Lade Inhalte...

Berufsbildungsmesse Kein Elektriker mit einer Fünf in Physik

In Frankfurt gibt es mehr Ausbildungsplätze als junge Menschen, die einen Ausbildungsplatz suchen. Trotz des großen Angebots finden viele der Unversorgten keine Lehrstelle, die zu ihnen passt. Eine Berufsbildungsmesse soll das nun ändern.

Beruf Köchin: Die harten Arbeitszeiten in der Gastronomie schrecken viele Bewerber ab. Foto: dpa

In Frankfurt gibt es mehr Ausbildungsplätze als junge Menschen, die einen Ausbildungsplatz suchen. Trotz des großen Angebots finden viele der Unversorgten keine Lehrstelle, die zu ihnen passt. Eine Berufsbildungsmesse soll das nun ändern.

In Frankfurt sind laut jüngsten Zahlen vom Mai noch 3023 Ausbildungsplätze unbesetzt; dem stehen 2925 unversorgte Suchende gegenüber, die bei der Arbeitsagentur gemeldet sind. Es könnte also alles ganz einfach sein. Doch das ist es natürlich nicht, denn offene Stellen und Bewerber sind in vielen Fällen nicht kompatibel. Zum einen gibt es freie Plätze, die keiner will. Zum anderen kommt es immer wieder vor, dass der Nachwuchs zwar an einer Stelle Interesse hat, aber nicht den Ansprüchen der Betriebe genügt.

Wie Anna Morales von der Pressestelle der Arbeitsagentur berichtet, finden sich die meisten unbesetzten Ausbildungsplätze im Bereich Kaufmännische Dienste, Handel, Vertrieb, Touristik: 860 an der Zahl. Zu diesem Bereich gehört zum Beispiel der allgemeine Verkauf: Hier sind 370 Stellen offen, es gibt aber 458 chancenlose Bewerber. Im Hotelfach stehen 135 noch unbesetzte Plätze 63 ungeeigneten Interessenten gegenüber. „Die von den Arbeitgebern gewünschte Qualifikation und das, was diese Bewerber mitbringen, passen nicht zusammen“, sagt Morales.

So ist es auch in der Gastronomie. Gerade hier in der Region würden sehr gute Englischkenntnisse erwartet, die viele Anwärter einfach nicht bieten könnten. Allerdings stehen den 135 offenen Stellen in der Gastronomie vergleichsweise wenig interessierte Bewerber gegenüber, nämlich 34. „Da schrecken viele die harten Arbeitszeiten ab“, erklärt Morales.

Um die Diskrepanz langfristig zu überwinden, setzt die Arbeitsagentur auf Aufklärung und Beratung. „Ein Jugendlicher kennt den Friseur, den Tischler, den Mechatroniker – es gibt aber mehr als 360 anerkannte Ausbildungsberufe“, sagt Morales. „Es geht darum, Möglichkeiten aufzuzeigen.“ Entscheidend sei aber auch, die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung zu fördern. „Wer ins Büro will, braucht in Deutsch eine Zwei“, sagt Morales. „Und Elektriker werden mit einer Fünf in Physik, das kann man vergessen.“

Welche Alternativen es aber möglicherweise gibt, sollen Veranstaltungen wie die heute beginnende Berufsbildungsmesse aufzeigen, an der auch die Arbeitsagentur beteiligt ist. Hier besteht die Möglichkeit, sich unterschiedliche Berufe anzuschauen und auch mit potenziellen Arbeitgebern ins Gespräch zu kommen.

Chancen auch ohne Abschluss

Darin sieht Morales einen wichtigen Schritt, denn oft könnten Bewerber trotz eines nicht so tollen Zeugnisses persönlich überzeugen. Nach ihrer Erfahrung haben auch diejenigen ohne Schulabschluss Chancen. „Manche haben durchaus ihre praktischen Fähigkeiten.“ Deshalb hegt Morales die Hoffnung, bis August auch die verbliebenen Suchenden unterzubringen.

Insgesamt habe die Agentur von Oktober bis Mai 5657 Bewerber registriert, 6899 freie Ausbildungsplätze wurden gemeldet. Und wenn ein Arbeitgeber gar keinen geeigneten Kandidaten findet, bietet – und bezahlt – die Agentur „Ausbildungsbegleitende Hilfe“, eine Art Nachhilfe für den Auszubildenden.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum