte hinsichtlich der Tat keine neuen Erkenntnisse. Dafür aber eine absolute juristische Rarität. Nachdem die Anwälte der beiden Angeklagten schon zu Verhandlungsbeginn ein Antragsfeuerwerk gezündet hatten, legte der Anwalt von Jelena G. nach der mehr als einstündigen Anklageverlesung noch eine Schippe drauf. Er habe, sagte er, gut eine Woche vor Prozessbeginn umfassende Akteneinsicht gefordert, die ihm auch gewährt worden sei – wenn auch unter der Auflage, dies in der Geschäftsstelle des Gerichts zu tun, was der Anwalt unzumutbar fand.

Richter Klaus Eckhardt, der die Faxen sichtlich dicke hatte, gab dem Antrag statt – der Prozess wurde erst einmal ausgesetzt. Zeitgleich entpflichtete Eckhardt aber den Anwalt wegen erwiesener Unzuverlässigkeit von seinem Mandat und drohte damit, ihm die durch die Verzögerung entstehenden Kosten aufzubrummen. Sollte die Entscheidung Bestand haben, wäre der Anwalt als Pflichtverteidiger aus dem Rennen.

Der Schaden durch nicht zurückgezahlte Kredite bei der Deutschen Bank wächst derzeit weiter an, mittlerweile auf mehr als 600 000 Euro. Das allerdings ist keine Folge strafrechtlich verfolgbarer Kriminalität, sondern von satten Zinsen für Kleinkredite. Aber das ist eine andere Geschichte und muss von einem anderen Gericht geklärt werden.

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