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Betriebseigenen Kindertagesstätte Karriere und Kind in einem Haus

40 Jahre gibt es Kindertagesstätten in Frankfurter Unternehmen. Für die Eltern, aber auch für die Unternehmen ist das ein Vorteil. Den Eltern erspart es Zeit und die Unternehmen sind so attraktiver für die Arbeitnehmer. Die Probleme der herkömmlichen Kitas kann es aber nicht ersparen.

Entspanntes Legobauen in der Betriebskita der Kreditanstalt für Wiederaufbau: Mama oder Papa arbeitet gleich um die Ecke. Foto: Alex Kraus

40 Jahre gibt es Kindertagesstätten in Frankfurter Unternehmen. Für die Eltern, aber auch für die Unternehmen ist das ein Vorteil. Den Eltern erspart es Zeit und die Unternehmen sind so attraktiver für die Arbeitnehmer. Die Probleme der herkömmlichen Kitas kann es aber nicht ersparen.

Qualifizierte Schreibkräfte. Weil die Anfang der 70er Jahre rar waren, musste sich die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) einiges einfallen lassen, um sie in ihr Unternehmen zu locken. Und das tat sie: Eine eigene Kita wurde gegründet. So konnten Sekretärinnen angeworben werden, die sich eigentlich noch zu Hause um die Kinder kümmerten. „Wir haben das Unternehmen dadurch für sie attraktiv gemacht“, sagt Charis Pöthig, Sprecherin der KfW. „Wir wollten ermöglichen, dass Arbeit und Familie verbunden werden können.“

Zeitersparnis für Eltern

Es war die Geburtsstunde der ersten betriebseigenen Kindertagesstätte in der Bankenbranche in Frankfurt. Nun wurde 40. Geburtstag gefeiert – mit den 45 Kindern zwischen drei und zehn Jahren, die inzwischen die Einrichtung besuchen. Dazugekommen sind im Laufe der Jahre zudem noch zwei Betriebs-Krabbelstuben. „Die Kita um die Ecke vom Arbeitsplatz ist eine Erleichterung für viele Familien, sie erspart das Hin- und Herfahren“, sagt Pöthig. Zahlreichen Angestellten sei es daher möglich, früh aus der Elternzeit zurückzukehren und „auch bei Bewerbungen spielt die Betriebskita eine Rolle“. Viele entschieden sich auch deswegen für einen Job bei der KfW.

Mit ihrer Kita war die KfW zwar Vorreiter in Frankfurt – heute sehen aber viele Unternehmen den Vorteil einer betriebsnahen Betreuungsstätte für die Kinder der Belegschaft. Verlage, Banken, Krankenhäuser und etliche Betriebe aus anderen Branchen leisten sich ihre eigenen Einrichtungen. Meist haben sie länger als andere Kitas geöffnet, schließen in den Schulferien gar nicht – tragen manchmal aber skurrile Namen: So heißt die Einrichtung im Bürgerhospital „Ultraschall“, im Finanzamt „Zauberhut“, bei der Mainova „Energiebündel“.

Eine "Win-Win-Situation"

52 betriebsnahe Kindertagesstätten gibt es derzeit in Frankfurt. Doch die Unternehmen stemmen die Aufgabe nicht allein. Finanziell werden sie von der Stadt unterstützt. Sie übernimmt den größten Teil der Kosten für jeden Kitaplatz, dazu kommen Landeszuschüsse und das normale Elternentgelt. Zudem beteiligt sich die Stadt zu drei Vierteln an den Kosten für einen Neu- oder Umbau. Allerdings geschieht dies alles nur unter einer Bedingung: Mindestens 25 Prozent der Plätze müssen von Kindern aus dem Stadtteil belegt werden. Möchte das Unternehmen nur die Kinder der eigenen Angestellten betreuen, dann fallen die städtischen Subventionen um 20 Prozent geringer aus.

Für Elke Voitl vom Schuldezernat sind Betriebskitas eine „Win-win-Situation“. Unternehmen steigerten dadurch ihre Attraktivität, und die Stadt sei froh über jeden Platz, der für ein Kind geschaffen wird. „Außerdem ist die arbeitsplatznahe Betreuung für Kinder und Eltern ein Wahnsinnsvorteil“, sagt Voitl. „Die Eltern sind nicht nur räumlich näher an ihren Kindern dran, sondern auch an der Pädagogik.“

Und weil die Stadt das alles so gut findet, plant man derzeit gerade „eine Offensive“, so Voitl. Durch die sollen noch mehr Unternehmen für die Idee einer Betriebskita gewonnen werden. Mit gutem Beispiel will die Stadt künftig auch vorangehen: Sie hat nach langem Suchen ein Grundstück an der Limpurgergasse, direkt am Römer, gefunden, auf dem sie eine Kita für die Kinder städtischer Angestellter errichten will.

Großer Andrang, lange Wartelisten

Das Krankenhausen Sachsenhausen ist da schon weiter. Es hat im Frühjahr eine der jüngsten Betriebskitas der Stadt eröffnet. In der Krabbelstube „MainAbenteuerland“ werden 15 Kinder von Krankenhaus-Angestellten betreut, dazu kommen fünf weitere aus dem Stadtteil. „Wir haben beim Pflegepersonal und in der Ärzteschaft einen hohen Frauenanteil“, sagt Mareike Jensen von der Öffentlichkeitsarbeit. „Wir sind darauf angewiesen, dass die jungen Mütter auch bald wieder zurückkommen.“

Mit der Betriebskita will man das den Angestellten einfacher machen, schließlich müssen die Fachkräfte ans Unternehmen gebunden werden. Eines ist in den Betriebskitas aber auf jeden Fall nicht anders als in jeder herkömmlichen Einrichtung: Der Andrang auf die Plätze ist groß, die Wartelisten sind lang.

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