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Bernd Lunkewitz Lunkewitz geht nach Kalifornien

Immobilienkaufmann und Mäzen Bernd Lunkewitz verlässt nach mehr als 40 Jahren Frankfurt. Seine Villa steht zum Verkauf. In Los Angeles will Lunkewitz den Kontakt zum scheidenden Städel-Direktor Max Hollein pflegen.

Die Villa von Bernd Lunkewitz steht zum Verkauf. Foto: Christoph Boeckheler

Für Frankfurt, ach was, für Deutschland ist das ein großer Verlust. Bernd Lunkewitz, Immobilienmagnat und bekennender Linker, kehrt der Stadt nach mehr als 40 Jahren den Rücken. „Ich wollte einfach noch mal ein neues Leben anfangen“, sagt der 68-Jährige im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Und das tut der frühere Verleger des Aufbau-Verlages jetzt in Kalifornien. Am Rande von Los Angeles hat er für sich, seine Ehefrau und die drei Kinder eine Villa erworben, er will fortan noch mehr ins Filmgeschäft investieren als bisher.

Sein Frankfurter Anwesen, eingebettet in einen 16 215 Quadratmeter großen Park an der Mörfelder Landstraße, bietet er zum Kauf an. „Das brauch’ ich jetzt einfach nicht mehr.“ Als er Anfang der 90er Jahre das Hauptgebäude, die beiden Torhäuser und das Gartenhaus mit Schwimmhalle errichten ließ, machte das bundesweit Schlagzeilen. Das Imitat griechischer Klassik aus edelsten Materialien passte so recht zum Image des Kaufmanns, der nach dem Motto lebt: „Geld macht nicht glücklich, aber auch nicht unglücklich.“

Seine ersten Schlagzeilen machte der junge Wilde in den 70er Jahren. Er hisste auf einem Gebäude der US-Army in Frankfurt eine Fahne des Vietcong, aus Protest gegen die Kriegsverbrechen der USA in Vietnam. Als er verhaftet wurde, zwängte er sich durch die Gitterstäbe des Gefangenentransporters und entkam. Fortan galt er in der linken Szene der Stadt als Held.

Doch diese Erwartungen enttäuschte der bekennende Marxist in den 80er Jahren bitter, als er in Frankfurt und anderswo in großem Stil als Immobilienspekulant auftrat. Anfang der 90er Jahre begann er, in den USA zu investieren: „Da hab’ ich in Dallas mein erstes Hochhaus gekauft.“

„Nein, wehmütig ich nicht “

Und jetzt geht er in die USA für den Rest seines Lebens. Wehmut? „Nein, wehmütig ich nicht “, bekennt er. In den USA liebt er „die positive Stimmung“. In Deutschland sieht er vor allem Kleingeister und Bedenkenträger am Werk, „gerade in Frankfurt gibt es echte Krämerseelen.“

In Los Angeles will Lunkewitz den Kontakt pflegen zu einem anderen Frankfurter, der gerade nach Kalifornien wechselt: zum scheidenden Städel-Direktor Max Hollein. Die Familien sind schon jetzt gut miteinander bekannt. Der Immobilienkaufmann möchte sich auch in den USA als Förderer der Kunst betätigen, wie er es schon in Frankfurt tat.

1988, als der Malerfürst Gerhard Richter an der Städelschule unterrichtete, suchte Lunkewitz für ihn ein geeignetes Domizil in der Stadt. Doch es fand sich nichts, und Richter ging bald wieder. Lunkewitz aber blieb Sammler von Richter-Gemälden. 1991 kaufte der Investor nach Vermittlung des früheren Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann (SPD) den vom Konkurs bedrohten Aufbau-Verlag, ein Aushängeschild der DDR-Kultur. Mit diesem Kauf wurde er nicht froh: Es stellte sich heraus, dass Lunkewitz gar nicht von der Treuhandanstalt hätte erwerben dürfen, weil die nicht der rechtmäßige Eigentümer war.

Der Verleger musste das Unternehmen ein zweites Mal kaufen, 2008 zog er sich dann zurück. Noch heute versucht Lunkewitz, vor Gericht Schadenersatz zu erstreiten.

Aber das alles lässt der Kaufmann jetzt hinter sich, zugunsten der USA. Es schreckt ihn noch nicht einmal die Perspektive, dass ein Donald Trump dort Präsident werden könnte. „Ted Cruz wäre viel gefährlicher gewesen“, sagt der Investor. Ted Cruz, der erzkonservative Waffennarr also, der auf dem heiß geschossenen Lauf seines Sturmgewehres Schinken briet.

Für das Lunkewitz-Anwesen an der Mörfelder Landstraße haben sich schon mehrere Interessenten gemeldet. So knapp unter 20 Millionen Euro sollten die Käufer schon mitbringen.

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