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Besetztes Institut Neue Freunde für das IvI

Die Zukunft des IvI ist weiterhin unklar. Aber die Stimmen aus der Politik werden lauter. SPD und Piraten sprechen sich jetzt für den Erhalt des linken Kulturzentrums aus.

Das Haus Kettenhofweg 130: Das IvI. Foto: Chris Hartung

Die politische Debatte um das „Institut für vergleichende Irrelevanz“ (IvI) im Kettenhofweg gewinnt deutlich an Schwung. Nachdem die gemeinsame Römer-Fraktion von Piratenpartei und Europaliste für Frankfurt (ELF) schon in der vergangenen Woche einen Antrag zum Erhalt des IvI in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht hatte, arbeitet nun auch die SPD an einem Papier zur Unterstützung des linken Kulturzentrums.

Noch für die kommende Ausschussrunde solle der Antrag vorgelegt werden, sagte der SPD-Stadtverordnete Mike Josef im Gespräch mit der FR. Seine Fraktion sei mit Piraten und ELF einig, dass das IvI in derzeitiger Form erhalten bleibe müsse. „Dort setzen sich junge Menschen mit ernsthaften gesellschaftlichen Problemen auseinander“, so Josef.

„Wir halten das für förderlich, so etwas gibt es sonst kaum noch in Frankfurt.“ Er hoffe , dass die Stadt jetzt schnell aktiv werde, um eine Räumung noch abwenden zu können. „Es muss verhindert werden, dass Franconofurt die Leute in einer Nacht- und Nebelaktion zwingt, das Haus zu verlassen.“

Josef forderte die Universitätsleitung und die Franconofurt AG auch auf, den Kaufvertrag für das denkmalgeschützte Gebäude offenzulegen. Nicht nur der genaue Kaufpreis sei unklar, auch die Vertragskonditionen seien für die Öffentlichkeit interessant, so Josef. „Da sind noch viele Fragen offen.“

Besetzer haben Nutzungsrechte

Martin Kliehm, Stadtverordneter der Piratenpartei, betonte gegenüber der FR den besonderen Status des IvI. „Es entspricht der Kritischen Theorie etwa Theodor W. Adornos, dass Studierende eine selbstverwaltete Unikultur schaffen“, sagte er. Dies leiste das IvI etwa mit der zweimal jährlich stattfindenden „Gegenuni“. Im Antrag von Piraten und ELF wird gefordert, der Magistrat solle mit Franconofurt über den Erwerb des Hauses verhandeln.

Seiner Auffassung nach hätten die Besetzer nach neun Jahren kontinuierlicher Arbeit auch Nutzungsrechte an dem Haus erworben, so Kliehm . „Man kann nicht einfach mit Häuserkampfmethoden aus den 70er Jahren kommen.“ Franconofurt hatte sich vor zwei Wochen Zugang zum IvI verschafft und dabei die Eingangstür ausgebaut. Für eine Räumung, so Kliehm, gebe es derzeit keinerlei rechtliche Grundlage. „Es gibt ja noch nicht einmal eine Räumungsklage.“

Bei Franconofurt hieß es, man habe in der Tat noch keinen Räumungstitel beantragt. „Wir haben ja keine Namen der Besetzer“, sagte ein Mitglied der Geschäftsführung der FR. Derzeit plane das Unternehmen auch keine eigenen Maßnahmen gegen das IvI. „Wir haben als Eigentümer kein Interesse daran, diese Leute zu bedrohen oder selber rauszuwerfen.“ Entsprechende Gerüchte seien „totaler Quatsch“.

Illegal Strom und Wasser

Allerdings habe man alles, was sich im IvI abspiele, an die zuständigen Behörden gemeldet. Schließlich werde dort ohne Lizenz Alkohol ausgeschenkt und illegal Strom und Wasser angezapft. Die weitere Entwicklung warte man jetzt erst einmal ab. „Wenn die Stadt das Projekt erhaltenswert findet, nehmen wir gerne an Verhandlungen teil.“

Von Seiten der IvI-Betreiber hieß es, die Stimmung sei aufgrund der Situation gedrückt, man versuche aber, weitere Unterstützer für die eigene Arbeit zu finden.

Am Wochenende gab es einen „Tag der offenen Tür“. Eine Solidaritätserklärung zum Erhalt des Instituts haben bereits 50 Künstler und Intellektuelle unterzeichnet, darunter auch der Soziologe Alex Demirovi?.

Weitere Informationen zum IVI unter www. ivi.copyriot.com

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