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Berufliche Förderung von Frauen Die Prinzessin und das Paradies

Geflüchtete Frauen entdecken die Bühne und viele unbekannte Talente. Zahra Ibrahimi spielt die Hauptrolle in dem Stück „Gewächshaus“.

Zahra Ibrahimi
Zahra Ibrahimi (25) hat schon in Afghanistan angefangen, Deutsch zu lernen. Sie möchte wieder Informatik studieren. Foto: Christoph Boeckheler

Etwa einen Monat war Zahra Ibrahimi (25) mit ihrer Familie auf der Flucht: weg aus Afghanistan, weg von den Bomben, den Explosionen. „Wir konnten dort nicht mehr leben“, erzählt sie im Gespräch mit der FR. Über die Türkei und Griechenland nach Frankfurt, dorthin, wo schon ein Bruder von ihr lebt. Es folgen sechs Monate Unterbringung in einer Turnhalle. Jetzt lebt die Familie in einem Heim in Niederrad. Zwei Zimmer für fünf Personen.

Vor zwei Monaten hat für Zahra Ibrahimi eine ganz andere Reise begonnen, die am heutigen Abend mit einer Aufführung im Theaterhaus in der Schützenstrasse ihr vorläufiges Ende finden wird. Das „Gewächshaus“ hat Premiere, und Ibrahimi spielt die Hauptrolle, eine Prinzessin. Sie ist sehr belesen , findet aber in den Büchern nichts über den Garten des Paradieses, den Ort der Sehnsucht und der Erfüllung. Das Stück, an dem rund 20 Frauen aus zwei Lehrgängen des Frankfurter Vereins zur beruflichen Förderung von Frauen (VbFF) mitwirken, endet mit einem Gedicht von Ibrahimi. Es beschreibt, „wie das Paradies in mir selber wächst“.

„Für die meisten Frauen ist das Theaterspielen eine neue Erfahrung“, sagt VbFF-Frau Timnit Ghirmai. Es seien viele unentdeckte Talente zum Vorschein gekommen. Wenn gesungen wird, hätten sich plötzlich „schöne Stimmen“ Gehör verschafft. Andere Frauen seien beim Tanzen aufgefallen.

„Ankommen – Weiterkommen“ heißt der Kurs, den Zahra Ibrahimi besucht. Während ihr Asylverfahren noch läuft, lernt sie beim Verein Deutsch, Mathe und den Umgang mit dem Computer. Was für Zahra Ibrahimi kein Problem sein dürfte, denn sie hat vor ihrer Flucht in Afghanistan Informatik studiert. Von der Walter-Kolb-Straße in Sachsenhausen aus werden auch kleine Exkursionen unternommen, berichtet Projektleiterin Barbara Koch.

Im Kurs geht es um weit mehr als darum, jungen geflüchteten Frauen bei der beruflichen Orientierung zu helfen. „Wir wollen eine Perspektive für das Leben hier entwickeln.“ Viele Einzelgespräche begleiten die Kurse des Vereins, der auch zwei Sozialarbeiterinnen hat. Auch externe Hilfe wird in Anspruch genommen, etwa die des Instituts für Traumapädagogik. Oft haben die Erlebnisse vor oder auf der Flucht tiefe Spuren hinterlassen. „Wenn man Hilfe braucht, bekommt man Hilfe“, versichert Koch.

Auch der Kurs für Mütter, die sich auf eine Ausbildung in Teilzeit vorbereiten, ist an der Aufführung des „Gewächshauses“ beteiligt. Ganz pragmatisch betrachtet soll das Theaterstück auch die Deutschkenntnisse verbessern. Zwei Monate wurde einmal die Woche geprobt. Die 80 Plätze im Theaterhaus sind längst vergeben. Es werden Kursteilnehmerinnen erwartet, die nicht selber auf der Bühne stehen; die Vereinsmitarbeiterinnen wollen sich das seltene Schauspiel auch nicht entgehen lassen, denn es wird nur diese eine Vorführung geben. Und die Angehörigen sind auch willkommen. Zahra Ibrahimi wird ihre Mutter und ihre Schwester mitbringen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Zuwanderung Rhein-Main

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